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«Die Top 8 der Welt muss sich warm anziehen»

Der Ustermer Judoka Nils Stump wird immer unheimlicher – drei Weggefährten ordnen sein Leistungshoch ein.

Der Ustermer Nils Stump war in Tel Aviv nicht zu bezwingen.

Foto: PD

«Die Top 8 der Welt muss sich warm anziehen»

Ustermer Judoka

Der Ustermer Judoka Nils Stump wird immer unheimlicher – drei Weggefährten ordnen sein Leistungshoch ein.

Der Sieg am Grand Slam von Tel Aviv hat es möglich gemacht: Seit dieser Woche ist Nils Stump in seiner Gewichtsklasse bis 73 kg auf Position 9 der Weltrangliste geführt. Der Ustermer ist damit so gut wie noch nie klassiert.

Es ist umso erstaunlicher, da er sich nach den Olympischen Spielen von 2021 einer Schulteropera­tion unterzog – und dadurch fast ein Jahr lang keinen Wettkampf bestritt.

Der 25-Jährige hat aber schnell wieder Fuss gefasst und je zwei Europacups und Grand Slams gewonnen.Erleben wir den stärksten Nils Stump überhaupt? Drei Exponenten erklären den Höhenflug.

Lunchtalk

Die Kombination aus Judo-Gefühl und Power zeichnet ihn aus.

Fabienne Kocher

Grand-Slam-Judoka aus Riedikon

Nils befindet sich in absoluter Top-Form. Das hat sich gerade beim jüngsten Erfolg gezeigt. Er ist technisch stark und sehr vielseitig. Dadurch kann er aus jedem Griff und jeder Position den Gegner werfen. Dazu kommt ­seine Fussarbeit, wodurch er ­viele aus dem Konzept bringt. Die Kombination aus Judo-Gefühl und Power zeichnet ihn aus.Nils hat nach den Olympischen Spielen nochmals einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Es ist ganz einfach schön, ihm zuzuschauen, wie er kämpft. In seiner derzeitigen Verfassung muss sich auch die Top 8 der Welt ­gegen ihn warm anziehen.

Benar Baltisberger, Schweizer Judo-Verband.

Nils wächst immer wieder über sich hinaus, und ich bin überzeugt, dass sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist.

Benar Baltisberger

Schweizer Judo-Verband

Der Sieg in Abu Dhabi war ein grosser Erfolg und hat gezeigt, dass Nils zur Weltspitze gehört. Einen zweiten Grand Slam zu ­gewinnen, zeugt von Konstanz. Diese Bestätigung war wichtig und auch ein Fingerzeig für die Konkurrenz. Er hatte das Glück, in seiner Karriere nie ernsthaft verletzt zu sein. Die Schulter-OP war bewusst gewählt und kam zu ­einem guten Zeitpunkt, um hinsichtlich Olympia 2024 wieder voll einsatzfähig zu sein.Wenn wir schauen, mit welcher Energie und Überzeugung Nils auf die Matten geht, so darf man behaupten, dass die richtige Entscheidung getroffen wurde. Er ist stärker denn je, insbesondere hat er im physischen Bereich nochmals einen Schritt gemacht. Dadurch kann er sich noch bessere Chancen erkämpfen, um mit seinem breiten technischen Repertoire zu punkten. Für seine Spezialtechnik «Sasae-tsuri-komi-ashi» sind viel Kraft und Kontakt-Judo gefragt.Für mich zählt Nils zu den absoluten Favoriten. Und zwar nicht nur an der momentanen Wettkampfstärke gemessen, sondern daran, wie er sich stetig weiterent­wickelt. Viele Athleten haben ein hohes Niveau erreicht, aber stagnieren dann. Nils wächst immer wieder über sich hinaus, und ich bin überzeugt, dass sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist.

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International ist er mit jedem Gegner auf Augen­höhe.

Robert Wakiyama

Präsident Judo-Club Uster

Beide seiner Grand-Slam-Siege sind aussergewöhnlich. In Abu Dhabi war Nils noch nicht gesetzt und musste daher schon früh ­einen Judoka aus den Top 8 bezwingen. Das Turnier in Tel Aviv war dafür stärker besetzt. Und er hatte etwas Glück, da ihm starke Gegner aus dem Weg geräumt wurden.Insgesamt ist auffällig, wie souverän Nils mittlerweile auftritt. Bis vor zwei Jahren unterliefen ihm noch entschei­dende Missgeschicke. Eine besondere Stärke ist seine ungewöhnliche Fusstechnik, mit der er viele Gegner knackt. Sie war schon eine Spezialität seines Trainers Aleksei Budolin.In der Schweiz würde Nils mittler­weile nahezu jeden Gegner anderer ­Gewichtsklassen bezwingen. Die einzige Ausnahme ist Daniel Eich, der allerdings rund 30 kg schwerer ist.International ist er mit jedem Gegner auf Augen­höhe, unberechenbar sind einzig die Japaner, weil sie weniger bei Wettkämpfen auftreten. Nils war mit dem Nationalteam im Ja­nuar für zweieinhalb Wochen in Tokio für den Trainingsaufbau – und um sich mit den Kämpfern zu messen. Das ist ihm nun alles zugutegekommen. Mit Blick auf die nächsten Olympischen Spiele geht es für ihn nicht mehr um die Qualifikation – sondern darum, sich möglichst gut zu positionieren. Ich bin zuversichtlich, dass er sich im Ranking weiter verbessert, nur schon deshalb, weil die vor ihm liegende Konkurrenz mehr Punkte zu verteidigen hat.Nils beeindruckt aber nicht nur durch sein Judo, sondern auch durch seine Bodenständigkeit. 

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