Noch etwas nervös beim Spektakel unter Flutlicht
Skicrosserin aus Nänikon
Die Nänikerin Natalie Schär erlebte beim Skicross-Nachtsprint in Arosa ihre Premiere im Weltcup.
Es ist ein Spektakel. Unter Flutlicht geht es aus den Gates heraus gleich über mehrere Wellen. Neben der Strecke zischen Feuersalven in die Höhe. Und wer den Start verhaut, hat es schwer, diese Hypothek zu korrigieren.
Der Weltcup von Arosa ist ein Sprintrennen über 470 Meter, in dem es nur wenige Gelegenheiten gibt, um ein Überholmanöver zu starten. Beim Heimspiel stehen einige Schweizerinnen und Schweizer mehr am Start als sonst im Weltcup.
Darunter ist auch Natalie Schär, die ihr Debüt somit in besonderer Atmosphäre erlebt. Die 2000 Fans rund um das Streckengelände machen gehörig Stimmung. «Ich war schon sehr nervös», sagt die Nänikerin.
Und diese Nervosität kann sie nie ganz ablegen, sodass ihre Premiere nach rund 38 Sekunden zu Ende ist. Schär bleibt mit dieser Zeit in ihrem Achtelfinal-Run chancenlos und scheidet als Vierte aus.
«Ich wäre gerne weitergekommen, doch ich wusste auch, wie schwierig es wird», sagt die 22-Jährige. Und dafür habe sie zu viele Fehler gemacht.
Ein Top-3-Platz als logisches Ziel
Arosa war für Schär allerdings ein ziemlicher Kaltstart. Beim ersten Europacup in Pitztal (AUT) von Ende November hatte sie krankheitshalber passen müssen. Die Rennen auf zweithöchster Stufe sind es, die nach dem ersten Weltcup-Ausflug ihren Alltag bestimmen werden.
Zunächst wird Schär aber den Fokus nochmals aufs Training legen – und erst Mitte Januar in St. Moritz wieder einen Wettkampf bestreiten.
Ein Top-3-Platz in der Gesamtwertung. Das wäre die logische Marke – nachdem sie die letzte Saison auf dem vierten Rang beendet hatte. «Es ist ein sportliches Ziel», findet sie. Nur schon wegen des erwähnten Rennausfalls. Es sind Punkte, die ihr dafür in der Endabrechnung fehlen könnten.
Tritt Schär im Europacup allerdings ähnlich konstant auf wie im letzten Winter, ist eine Spitzenklassierung durchaus wieder realistisch.
Nahezu jedes Rennen beendete sie da in den Top Ten – mit dem vorläufigen Höhepunkt in Lenk BE, wo sie als Zweite ihr bisher bestes Resultat auf dieser Stufe herausfuhr.
«Ich habe Fortschritte gemacht», sagt Schär. Etwa bei den Sprüngen oder beim Drücken von Wellen, welche die Nänikerin als «Rollers» bezeichnet. Es würde aber noch viel zu verbessern geben.
Eine gute Balance finden
Die letzten Wochen haben auch gezeigt, wie schmal der Grat im Skicross ist – zwischen einem Sieg und bösen Verletzungen. Beim Weltcup-Auftakt in Val Thorens (FRA) erlitten gleich zwei Schweizer Skicrosser einen Kreuzbandriss.
In Arosa erwischte es nun den Berner Oberländer Ryan Regez, der im kleinen Final stürzte und sich eine Knieverletzung zuzog. «Risiken muss man eingehen, aber auch eine gute Balance finden», sagt Schär.
Wenn die Skicrosser Seite an Seite enge Kurven, Wellen und Sprünge bewältigen, gibt es immer wieder Situationen mit Folgen, die gar nicht selbst verschuldet sind.
In mich ist auch schon eine reingeknallt. Da hatte ich keine Chance.»
Natalie Schär
Die C-Kader-Athletin hat sie selbst erlebt. «In mich ist auch schon eine reingeknallt. Da hatte ich keine Chance», sagt sie.
Ein zumindest geringeres Verletzungsrisiko besteht im Europacup. Nur schon deshalb, weil die Kurse nicht ganz so anspruchsvoll sind.
Und dennoch: Schär freut sich bereits auf die nächste Chance auf höchster Stufe. Im März soll es beim zweiten Heimrennen in Veysonnaz so weit sein.
Es sei ein cooles Herantasten, findet sie. Womöglich hat sie bis dahin ihre Weltcup-Nervosität schon etwas abgelegt.