Derzeit läuft auf allen Kanälen die Fussball-WM. Können Sie mit der Kombination Fussball und Glühwein etwas anfangen?
Patrick Meier: Zuvorderst steht für mich das Spiel. Wenn ich nun Glühwein statt ein kaltes Bier dazu trinke, ist das zwar ungewohnt, aber Nebensache. Ich schaue aber nicht nur die Partien der Schweiz – sondern freue mich auch auf jedes exotische Duell. Der Fussballzwerg, der einen Grossen herausfordert: Das ist für mich Weltmeisterschaft.
Die WM ist indes hoch umstritten. Gastgeber Katar steht unter anderem wegen Menschenrechtsverstössen und seiner staatsoffiziellen Homophobie in der Kritik. Können Sie diese Umstände ausblenden?
Ja, ich kann das Politische während eines Spiels durchaus vom Fussball trennen. Ich habe absolutes Verständnis für eine grundlegende Kritik an Ausbeutung und Diskriminierung. Aber ich habe null Verständnis für die Diskussionen, die jetzt von Medien, Politikern und Verbandsfunktionären hochgekocht werden. Gerade Letztere sind es doch, die vor zwölf Jahren der Vergabe an Katar zugestimmt haben. Alles, was jetzt kritisiert wird, hat man damals schon gewusst. Insofern halte ich den Diskurs zum jetzigen Zeitpunkt für scheinheilig.
«Natürlich habe ich befürchtet, Job und Freunde zu verlieren.»
Sie selbst leben mit Ihrem Partner zusammen. Auch der Fussballplatz ist ein schwieriges Terrain für homosexuelle Männer, Outings sind noch immer selten. Wie war das für Sie vor 20 Jahren?
Zugegeben, ich hatte meine grosse Lebenskrise. Ich arbeitete für den Verband, ein Grossteil meines Freundeskreises spielte Fussball. Natürlich habe ich befürchtet, Job und Freunde zu verlieren. Am Ende erwiesen sich diese Ängste aber als unbegründet. Noch heute bin ich dankbar dafür, dass ich kein einziges negatives Erlebnis hatte. Ich bin wie ich bin, hänge das aber nicht an die grosse Glocke.
Zurück aufs Spielfeld: Taugen die Fussballstars von heute als Vorbilder für die fast 50'000 Kicker in der Region Zürich?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin eigentlich der Meinung, dass sie nicht mehr oder weniger vorbildlich sind als vor 40 Jahren, auch wenn das heute oft anders beurteilt wird. Man sieht den Fussballer spucken oder auf einen anderen losgehen und denkt sofort, der Sport habe sich zum Schlechten verändert. Aber das gab es doch früher alles auch. Der Unterschied ist, dass sich heutzutage solche Aussetzer und Ausfälligkeiten via Social Media und TV sofort und viel schneller in der Öffentlichkeit verbreiten.

