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Das grosse Ganze im Kopf

Für Fabienne Kocher vom Judoclub Uster stehen nach der WM-Enttäuschung neue Herausforderungen an.

Fabienne Kocher (links) konnte an der WM in Usbekistan nicht reüssieren.

Foto: PD

Das grosse Ganze im Kopf

Der Traum von einer erneuten WM-Medaille in der Kategorie bis 52 Kilogramm war im Nu geplatzt. 18 Sekunden. So kurz war der Auftritt von Fabienne Kocher in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Die Riedikerin hatte gegen Gaukhar Irmagambetova zu einer Kontertechnik angesetzt, bei der sie selbst auf dem Rücken landete.

Die beiden waren sich zuvor noch nie in einem Kampf gegenüber gestanden. Ein Grund für die Niederlage gegen die Weltnummer 76 aus Kasachstan ist dies aber natürlich nicht. «Ich habe einen Fehler gemacht, der nicht passieren sollte», sagt Kocher.

Aus ihrer Enttäuschung macht die derzeitige Weltranglisten-Achte auch einige Tage später kein Geheimnis. Und trotzdem richtet die 29-Jährige ihren Blick bereits wieder nach vorne.

Auf sie wartet bis Ende Jahr ein happiges Programm. In einer Woche reist Kocher ans Grand-Slam-Turnier nach Abu Dhabi (UAE). Später folgen weitere Stopps in Baku (AZE) und Tokio. 

Vorfreude auf Turniere

Besonders gross ist die Vorfreude auf das Turnier in der japanischen Hauptstadt, wo sie im letzten Jahr als Olympia-Fünfte überraschte, aber noch nie ein Grand Slam bestritten hat. «Tokio ist nebst Paris das bestbesetzte Turnier und hat ein grosses Renommee», sagt Kocher.

Und als wäre dies nicht genug, geht es für sie kurz vor Weihnachten noch zum Masters nach Jerusalem (ISR) – einem Einladungsturnier nur mit den stärksten Kämpferinnen.

Kein Platz ist da mehr für die nationalen Höhepunkte. Das Finalturnier der Mannschaftsmeisterschaften mit ihrem Judoclub Uster von Ende Oktober. Oder auch die Einzel-SM einen Monat später. Diese Anlässe seien aufgrund des Drucks gerade für den Kopf anstrengend, sagt Kocher. Und auch die Verletzungsgefahr würde dadurch steigen.

Sowieso hat der Judoka das grosse Ganze im Kopf – die Olympischen Spiele 2024 von Paris. Erst seit Ende Juni läuft die Qualifikationsphase. Und doch hat Kocher schon mit mehreren Podestplätzen bei internationalen Turnieren Werbung in eigener Sache gemacht.

Ändern tut daran auch Kochers verhältnismässig frühes Aus an der WM nichts. Es fällt insofern nur schon deshalb weniger ins Gewicht, da die Wettkämpfe im ersten Jahr der Olympia-Qualifikation nur zu 50 Prozent in die Wertung einfliessen. 

Gejagte statt Jägerin

Sicher sein kann sich Kocher aber auch aufgrund der neuen ernsthaften Konkurrenz in der eigenen Gewichtsklasse nicht. Die aufstrebende Schweizer Nachwuchshoffnung Binta Ndiaye hat sich nicht nur in der Weltrangliste bereits auf Platz 30 gekämpft

Die knapp 18-Jährige forderte bei ihrer WM-Premiere auf Stufe Elite in Usbekistan sogar Amandine Buchard (FRA) – der Weltnummer 2 und Olympia-Zweiten – schon einiges ab. Auch Kocher traut Ndiaye noch einiges zu und sagt. «Sie ist eine starke Kämpferin» 

Für das Aushängeschild des JC Uster gibt es dadurch einen im Vergleich zum letzten Olympia-Zyklus interessanten Rollenwechsel innerhalb des Schweizer Grand-Slam-Kaders – von der Jägerin zur Gejagten.

Zur Erinnerung: Kocher war auf dem Weg nach Tokio immer hinter der arrivierten (und mittlerweile zurückgetretenen) Evelyne Tschopp gelegen. Sie schnappte dann aber dank einem WM-Exploit im Juni 2021, der mit Bronze belohnt wurde, so quasi auf der Zielgeraden der Baselbieterin noch den Olympia-Quotenplatz weg. Mickrige sieben Punkte hatten am Ende den Ausschlag für Kocher gegeben.

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