Er glaubte, die Nachricht sei nicht für ihn
So richtig glauben kann er es noch nicht. «Das ist ein Erlebnis, das für immer bleibt. Ein Bubentraum», sagt Felix Stehli.
Der Gibswiler spricht von seinem ersten Profirennen, das er am Sonntag bestreiten konnte. Er fährt bei der Maryland Classic auf Rang 32, nur wenige Plätze hinter arrivierten Fahrern wie Michael Matthews (AUS) oder Dylan Groenewegen (NED) kommt er ins Ziel.
Die beiden Sprintspezialisten haben schon Etappen der Tour de France für sich entschieden. Und vor allem: Das Eintagesrennen in den USA hatte es mit 197 km plus 3000 Höhenmeter in sich.
«Mein bisher längstes Rennen, dazu war es relativ heiss. Es war schon happig.»
Felix Stehli
«Mein bisher längstes Rennen, dazu war es relativ heiss. Es war schon happig», sagt Stehli, der ansonsten mit seinem EF Education-Nippo Development Team auf dritthöchster Stufe fährt.
Doch der 21-Jährige meistert, obwohl teils von Magenkrämpfen geplagt, die Strecke gut. Dafür gibts zum Rennende ein Lob von Tejay van Garderen, einem der Sportlichen Leiter von EF Education-Easy-Post. Stehli hat zu einem guten Gesamtergebnis beigetragen.
«Wir sollten das Tempo hochhalten, damit es zu keiner Sprintentscheidung kommt», sagt er. Unterwegs gibts über Funk immer wieder mal Informationen aus dem Teamauto. Es ist für Stehli ebenso etwas, was er sich bisher nicht gewöhnt war. Die Rechnung geht auf. Das Worldtour-Team sammelt durch die Ränge 3, 5 und 6 einige wertvolle UCI-Punkte.
Dass Stehli überhaupt erstmals in die USA reisen konnte, kam für ihn sehr überraschend. «Hast Du diese Nachricht an den Falschen geschickt?», fragt er deshalb zunächst seinen Manager Robbie Hunter ungläubig nach der Botschaft.
Der Grund: Sein Team gilt zwar offiziell als der Nachwuchs der amerikanischen Profi-Equipe. Berührungspunkte hatte es zuvor aber während der gesamten Saison keine gegeben. «Ich habe nie damit gerechnet», bekräftigt Stehli.
Entsprechend gross ist bei ihm die Nervosität, als er am Flughafen in Washington eintrifft. Sie sollte allerdings schnell verfliegen. «Ich wurde vom Staff und den Fahrern sofort gut integriert», sagt der Tösstaler. Und auch, dass in der unmittelbaren Vorbereitung vor Ort deutlich mehr Kilometer abgespult werden, steckt er gut weg.
Erst Dämpfer, dann Freude
Überhaupt: Die erstmalige Beförderung zu den Profis kommt für Stehli nicht von ungefähr. Bereits im Verlauf des Jahres machte er einige Male Werbung in eigener Sache.
So beispielsweise an den Schweizer Strassen-Meisterschaften mit den Plätzen 12 (Elite) und 3 (U23). Bei der Tour de l’Avenir schliesslich trägt er nach einem Effort am zweiten Tag sogar während dreier Etappen das rot gepunktete Trikot des besten Bergfahrers.
Umso grösser war bei ihm dann die Enttäuschung, als er vom Verband Swiss Cycling für die U23-Rennen bei der WM in Wollongong (AUS) von Mitte September nicht berücksichtigt wird.
Doch auf den Dämpfer folgt eben die frohe Kunde seines Managers. «Im Nachhinein bin ich sogar froh», sagt Stehli.
Ein neues Velo zum Abschied
Der Gibswiler fühlt sich sowieso auf seinem Weg bestätigt. Seit Beginn der Saison hat er mit Bosseau Bosshoff einen neuen Trainer. «Ich fühle mich körperlich deutlich fitter. Die Entwicklung ist krass», sagt er.
Dazu beigetragen hat zudem, dass der ausgebildete Zimmermann mittlerweile ganz auf die Karte Radsport setzt. Sein Ziel: Alsbald einen Profi-Vertrag bei einem Worldtour-Team zu erhalten.
Und auch wenn für ihn nun vorerst wieder kleinere UCI-Rennen der Alltag sind. Die Perspektiven sind gut.
Er werde im Verlauf des Herbsts eine weitere Chance bei den Profis erhalten, wurde ihm von den Verantwortlichen des Profiteams beim Abschied auf den Weg mitgegeben. Dazu passt, dass er von ihnen auch mit einem neuen Velo belohnt worden ist. «Es fühlt sich gut an», sagt Stehli.
