Seine frühe Premiere ist eine Wiederholung
Die Dimensionen sind eindrücklich. 50’900 Zuschauer haben in der Arena in Pratteln Platz. Die Rasenfläche innerhalb der Tribünen ist 14’000 Quadratmeter gross, gleich sieben Sägemehlringe sind vorhanden.
Als Zuschauer ist Gian Maria Odermatt schon einmal an einem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gewesen. «Es war eindrücklich», erinnert sich der Ustermer.
«Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist mit all diesen Zuschauern.»
Gian Maria Odermatt
Am Wochenende ist er nun mit fünf Teamkollegen aus dem Schwingklub Zürcher Oberland (SKZO) mittendrin statt nur dabei. Und erhält dadurch eine neue Perspektive: Der erstmals für das nur alle drei Jahre stattfindende Fest selektionierte Schwinger wird von unten in diese riesige Menge blicken.
Was er dabei wohl fühlen wird? Odermatt zuckt mit den Schultern. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist mit all diesen Zuschauern.»
Das nächste «Küken»
Noch ist der Neuling, der letztes Jahr am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag den Triumph in der Kategorie mit Jahrgang 2004 knapp verpasste, nicht wirklich nervös. Auch wenn er immer wieder an den vorläufigen Karrierehöhepunkt denkt.
Was nichts als logisch ist. 17 ist Odermatt erst. Unter den 274 Schwingern sind zwar solche, die ihn altersmässig unterbieten. Odermatt aber ist der Jüngste im Aufgebot des Nordostschweizer Schwingerverbands.
Er ist sich dessen durchaus bewusst: «Dass ich dabei bin, macht mich unglaublich stolz.»
Sechs Oberländer sind am Saisonhöhepunkt dabei
09.08.2022

Eidgenössisches in Pratteln
Freude bei den Oberländer Schwingern: Ihre Delegation am Eidgenössischen in Pratteln ist klar grö Beitrag in Merkliste speichern Vor 15 Jahren war schon einmal ein Oberländer das «Küken» der Nordostschweizer an einem Eidgenössischen: Fabian Kindlimann. Der Fischenthaler war bei seinem Debüt 2007 in Aarau gar erst 16. «Das war ein Hühnerhautmoment», sagt er.
Nach vier Gängen war damals Schluss für ihn, wobei er keinen der Kämpfe verlor. Niederlagen sind für Kindlimann sowieso selten. Fünf Eidgenössische hat der Oberländer absolviert, lediglich zweimal musste er in all den Jahren als Verlierer den Ring verlassen.
«Ich verbringe halt gerne viel Zeit am Eidgenössischen.»
Fabian Kindlimann
Wie erklärt er sich diesen eindrücklichen Wert? Kindlimann lacht verschmitzt, ehe er antwortet: «Ich verbringe halt gerne viel Zeit am Eidgenössischen.»
Das soll für den Routinier, der 2013 in Burgdorf den eidgenössischen Kranz gewann, auch in Pratteln so sein. Er gibt zwar zu bedenken, letztlich erfülle man eine Rolle im Teilverband. Jene des kaum zu bezwingenden Oberländers, der zu den unbequemsten Schwingern zählt, ist offensichtlich: Er soll «Böse» aus den übrigen Teilverbänden zurückbinden.
Kindlimann aber hat auch eigene Ambitionen. Er strebt den zweiten eidgenössischen Kranz an.
Ein Besuch mit Fragen
Am Wochenende haben Kindlimann und Odermatt einen Augenschein vor Ort genommen. Um sich mit dem Areal in Pratteln etwas vertraut zu machen. Odermatt nutzte den Besuch gleich auch, um Kindlimann mit Fragen zu löchern.
Beispielsweise über den Ablauf. «Dieser ist recht anders als bei einem gewöhnlichen Fest», sagt der 17-Jährige. Er ist froh, einen so erfahrenen Teamkollegen wie Kindlimann an seiner Seite zu wissen. Der erlebt hat, wie das «Tamtam» am Eidgenössischen immer grösser, die Arenen immer imposanter wurden.
Die eindrücklichste Kulisse, vor der Odermatt bisher antrat, waren derweil knapp 14 000 Zuschauer auf der Schwägalp. Etwas mehr als eine Woche ist das her, die Eindrücke sind also frisch.
Odermatt bewies beim Bergkranzfest nicht nur seine mentale Reife, indem er nach drei Niederlagen in Serie ebenso viele Siege folgen liess. Vor allem realisierte er auch, dass er im Wettkampf den ganzen Trubel um sich ausknipsen kann.
Acht Gänge sind realistisch
Genau das nimmt er sich auch fürs Eidgenössische vor. «Ich muss in den Tunnel kommen. Die Konzentration ist zentral», sagt er. Und zeigt ein erfrischendes Selbstvertrauen, indem er sagt: «Denn schwingen kann ich.»
Träumereien sind ihm dennoch fremd. Der Kranzgewinn sei ausser Reichweite, glaubt der talentierte Jungspund. «Vielleicht in drei oder sechs Jahren.»
Odermatt hofft, in Pratteln alle acht Gänge bestreiten zu können. «Das wäre ein schönes Resultat für ihn», sagt Daniel Spörri. Der SKZO-Präsident ist überzeugt: Der Ustermer besitzt die nötigen Anlagen dafür.
Odermatt hat sich auch taktisch entwickelt. Im Nachwuchs griff er oftmals sofort an, nun agiert er abwartender. Spörri bezeichnet ihn als «Kopfschwinger», der Gegner gut lesen kann. Er sagt: «Je länger der Kampf dauert, desto grösser ist die Chance, dass dieser auf seine Seite kippt.»
Oberländer Funktionäre am Eidgenössischen
Den Steger Peter Ackermann darf man mit Fug und Recht als höchsten Kampfrichter der Schweiz bezeichnen. Der 58-jährige Tössthaler ist Präsident der Kampfrichterkommission im Kanton Zürich. Und bekleidet dieselbe Funktion eben auch im nordostschweizerischen Schwingerverband (NOSV) sowie im eidgenössischen Schwingerverband. Ackermann dürfte in Pratteln eine der Personen mit der höchsten Präsenzzeit sein. Sobald der Wettkampf läuft, ist er ständig zwischen den sieben Sägemehlringen unterwegs und wird bei Unsicherheiten – etwa bei Notengebungen – beigezogen.
Andreas Betschart ist Einteilungssekretär. Und erledigt in dieser Funktion am Eidgenössischen verschiedene Arbeiten. Der Bäretswiler kontrolliert im Einteilungsbüro beispielsweise, ob die zwei zu einem Gang eingeteilten Schwinger nicht schon gegeneinander angetreten oder Klubkollegen sind. Vor allem nach fünf, sechs Gängen, wenn zahlreiche Notenblätter übereinander liegen, kann schon mal passieren, dass dem Einteilungsbüro in dieser Hinsicht ein Fehler unterläuft. Betschart sorgt auch dafür, dass die Notenblätter vom Kurier zügig ins Einteilungsbüro gebracht werden, um unnötige Pausen zwischen den Gängen zu verhindern. Und ist dafür zuständig, dass die Notenblätter den Weg ins Rechnungsbüro finden, wo sie erfasst und aktualisiert werden.
Seit vielen Jahren ist Markus Spörri technischer Leiter im Zürcher Schwingerverband. Der 48-jährige Fischenthaler, der in seiner Karriere 43 Kränze gewann, hat dadurch Einsitz in der technischen Kommission des NOSV. Spörri wird am Wochenende eine gewisse Anzahl von Schwingern zugeteilt erhalten, die er betreut. Meistens sind es jene des eigenen Kantons. Per Funk dürfte er aber auch das eine oder andere Mal instruiert werden, um wen er sich kurzfristig zusätzlich kümmern soll. Das Ehrenmitglied des Schwingklubs Zürcher Oberland darf sich nicht nur auf dem Platz frei bewegen, sondern auch in den Ruheräumen der Schwinger.
Neun Kampfrichter stellt das Zürcher Oberland im Zürcher Kantonalschwingerverband. Einer davon ist Matthias Stahel, der ehemalige technische Leiter des Schwingklubs Zürcher Oberland. Der 37-Jährige ist nun am Eidgenössischen im Einsatz – respektive zumindest bereit dafür. Der in Ehrikon (Gemeinde Wildberg) lebende Stahel ist als Ersatzkampfrichter des Nordostschweizerischen Schwingerverbands aufgeboten. Er macht die komplette Prozedur mit, die Kampfrichter in Pratteln durchlaufen. Und springt ein, wenn einer der NOSV-Kampfrichter ausfällt. (ome)
