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Mit ihm gibts beim FC Rüti wieder Torspektakel

Ursal Yasar war einst ein vielversprechender Stürmer beim FC Zürich – auch als Trainer hat er schon einiges erlebt.

Der gebürtige Glarner war einige Jahre Fussballprofi., Der FCR-Coach bei einem Heimspiel auf der Schützenwiese., Mit Ursal Yasar als Trainer kam der FC Rüti schnell wieder in die Spur.

Foto: Roger Hofstetter

Mit ihm gibts beim FC Rüti wieder Torspektakel

Es braucht einige Anläufe, bis es klappt. Bei Kontaktversuchen ist öfters Geduld gefragt, bis Ursal Yasar reagiert. Man könnte dadurch eine gewisse Unnahbarkeit erwarten.

Davon ist beim Termin auf der Schützenwiese aber gar nichts zu spüren. Der Trainer des FC Rüti ist einnehmend. Schon von weit her winkt er dem Platzwart zu, der bei Gluthitze seine Runden mit dem Rasenmäher dreht. Überhaupt: Schattenplätze sind rar. Das Gespräch findet deshalb auf der etwas aus der Zeit gefallenen Tribüne statt. 

Angereist ist Yasar direkt aus seiner alten Heimat. «Wann immer möglich, gehe ich ein- oder zweimal in der Woche zu Besuch», sagt er. Mit der alten Heimat ist das Glarnerland gemeint, dort, wo Yasar aufgewachsen ist. Seine ganze Familie lebt noch immer in Niederurnen.

Und hier startete und endete auch seine Karriere als aktiver Fussballer beim FC Glarus. 16 Jahre jung ist er, als er nach ersten Einsätzen in der 1. Liga dem Ruf des grossen FCZ folgt. 2008 kehrt er nochmals für ein halbes Jahr als Spieler in die Kantonshauptstadt Glarus zurück. Den Abstieg aus der 2. Liga interregional kann aber auch der Stürmer mit den türkischen Wurzeln nicht mehr verhindern.

Yakins Foul mit Folgen

Yasar wird Trainer. Erst 27 ist er zu diesem Zeitpunkt – und damit eigentlich im besten Alter für einen Fussballer. Gezeichnet von vielen Verletzungen, beendet er früh seine Karriere als Profi. Als Grund für den frühen Rücktritt nennt Yasar eine körperliche und mentale Müdigkeit. Er zeigt auf die verschiedenen Schwachstellen und Narben an seinem Körper. 

«Es war eine Szene, die nicht hätte sein sollen.»
Ursal Yasar

Am Ursprung davon steht ein Foul des Basler Starverteidigers Murat Yakin in einem Testspiel. Der heutige Nationaltrainer sieht bei einem Tor des FCZ-Angreifers ganz schlecht aus, worauf er ihn nur wenige Minuten später böse attackiert. «Es war eine Szene, die nicht hätte sein sollen. Das Sprunggelenk war kaputt», erinnert sich Yasar. Er steigt zu früh ein und ist schon bald wieder verletzt.

«Heute sage ich meinen Jungs immer: Sie sollen lieber zuwarten, selbst wenn sie sich schnell wieder fit fühlen», so der frühere Angreifer. Beim FC Zürich findet er hinterher nicht mehr den Tritt. Yasar spielt noch für Schaffhausen, Concordia Basel und den türkischen Zweitligisten Güngörenspor. Dann hat er genug.

Seine schönsten Momente in der Karriere verbindet Yasar mit dem Schweizer U21-Nationalteam, für das er viermal aufläuft, und natürlich dem FCZ. Mit 21 wird er erstmals im Letzigrund gegen Lugano (1:2) eingewechselt. In seiner ersten ganzen Saison gelingen ihm gleich fünf Tore. Im Europacup trifft Yasar sogar gegen den englischen Traditionsverein Aston Villa.

Als Spieler erlebt er «Trainer der alten Schule» wie Raimondo Ponte, Gilbert Gress und Georges Bregy – aber auch den aufstrebenden Lucien Favre. Dieser ist es, der ihn aufgrund seiner Akribie am meisten beeindruckt. Von ihm kann er einiges mitnehmen.

Das denkwürdige Aus in Uster

Später ist es auch der FC Zürich, der Yasar als Trainer fördert. Er ist auf den verschiedensten Juniorenstufen im Verein tätig. Und zu dieser Zeit gelingt dem einstigen KV-Absolventen ebenso der Schritt in die Privatwirtschaft.

Mittlerweile ist der in Uster lebende zweifache Familienvater schon über zwölf Jahre für eine Grossbank in der Anlageberatung tätig. «Für diese Chance bin ich noch heute dankbar», sagt Yasar.

Seither hat er auch als Trainer vieles erlebt – im Nachwuchs- und Breitenfussball. Er kennt also beide Seiten. In der Region ist Yasar beim FC Uster ab der Saison 2019/2020 Trainer und Technischer Leiter, ehe es im November 2021 zu einer denkwürdigen Trennung kommt. FCU-Sportchef Roland Leemann vermisst zunehmend die Impulse seines Trainers und entlässt ihn unmittelbar nach einer 3:4-Heimniederlage.

«Ich will nirgendwo im Streit auseinandergehen.»
Ursal Yasar

«So ist das Business. Auch wenn es gerade im Amateurbereich nicht gang und gäbe sein sollte», sagt Yasar mit Distanz. «Es hat in dem Moment für den Vorstand halt nicht mehr gepasst.» Nachtragend ist er deshalb nicht. «Ich will nirgendwo im Streit auseinandergehen», ist sein Credo.

Die Chemie stimmt

Der 42-Jährige ist schon bald wieder im Geschäft und wechselt in der Winterpause ausgerechnet zum Gruppenkonkurrenten Rüti. Einen wesentlichen Anteil daran hat David Cardoso, Leiter Aktive beim FCR. Ihn kennt Yasar aus gemeinsamen Zeiten in der U14 des FCZ. «Es war eine Herausforderung, die ich gerne angenommen habe», sagt Yasar zu seinem neuen Engagement.

Bei den zuvor aus der Bahn geratenen Rütnern stimmt die Chemie zwischen Team und neuem Trainer. Sieben der letzten acht Spiele werden sogar gewonnen. Fast 4,5 Tore erzielen sie im Schnitt – es ist eine Quote, die an alte Spektakelzeiten erinnert.

«Ursal hat den nötigen frischen Wind gebracht», sagt Lars Grimm. Für den Assistenztrainer ist es keine Überraschung, dass die Mannschaft über den Sommer hinaus zusammengeblieben ist. «Wir spielen wieder attraktiven Offensivfussball.»

«Ursal hat sich mit seiner offenen Art schnell integriert.»
Stefano Calendo, Torhüter

Ähnlich klingt es bei Stefano Calendo, der die offene und ehrliche Kommunikation von Yasar schätzt. Der Torhüter ist mit 32 einer, der einiges im Fussball erlebt hat. Gerade in Rüti sei eine gute Balance unabdingbar, findet er. Der Spass dürfe in diesem Team nicht zu kurz kommen. Dies unterstreicht Grimm: «Ursal hat sich mit seiner offenen Art schnell integriert. Und bleibt auch mal für ein Bierchen sitzen.»

Auch das Gespräch auf der Schützenwiese vergeht im Fluge. Yasar verabschiedet sich. Kurze Zeit später fährt er mit dem Auto vorbei – und winkt.

Zur alten Torgefährlichkeit gefunden

«Wir wollen die letzte Saison toppen», sagt Rütis Trainer Ursal Yasar. Gelingt dies tatsächlich, muss mit dem FCR wieder gerechnet werden. Und zwar ganz vorne. Nach einem schwierigen 2021 steigerte er sich mit dem neu verpflichteten Yasar erheblich. Einzig Aufsteiger Uster und Schaffhausen 2 holten in der zweiten Meisterschaftshälfte mehr Punkte in der Gruppe 2, sodass sich die Oberländer noch von Platz 11 auf Rang 6 steigern konnten.

Ein Grund dafür ist sicherlich die Rückkehr von Captain Taulant Syla, der sich von einem Achillessehnenriss erholt hat. «Nur schon durch seine Präsenz bindet er zwei Gegner», weiss Yasar. An Taulant Sylas Seite steigerte auch sein jüngerer Bruder Edison die Torproduktion wieder. 17 seiner 24 Saisontreffer gelangen ihm im Frühling. Den Höhenflug allein an den Sylas aufhängen will Yasar aber nicht. «Für den Erfolg braucht es ein ganzes Team. Und auch Taulant und Edison sind auf Bälle angewiesen», sagt der 42-Jährige.

Tatsächlich ist die Ausgangslage für die Rütner vielversprechend. Nur schon deshalb, weil sie wieder deutlich mehr Tiefe im Kader haben. So konnte insbesondere die Defensive mit Rückkehrer ­Cedric Belotti (von Ibach) nochmals ­gestärkt werden. (dsc) 

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