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So investieren die Oberländer Klubs in den Frauenfussball

Gleiche Pflichten, aber auch gleiche Rechte in den Vereinen? So steht es um den Frauenfussball in der Region.

Auf verschiedenen Seiten, aber dennoch auf Augenhöhe: Im FC Effretikon ist die Gleichberechtigung ein wichtiges Anliegen.

Foto: Roger Hofstetter

So investieren die Oberländer Klubs in den Frauenfussball

Selbstbewusst und mit ernstem Blick. So präsentieren sich die vier Schweizer Nationalspielerinnen in einer Plakatkampagne. Sie ist flächendeckend in der gesamten Schweiz zu sehen. #ChangeTheGame heisst die Initiative.

«Gleiche Chancen für alle. Überall», so lautet der Slogan. Lanciert wurde alles kurz vor der Frauen-­Europameisterschaft vom Juli in England. In einem ersten Schritt zahlt der Hauptsponsor, eine Schweizer Grossbank, per sofort den Nationalspielerinnen dieselben Prämien wie den männlichen Kollegen. Es sei ein längst überfälliger und verdienter Ausgleich, so die Botschaft.

An der Basis geht es nicht um Prämien bei Gleichstellungsfragen. Und doch stellt man sich diesen in den Vereinen mit Frauenabteilungen. «Bei uns gibt es nur noch kleine Unterschiede», sagt Paolo Trigila, Leiter Frauen beim FC Uster.

Werbung mit Drei-Städte-Turnier 

Er hat seit seinem Einstieg im Mai 2020 einiges bewirkt – und rührte beispielsweise in diesem Frühling mit der ersten Frauen-Austragung des traditionellen Drei-Städte-Turniers die Werbetrommel. Als Zugpferd diente dort der frischgebackene Cup-Sieger und spätere Meister FC Zürich, selbst wenn dieser am Ende nur mit dem U21-Team antrat.

Die grösste Attraktion war so eigentlich der auf dem Buchholz ausgestellte Gewinner­pokal. Mitorganisator Trigila war dennoch hochzufrieden und betonte: «Es geht mir da gar nicht um den FC Uster – sondern darum, den Frauenfussball in der Region zu fördern.»

Von sportlichen Rückschlägen blieb aber auch der umtriebige Funktionär nicht verschont. Während den Männern im Juni die Interregio-Rückkehr gelang, mussten die Frauen sogar den Abstieg in die 3. Liga hinnehmen – das ist die zweitunterste Stufe.

Ändern dürfte dieser Nackenschlag aber nichts an der Fahrtrichtung. So soll etwa die Austragung des weiblichen Drei-Städte-Turniers keine einmalige Sache gewesen sein, sondern 2023 eine Fortsetzung finden. Und natürlich wollen die Ustermerinnen in der Meisterschaft den sofortigen Wiederaufstieg realisieren.

«Wir leisten uns diesen Luxus – und tragen damit unseren Teil zur Gleichberechtigung bei.»
Rainer Bierbrodt, Präsident FC Effretikon 

Überhaupt bleiben laut Trigila aus Frauen-Sicht im FCU gerade im Bereich der Ausrüstung und der Rechte bei der Nutzung der Rasenplätze keine Wünsche offen. Einige Exklusivitäten geniessen die Spieler des männlichen Fanionteams aber dennoch – etwa, indem man ­ihnen das Trainingsmaterial wäscht sowie den Mitgliederbeitrag erlässt.

Diesen ebenso nicht bezahlen müssen mittlerweile die Zweitliga-Frauen des FC Effretikon. Sie sind dadurch den in der 3. Liga spielenden Männern gleichgestellt. «Wir leisten uns diesen Luxus – und tragen damit unseren Teil zur Gleichberechtigung bei», sagt Präsident Rainer Bierbrodt, dem es wichtig ist, die Arbeit seiner Vorgänger in diesem Bereich herauszustreichen. «Sie hatten bereits viel in den Frauenfussball investiert.» 

Mehr als 2. Liga liegt nicht drin

Dazu passt: Für die Effretiker Frauen besteht nicht nur die Möglichkeit, auf dem Hauptplatz zu trainieren. Sie haben dafür im Alltag auch Matchbälle zur Verfügung.

Einen Unterschied gibt es im Bereich der Garderoben. Als einzigem Team im Verein steht nämlich den Drittliga-Männern eine Kabine ausschliesslich für sie zur Verfügung. Diese bleiben für Bierbrodt unabhängig von der Ligazugehörigkeit das Aushängeschild des Vereins. Der Präsident sagt: «Da muss man fair bleiben. Auch wenn die Gleichberechtigung für uns ein wichtiges Anliegen ist.»

Daran ändert auch nicht die Tatsache, dass die Effretikerinnen als Zweitliga-Tabellenneunte der letzten Saison das derzeit beste Frauenteam aus der Region stellen. Für Bierbrodt ist die 2. Liga sowieso das Höchste der Gefühle – nur schon deshalb, weil eine Stufe höher Reisen in die gesamte Ostschweiz und sogar ins Tessin zum Alltag gehören würden. Für einen solchen Schritt wiederum wäre ein ganz anderes Budget nötig.

Absturz statt Aufschwung

Pläne in diese Richtung hatte im Herbst 2020 noch der FC Wetzikon. Spätestens in fünf Jahren wolle man in der 1. Liga spielen, gab der damalige Leiter der Frauenabteilung zu verstehen. Die Realität ist aber eine andere. Stattdessen folgte seither nämlich der freie Fall von der 2. Liga bis nach ganz unten – in die 4. Liga. Daneben musste mangels Spielerinnen sogar das zweite Aktivteam aufgelöst werden.

Für FCW-Sportchef Veysel Özkul ist deshalb nun wieder Aufbauarbeit angesagt – nicht zuletzt, weil mit dem Absturz auch einige Spielerinnen den Verein verlassen haben. Und doch ist die Hoffnung auf bessere Zeiten im FC Wetzikon ungebrochen – vor allem dank der noch immer breit aufgestellten Juniorinnenabteilung. Wie andernorts ist Özkul um Gleichstellung besorgt. Als Beispiel dafür nennt er den Gutschein für ein paar Fussballschuhe, den neben Männern der ersten Mannschaft mittlerweile auch die Frauen erhalten würden.

Sportlich überholt wurden die Wetzikerinnen unter anderen von den Frauen des FC Volketswil. Ihnen gelang auf diese Saison hin der Aufstieg in die 2. Liga. Im FCV ging es zuletzt vor allem darum, die lange Zeit autonom funktionierenden Frauen, Junio­rinnen sowie Seniorinnen zu ­einer ­eigentlichen Frauenabteilung zu ­einen. «Bis anhin wurde von drei verschiedenen Personen dreingeredet», sagt Präsident James Frei. 

Eine Gleichstellung hat in Volketswil im Bereich der Mitgliederbeiträge stattgefunden: Die Supportervereinigung übernimmt diese bei beiden Fanionteams. Für Frei ist dieser Schritt nur ein Anfang. «Wir sind noch am Lernen – und können auch nicht alles miteinander stemmen», sagt er.

«Alle werden bei uns gleich behandelt.»
Max Hächler, Präsident FC Pfäffikon 

Zu den festen Grössen in der Region im Frauenfussball gehört schliesslich auch der FC Pfäffikon – mit einem Aktivteam (3. Liga) und Nachwuchsteams auf jeder Altersstufe. «Alle werden bei uns gleich behandelt», bekräftigt Präsident Max Hächler – ob beim Material oder bei den Trainingsbedingungen. 

Damit folgen die Pfäffiker auch den Empfehlungen des Schweizerischen Fussballverbands (SFV). Dieser sieht aufgrund der positiven Entwicklung der Spielerinnenzahlen keinen Grund für eine Ungleichbehandlung. Unlängst hat der SFV im Wettspiel­reglement die Prioritätenordnung bei der Benutzung der Terrains zugunsten der Frauen angepasst.

Es gibt also durchaus Hoffnung für eine stete Verbesserung der Rahmenbedingungen. Und wer weiss: Vielleicht blicken die Schweizer Nationalspielerinnen schon bei der nächsten Kampagne etwas fröhlicher von den Plakatwänden.

Keine starke Spielgemeinschaft
Sechs Ligen gibt es im Frauenfussball – bei den Männern sind es neun. Überregional wird es bei den Frauen ab der 1. Liga (dritthöchste Stufe), wo es für den FC Maur bis zuletzt einen Berührungspunkt gab. Der Verein aus dem Bezirk Uster zählt zu einer Spielgemeinschaft mit Seefeld und Witikon, die unter dem Namen FFC Südost Zürich aufläuft – selbst wenn der Alltag von dieser primär in Witikon stattfindet. Nun endete diese Erstliga-Ära im Juni nach acht Saisons. Südost Zürich war ab 2018 allerdings nicht mehr konkurrenzfähig (44 Spiele, 6 Punkte!). Der Corona-bedingte Abbruch (2020) und ein Mannschaftsrückzug (2021) verhinderten zweimal den Abstieg. Jetzt wurden die Südost-Frauen erlöst. Es sei schwer genug, sich auf dieser Stufe zu behaupten, war für Präsidentin Isabelle Bauert schon lange klar.

Apropos Spielgemeinschaften: Neben Südost haben sich Zürisee United (Stäfa, Herrliberg, Meilen, Männedorf) und Furttal Zürich (Regensdorf, Buchs-Dällikon, Zürich-Affoltern) im Kanton an der Spitze der 2. Liga etabliert. Ähn­liche gebündelt starke Kräfte sind im Oberland nicht realistisch – zu gross wiegen die Eigeninteressen, sobald mehrere Klubs mitinvolviert sind. Die neu gebildeten Viertliga-Teams von Volketswil/Schwerzenbach 2 und Egg-Gossau sind vielmehr Zweckgemeinschaften. (dsc) 

 

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