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Deshalb hat es zu wenig Schiedsrichter im Regionalfussball

Schiedsrichter-Not im Regionalfussball: Der Verband kündigt erste Gegenmassnahmen an – und nimmt die Vereine in die Pflicht.

Die Brüttiseller Spieler hadern mit einem Entscheid von Schiedsrichter Roberto Dambone., Kein Raum für Diskussionen: Für dieses Foul gibts vom Schiedsrichter eine Verwarnung.

Archivfoto: Urs Kindhauser

Deshalb hat es zu wenig Schiedsrichter im Regionalfussball

Es ist ein deutlicher Hilferuf. Die Schiedsrichter-Abteilung des Fussballverbandes der Region Zürich (FVRZ) wendet sich Mitte Juni in einem Brief mit alarmierenden Zahlen an die Vereine.

Der Kernpunkt: In den letzten zwei Jahren ist der Bestand an Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern von rund 735 auf unter 680 gefallen. So tief war er seit über zehn Jahren nicht mehr. Alleine 2021 kam es zu über 100 Rücktritten. «Das sind 30 Prozent mehr als üblich», sagt Andreas Baumann.

Der Volketswiler leitet die Abteilung Schiedsrichter beim Regionalverband. «Wenn es uns nicht gelingt, den Bestand wieder auf mindestens 750 Schiedsrichter zu bringen, können wir nicht mehr garantiere, dass es für jedes Spiel einen Schiedsrichter hat», so Baumann, der es seiner Karriere als Assistent bis in die Challenge League schaffte. 

Selbst die Schiedsrichter, die zwei bis dreimal pro Woche im Einsatz stehen, können auf Dauer das Missverhältnis nicht ausgleichen. Sollte sich die Situation bis im Herbst also nicht verbessern, sind sogar kurzfristig Spiel-Verschiebungen möglich. 

Spiele unter der Woche

Erste Massnahmen hat der FVRZ bereits eingeleitet. Er hat zunächst ein neues Modell des Schiedsrichter-Koeffizenten um ein Jahr nach hinten verschoben, um den Vereinen derzeit nicht noch zusätzliche Hürden aufzuerlegen (siehe Box).

Im September werden zudem aufgrund des Schiedsrichtermangels zwei Runden der 3. Liga unter der Woche angesetzt. Es ist ein vorausblickender Entscheid, weil es zum Saisonende erwartungsgemäss immer zu 40 Rücktritten kommt.

Dem entgegenwirken kann der Verband aber erst nach dem Schiedsrichter-Grundkurs von Ende August mit den möglichen Neueinsteigern. «Wir haben noch nicht viele Anmeldungen», klagt Baumann.

Zusätzlich Sorgen bereitet ihm, dass in dieser Rückrunde rund 80 Schiedsrichter das Mindestsoll von sechs Partien pro Halbsaison nicht erfüllten. Auch dieser Wert ist höher als in anderen Jahren.

Beim FVRZ macht man sich deshalb auch Gedanken ob Spiele auf Stufe Junioren C teilweise nicht mehr mit offiziellen Schiedsrichtern besetzt werden. Wie bei den jüngeren Jahrgängen müssten die Spielleiter dann von den Klubs zugeteilt werden. 

Auf Ursachenforschung

Doch was sind eigentlich die Gründe für den Negativtrend? Offenbar hat die Pandemie-Zeit im Schiedsrichter-Wesen tiefe Spuren hinterlassen. Bei der Ursachenforschung ist von der abhanden gekommenen Lust für das Hobby die Rede.

«Vor allem im Bereich der älteren Junioren ist es schlimmer geworden.»

Andreas Baumann, Leiter Abteilung Spielbetrieb FVRZ

Zu Rücktritten führte aber auch der zunehmend rauere Umgang auf dem Platz. «Vor  allem im Bereich der älteren Junioren ist es schlimmer geworden», hat Baumann festgestellt. Gerade jüngere Schiedsrichter hören öfters schnell wieder auf. Es ist allerdings auch kein neues Phänomen, dass sich Schiedsrichter in den ersten zwei bis drei Jahren nach dem Einstieg wieder zurückziehen.

Der Mangel an Schiedsrichtern ist auch in den anderen Regionalverbänden zu spüren. «Der Druck steigt, genügend Unparteiische für alle Spiele zu haben»,  bestätigte Sascha Amhof, Leiter Ressort Schiedsrichter beim Schweizerischen Fussballverband gegenüber dem «SonntagsBlick». Im Tessin beispielsweise soll es beispielsweise nicht mehr ohne die Unterstützung aus dem angrenzenden Italien gehen.

An der Belastungsgrenze

Um diesem Trend entgegenzuwirken bittet der Zürcher Regionalverband die Vereine im eingangs erwähnten Brief, die Suche nach neuen Schiedsrichtern wieder zu intensivieren. Die Aufgebots- und Pikettstelle des FVRZ sei in den letzten Wochen bis an die «Belastungsgrenze» gefordert gewesen.

Rückmeldungen hat er seither aber nur vereinzelt erhalten. Darunter sind auch Klubs mit einem guten Koeffizienten, die nicht bereit dazu sind, weiteren Aufwand zu betreiben. Nur schon aus Kostengründen, da ein neuer Schiedsrichter schnell einmal 1000 Franken für die Ausbildung und Ausrüstung kostet.

Baumann bringt dafür sogar Verständnis auf. «Vereine, die sich um ihre Schiedsrichter kümmern, haben auch keinen Mangel», ist für ihn klar.

Schiedsrichter-Koeffizent
Jeder Klub im FVRZ muss pro Team einen Schiedsrichter stellen. Bei der Berechnung gilt:
– alle Männer-Teams der 2. Liga interregional, 2. – 5. Liga.
– alle Senioren-Teams, exklusiv 50+/7er-Teams
– alle Frauen-Teams, 1. – 4. Liga
– alle U18- bis U16-Teams
Erfüllt ein Verein den Koeffizienten nicht, wird die ligatiefste Männer-Aktivmannschaft aus dem Spielbetrieb gestrichen. Auf Juli 2023 muss er zudem für Ligateams, in denen Trios im Einsatz stehen, zwei Schiedsrichter stellen. (zo)

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