Deshalb ist ihre Bilanz durchzogen
Der FC Uster ist aufgestiegen und bereitet sich für die 2. Liga interregional vor (wir berichteten). Die anderen Klubs aus der Region erlebten derweil eine Meisterschaft mit Höhen und Tiefen.
— FC Dübendorf (4. Rang): Gute Ausgangslage verspielt
Immer wieder ist Dübendorfs Trainer Luca Ferricchio für eine knackige Aussage gut. «Da sind wir rumgeirrt wie Halloween-Gespenster.» Oder aber: «Ich wollte gehen und war mit den Gedanken schon am Wurststand.» Sein Team war nicht gleich unterhaltsam. Zwar sind die Glattaler hinter Aufsteiger Uster der beste Zweitligist aus der Region.
Aufgrund der starken Hinrunde mit nur drei Punkten Rückstand auf Wintermeister Veltheim wäre aber deutlich mehr möglich gewesen. Doch der FCD verlor gegen drei spätere Absteiger – und somit schnell den Kontakt zum Spitzenduo.
Passend dazu sagte Ferricchio nach einer der acht Niederlagen in der Rückrunde: «Wir waren zwar mit den Körpern auf dem Platz, aber mit dem Geist waren wir irgendwo anders.»
— FC Gossau (5.): Heimbaisse verhindert «Supersaison»
«Hätten wir gewonnen, würde ich sogar von einer Supersaison sprechen», sagte Gossaus Trainer Andreas Häsler nach dem 2:2 bei der Derniere gegen Phönix Seen. Den Oberländern hätte es bei einem Sieg sogar noch zu Platz 3 gereicht. Einmal mehr trat das routinierte und eingespielte Ensemble konstant auf.
Für ein noch besseres Abschneiden punktete der FCG aber insbesondere auf dem Riet zu wenig (je 1 Sieg und 1 Niederlage, 4 Remis). Den einzigen Sieg zu Hause feierte er ausgerechnet gegen den FC Schaffhausen 2.
«Typisch Gossau. Gegen solche Gegner gewinnen wir, aber gegen andere, die wir bezwingen müssten, tun wir es nicht», konstatierte Häsler. Sein Team leistete damit entscheidende Schützenhilfe im Kampf um den Aufstieg.
Ein Grund für die ungewöhnliche Heimschwäche mag sein, dass die kampfstarken Oberländer dieses Jahr alle Heimpartien wegen der Renovation des Hauptplatzes auf dem Kunstrasen spielen mussten.
— FC Rüti (6.): Zurück zum Spektakel gefunden
Der Motor von Rüti läuft wieder auf Hochtouren. Sieben der letzten acht Partien gewann der FCR und erzielte dabei beachtliche 35 Tore. «Wenn wir kämpfen, sind wir imstande, jeden Gegner der Gruppe zu bezwingen», sagte Assistenztrainer Lars Grimm unlängst.
Für den FCR kommt das Saisonende eigentlich also zum falschen Zeitpunkt. Der über ein halbes Jahr verletzte Captain Taulant Syla ist wieder da. An seiner Seite trifft sein jüngerer Bruder Edison wieder à gogo (24 Tore). Kein Spieler in der Gruppe 2 war annähernd so erfolgreich.
Einen Anteil am Aufschwung hat sicher auch Coach Ursal Yasar. Beim Ligarivalen Uster im Spätherbst fortgeschickt, holte er mit Rüti fast ebenso viele Punkte (27) wie der Aufsteiger mit seinem neuen Trainer (28).
Die Rütner konnten somit das gruslige Jahr 2021 vergessen machen, als sie nach fünf Jahren aus der Interregio absteigen mussten und dann auch eine Liga tiefer in Abstiegsgefahr rutschten .
— FC Greifensee (10.): Schwach wie nie seit dem Aufstieg
Der letzte Eindruck zählt. Und tatsächlich fand für Greifensee die Saison mit einem 6:2 über Absteiger Brüttisellen-Dietlikon ein schönes Ende. Dennoch: Der FCG klassierte sich direkt über den Abstiegsrängen, so schlecht wie noch nie seit dem Aufstieg im Jahr 2011.
Dies vor allem wegen einer mageren zweiten Meisterschaftshälfte. Die nach dem Rücktritt von Drazenko Lakic in diesem Frühling ad interim vom bisherigen Assistenten Raffaele Grillone geführten Greifenseer wären mit der Bilanz aus dem Frühling (13 Spiele, 14 Punkte) sogar als schlechterer Viertletzter der beiden Zweitliga-Gruppen abgestiegen.
Auf den künftigen Trainer Gianni Reggio wartet also keine einfache Aufgabe. «Es reizt mich, diese erfahrene Mannschaft weiterzuentwickeln und gleichzeitig junge Spieler zu integrieren», liess sich der neue Verantwortliche bei seiner Präsentation zitieren. Tatsächlich dürfte dies das grosse Kunststück für den 55-jährigen Coach werden. Das Gros der Leistungsträger ist längst in die Jahre gekommen. Weitere substanzielle Blutauffrischung ist also dringend notwendig.
— FC Volketswil (11.): Ein Abstieg, der schmerzt
V ier Strafpunkte entscheiden gegen Volketswil im Quervergleich mit Kilchberg-Rüschlikon, dem Tabellenelften der Gruppe 1. Für den Neuling endet damit die erste Saison in der 2. Liga nach 24 Jahren äusserst bitter.
Zum Verhängnis wird den Volketswilern in der Nachbetrachtung eine schwächere Phase im Spätherbst, als sie kaum mehr punkteten. «Wir gehen auf den Felgen, die Pause kommt für uns drei Wochen zu spät», sagte Trainer Sebastian Marda damals.
Nach der Winterpause präsentierte sich der FCV wieder erholt. Die Bilanz lässt sich mit 19 Punkten durchaus sehen. Die Volketswiler waren damit das fünftbeste Rückrundenteam überhaupt.
— FC Brüttisellen-Dietlikon (14.): Am Ende abgeschlagen
«Mehr Ballbesitz und einen gepflegten Spielaufbau.» Was Victor Dionisio im Sommer sagte, blieb Wundschenken. Brüttisellen-Dietlikon, seit 2018 wieder in der 2. Liga, geriet schnell in Rücklage. In der Vorrunde gab es einen glücklichen Sieg und vor allem viele Niederlagen. Für den Ligaerhalt brauchte es schon zur Halbzeit ein Wunder.
«Victor wollte zu schnell zu vieles ändern», befand Walter Remy, Leiter Aktive im Verein. Trotzdem hätte sich der FCB vorstellen können, mit Dionisio weiterzumachen. Dieser wollte allerdings für einen Neuanfang in der 3. Liga Platz machen.
Ein Grund für das Vertrauen in den Trainer war auch die Steigerung in diesem Frühling, in dem die Brüttiseller vermehrt Akzente setzten. Dionisios Aussage nach einem Remis gegen Phönix Seen steht dennoch etwas schief in der Landschaft. «Wir haben heute und in der gesamten Rückrunde bewiesen, dass wir ausser mit Schaffhausen mit jedem mithalten können. Wir gehören ins Mittelfeld der Liga», sagte dieser.
In der Realität stand der Abstieg vielmehr drei Runden vor Schluss fest. Am Ende fehlten 18 Punkte zum Ligaerhalt.
