Ustermer Handballer sorgt für Gefühlsexplosion
Dramatischer geht nicht. Die Matchuhr zeigt 60:00. Noch ein letzter Siebenmeter. Er entscheidet darüber, ob die HSG Konstanz wieder in die 2. Bundesliga aufsteigt.
Tim Jud, der nach seiner Heirat Bornhauser heisst, übernimmt in dieser Schlüsselsituation Verantwortung. Der Ustermer spielt seit 2015 für den Verein – seit geraumer Zeit ist er Captain.
Es ist sein letztes Spiel, also der letzte Wurf. Seinen Rücktritt zum Ende der Saison hin, hatte er schon vor geraumer Zeit angekündigt. Bornhauser orientiert sich nach Abschluss des Masterstudiums in Business Innovations beruflich um, und er will genügend Zeit mit der Familie verbringen.
Nerven aus Stahl
Und nun also noch dieser Siebenmeter. Konstanz liegt nach dem erfolgreichen Relegations-Hinspiel (32:27) gegen den Wilhelmshavener HV in der heimischen Schänzle-Halle vor 1800 Zuschauern überraschend mit fünf Toren zurück. Es fehlt somit ein Treffer zum Aufstieg.
Bornhauser holt aus, verzögert, und trifft zum 30:34. «Schöner geht‘s nicht mehr. Für das habe ich die ganze Zeit gearbeitet und trainiert», sagt der 27-jährige Rückraumspieler hinterher.
Die Halle wird nach dem Tor zum Tollhaus. Die Fans liegen sich in den Armen, die Stimme des Reporters auf dem Youtube-Kanal des Vereins überschlägt sich. «Platz-Sturm in der Schänzle-Hölle», schreit er.
Bornhauser bleibt derweil nach der Schlusssirene im Interview cool, selbst als ihm ein Fan ein Bier über den Kopf schüttet.
Viel Lob kriegt er später von Konstanz-Trainer Jörg Lützelberger: «Wie er die Mannschaft durch diese Saison und diese Endspiele gebracht hat, war noch mal ein anderes Level. Er ist ein Vorbild an Leadership. Er hat das so was von verdient.»
Drei Aufstiege und zwei Abstiege
Einen Schritt weiter geht Bornhausers Teamkollege Fynn Beckmann. Er sagt: «An seiner Stelle würde ich nie mehr einen Ball in die Hand nehmen.»
Tatsächlich erlebt der Ustermer sieben erlebnisreiche Saisons im Trikot der handballverrückten Badener – mit zwei Abstiegen, aber vor allem drei Aufstiegen. «Gerade in den letzten Wochen sind viele Erinnerungen hoch gekommen», sagt Bornhauser. Und lächelt.
