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Der FC Effretikon kann nach Befreiungsschlag aufatmen

Eine Saison fast zum Vergessen: Beim FC Effretikon brachten selbst zwei Trainerwechsel keine Besserung. Nach dem 5:2-Erfolg im Drittliga-Derby gegen Kempttal droht zumindest kein Abstiegskampf.

Der Effretiker Christian Bärtschi versucht Kempttals Ahmed Bello Traore zu versetzen.

Foto: Robert Pfiffner

Der FC Effretikon kann nach Befreiungsschlag aufatmen

Es ist eine nicht alltägliche Formulierung von Trainern oder Spielern. «Bis zur Winterpause müssen wir jede Nuss sammeln, die wir kriegen können, um den Korb vollzukriegen.» Die Worte stammen von Flakon Halimi.

Nach dem Abstieg im letzten Sommer hatte der damalige Effretiker Trainer einen Platz unter den besten fünf Teams in der Drittliga-Gruppe 4 als Zielmarke definiert hatte. Halimi ist bereits seit Anfang September nicht mehr als Coach des FCE tätig.

Und die erhoffte Platzierung dürfte höchstens frommes Wunschdenken sein. Denn bis heute sind eigentlich viel zu wenige Nüsse im Korb des FC Effretikon.

Die allgemeine Erleichterung dürfte gerade nach dem 5:2-Sieg über Kempttal gross gewesen sein. Der FCE blickt nämlich nicht nur auf schwierige Wochen zurück – er hatte vor dem Derby auch die Rückrundenbilanz eines Absteigers. Viermal in Folge ging er als Verlierer vom Feld, und blieb dabei dreimal torlos.

Gegen Leader Bülach gab es sogar ein 1:9-Debakel. Bereits zur Halbzeit hatte es 0:8 (!) gestanden. Präsident Rainer Bierbrodt sagt: «Der Bülach-Match war unterirdisch. Da gibts nichts zu diskutieren. Die anderen Spiele hätten wir aber gewinnen müssen.»

Keine schlüssige Erklärung

Eine weitere Effretiker Niederlage – und der Kampf gegen den Fall unter den Strich hätte sich weiter zugespitzt. Zwar ist der sich mittlerweile mangels Spielern zurückgezogene Eisenbahner SV als Absteiger gesetzt – Lokalrivale Kempttal und Wallisellen punkteten aber zuletzt vermehrt.

Dem FCE hätte also im schlimmsten Fall sogar der freie Fall in die 4. Liga gedroht. Nur wie konnte es soweit kommen? «Wenn ich das wüsste, hätte ich die Antwort dazu. Es ist immer noch eine talentierte Mannschaft», sagt Bierbrodt.

Vom Pech, dass trotz spielerischen Vorteilen an den Füssen klebt, ist die Rede. Und von den aufstrebenden Jungen, die mit der Form kämpfen. «Alle müssen mehr Verantwortung übernehmen. Gerade aber die älteren Spieler», ist für Bierbrodt sowieso klar. 

Zusätzlich trügerisch: Die schlechte Entwicklung hatte sich in der Vorrunde mit guten Auftritten wie gegen die Spitzenteams Bülach (1:3) und Kloten (4:2) so nicht abgezeichnet. Effretikon überwinterte zwar als Siebter, die Differenz zum damaligen Drittklassierten Glattbrugg betrug aber nur vier Punkte.

Ein Hauptgrund für die sportliche Durststrecke ist aber sicher die Unruhe auf dem Trainerposten.

Nachdem es schon früh zur Trennung von Halimi (Bierbrodt: «Wir hätten mit ihm nicht mehr in die Saison starten sollen») gekommen war, fand Nachfolger Daniel Sousa nicht den nötigen Draht zur Mannschaft, sodass es Ende März zu einem nächsten Wechsel kam. «Die Chemie hat nicht gestimmt», sagt der Präsident. Immerhin blieb Sousa dem Verein als Technischer Leiter und Scout erhalten.

«Wir hätten schon lange alles klar machen müssen.»
Rainer Bierbrodt, Präsident FC Effretikon

Der erhoffte Befreiungsschlag liess aber auch hinterher unter der Führung des bisherigen Assistenten Alessandro Chiuso und Spieler Adrian Fahrni auf sich warten. Bierbrodt sagt: «Wir hätten schon lange alles klar machen müssen.» Den Effretikern ist bewusst: Ohne den Sieg gegen Kempttal wäre es nochmals ganz heiss geworden.

Fast wie eine Castingshow

Die Entwarnung mit nunmehr zehn Punkten Vorsprung auf den Strich kommt also zum richtigen Zeitpunkt, um wieder Ruhe und Stabilität ins Team zu bringen.

Dazu gehört nun auch die unbefriedigende Saison intern aufzuarbeiten und den neuen Trainer für die kommende Saison zu bestimmen. «Wir haben in den letzten Wochen einige Kandidaten getroffen. Es war fast wie bei einer Castingshow», sagt Bierbrodt.

Vorerst wird aber sowieso Chiuso noch das Zepter beim Zweitliga-Absteiger inne haben. Und ganz sicher hätte Präsident Bierbrodt nichts dagegen, wenn in den letzten drei Partien noch ein paar weitere Nüsse in den Effretiker Korb kommen würden.

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