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Usters Frauen mit dem Blick nach oben

Seit 2017 kleben die Frauen des TV Uster auf Stufe 1. Liga fest, nachdem sie zuvor 23 Jahre lang in den beiden höchsten Ligen spielten. Die Ambitionen für mehr sind aber nach wie vor vorhanden.

Schon unzählige Jahre eine Leistungsträgerin: Nadine Alge, als die Ustermerinnen noch in der SPL2 spielten.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Usters Frauen mit dem Blick nach oben

Sie macht aus den Ambitionen kein Geheimnis. «Wir haben das Potenzial für die Finalrunde», sagt Ruth Jud, die langjährige Trainerin der Ustermer Erstliga-Frauen. Doch es sollte nicht sein.

Nach einer durchwachsenen ersten Meisterschaftsphase musste sich der TVU mit Platz 3 begnügen und damit Glattal/Limmattal und ATV/KV Basel den Vorzug lassen. «Die Enttäuschung war gross – es war unser klares Ziel, um den Aufstieg mitzuspielen», sagt Jud.

Sechs Teams kämpften anschliessend offiziell um den Platz in der SPL2. In der Praxis waren es aber nur deren vier, weil die SG Muotathal/Mythen Shooters und Willisau im Vorfeld schon öffentlich von einem möglichen Aufstieg absahen. «Es ist doch schlimm, dass da Klubs ohne Ambitionen mitspielen dürfen», bringt Jud wenig Verständnis für die Modalitäten entgegen.

Wie auch immer: Den Ustermerinnen blieb nur die Abstiegsrunde, die für sie nicht mehr als eine Pflichtaufgabe war. Vor Wochenfrist wurde diese mit einem hohen Sieg auf Platz 1 abgeschlossen. Es war allerdings nicht die erste Teilnahme.

Seit der Relegation aus der SPL2 gelang erst einmal die Qualifika­tion zur Finalrunde. Zwei Co­rona-bedingte Saisonabbrüche spielten dem TVU allerdings auch nicht in die Karten. Gerade 2021 war das Team mit einer Erfolgsserie fulminant gestartet – ehe es gestoppt wurde.

Bis 2017 in der SPL2

23 Jahre waren die Ustermer Frauen bis 2017 ununterbrochen in den beiden höchsten Spielklassen. Viele Jahre davon in der SPL1. In dieser Zeit gab es sogar mehrere Auftritte im Europacup – den letzten gegen das französische Spitzenteam Dijon erlebten im Spätherbst 2008 noch rund 500 Zuschauer im Buchholz.

«Es wäre schön, würden mehr Spielerinnen so lange dem Verein treu bleiben.»
Ruth Jud, Trainerin TV Uster

Nadine Alge, in der abgelaufenen Meisterschaft die zweitbeste Skorerin im Team, spielte schon damals mit. «Es wäre schön, würden mehr Spielerinnen so lange dem Verein treu bleiben», sagt Jud.

Für ein baldiges Comeback der Ustermer Frauen – zumindest in der SPL2 – spricht aber noch immer einiges. Das Team hat eine gute Altersstruktur und dürfte mit Blick auf die nächste Saison weitgehend zusammenbleiben – gerade auf den zentralen Positionen. Die eine oder andere Linkshänderin würde sich Jud aber fürs Kader noch wünschen. 

Mehr als nur Erstliga-Norm

Kontinuität gibts ebenso im Staff, in dem Jud und Trainer­kollege Christian Kaufmann ein eingespieltes Gespann bilden. Pro Woche stehen drei Einheiten auf dem Programm – darunter regelmässig auch Athletiktrainings. «Das ist nicht die Norm in der 1. Liga», sagt Jud.

Überhaupt ist die weibliche Abteilung mit zwei Aktivteams solide aufgestellt – im Nachwuchs wird von der U14 bis zur U18 auf Stufe ­Inter gespielt. «Wir haben genug Spielerinnen», bestätigt Jud.

Das Problem ist vielmehr, dass die ­talentiertesten Spielerinnen schnell von höherklassigen Klubs entdeckt werden. So, wie zuletzt Torfrau Danijela Milenkovic und Flügel Lena Husmann, die sich mittlerweile bei Yellow Winterthur in der SPL1 bewähren dürfen.

Externe Verstärkungen nach Uster zu lotsen, bleibt hingegen ein schwieriges Unterfangen. «Der Markt ist ausgetrocknet. Und unser Einzugsgebiet gibt nicht viel her», ist Jud da Realistin genug.

Trotzdem findet hie und da eine überdurchschnitt­liche Spielerin den Weg ins Buchholz. So, wie zuletzt die SPL1-erprobte Laura Ussia (ex Brühl). Jud spricht in diesem Zusammenhang von einem Glücksfall. Nur schon, weil gerade Kreisläuferinnen äusserst rar gesät sind.

Lücke hinter dem Topduo

Vielleicht könnte da eine bal­dige Rückkehr in die SPL2 den Ustermerinnen beim Rekrutieren des Personals etwas helfen. Kein einziges Frauenteam aus dem Raum Zürich spielt nämlich hinter dem arrivierten Yellow Winterthur und GC Amicitia derzeit auf zweithöchster Stufe. 

Jüngeren Spielerinnen würde so mehr Anreiz geboten, dem Verein die Treue zu halten. So, wie es Dauerbrennerin Nadine Alge seit vielen Jahren vorlebt. Zwei oder drei zusätzliche Spielerinnen mit dem nötigen Niveau – dann dürfte es schon zum Aufstieg reichen. 

Aderlass bei Usters Männern
Bei den Erstliga-Männern des TV Uster kommt es zum Ende der Saison zu einem personellen Umbruch. Mit dem Abgang von Trainer Walter Flessati, der eine «längere sportliche Auszeit» einlegen will, verlassen auch einige wichtige Stammkräfte das Team. Darunter sind der fleis­sigste Torschütze Peter Balsiger (150 Saisontreffer) und Kenneth Tan, die sich dem NLB-Aufsteiger GC Amicitia/HC Küsnacht anschliessen. Torhüter Fabrizio Steiner und Captain Gianluca Schaub legen derweil eine Pause ein. Letzterer hatte den scheidenden Coach Flessati zusätzlich als Athletiktrainer unterstützt. «Die Abgänge tun natürlich weh», sagt Sportchef Rolf Schärer. Die Ustermer geraten so ziemlich unter Zugzwang, um für die kommende Saison wieder eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen. Noch offen ist auch, wer Flessatis Nachfolge antritt. Schärer spricht hierbei von einer möglichen «externen Lösung». (dsc)

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