Er will mehr auf den Körper hören
Es war ein gelungener Auftakt in die Regatta-Saison. Bei teils windigen Bedingungen auf dem Lauerzersee setzte sich Nicolas Kamber am Wochenende mit seinen Kollegen von der Grasshopper-Rudersektion im Achter mit Steuermann souverän durch.
Mehr als eine Bestandesaufnahme waren die Rennen für den Wangemer mit Blick auf die Schweizer Meisterschaften von Anfang Juli aber nicht.
Für Kamber ist 2022 eine Übergangssaison. Sein Fokus liegt in den nächsten Monaten auf seinem Studium zum Maschinenbauingenieur. Als Elite-Kaderathlet von Swiss Rowing trainiert er trotzdem täglich. Aber nicht wie sonst im nationalen Leistungszentrum Sarnen – und nicht im selben Umfang.
«Ich bin überzeugt davon, dass wir den besten Nicolas noch nicht gesehen haben . »
Christian Stofer, Direktor Swiss Rowing
Richtig loslegen wird Kamber erst wieder im Herbst, sofern es seine Gesundheit überhaupt zulässt. «Ich will mich nicht zu fest auf ein Ziel fixieren, sondern viel mehr auf den Körper achten», sagt der 25-Jährige. Grund dafür hat er genug. Schon mehrfach wurde er von Verletzungen zurückgeworfen.
«Er hat in diesem Bereich wirklich nichts ausgelassen», sagt sogar Swiss-Rowing-Direktor Christian Stofer, der Kamber viel Potenzial attestiert. «Er ist ein sehr talentierter Ruderer. Ich bin überzeugt davon, dass wir den besten Nicolas noch nicht gesehen haben.»
EM-Titel bei den Junioren
Kamber zählt seit 2019 zum Kreis des für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio gebildeten Vierers ohne Steuermann.
Werbung in eigener Sache machte er dafür beispielsweise an der U23-EM in Griechenland, bei dem er im Vierer ohne Bronze holte. Der 1,92 Meter grosse Glattaler hatte zu diesem Zeitpunkt wieder eine längere Verletzungspause überwunden.
Es war für Kamber , der als Jugendlicher durch seinen Stiefvater zum Rudern gekommen war, aber längst nicht der einzige Erfolg in seiner Karriere. 2015 konnte er sich bereits als Junioren-Europameister feiern lassen.
Ein Jahr später gelang zudem mit einem GC-Vierer der Sieg an der prestigeträchtigen Henley Royal Regatta – vor grosser Zuschauerkulisse und starker internationaler Konkurrenz.
Und hätten die Sommerspiele in Japan wie geplant und nicht erst 2021 durchgeführt worden können, wäre für Kamber ein weiterer Höhepunkt dazugekommen. Seinen Platz hätte er nämlich auf sicher gehabt. Dies, obwohl er gar nicht im Boot sass, das an der Weltmeisterschaft in Linz (AUT) den Olympia-Quotenplatz für die Schweiz holte.
Der Grund: Vor jeder neuen Saison sind für die Bootsbesetzungen stets die Ausscheidungs-Trials im März massgebend. « Nicolas verdrängte da einen arrivierten Athleten», sagt Stofer. Nur ein kleiner Trost war da für Kamber im Herbst die Teilnahme an der EM im polnischen Poznan, wo es dem Vierer ohne nach einem verpatzten Halbfinal noch zu Platz 7 reichte.
Ersatzruderer an Olympia
Im Olympia-Jahr 2021 erlitt der Wangemer aber schon früh aufgrund eines Bandscheibenvorfalls einen erneuten Rückschlag. Kamber konnte die Trials im Frühjahr nicht bestreiten und reiste schliesslich nur als zweiter Ersatzmann ins Trainingslager nach Kinosaki. Hinterher war für ihn das Olympia-Abenteuer aufgrund der rigiden Corona-Bestimmungen bereits zu Ende.
Missen will er diese Zeit aber keineswegs. «Es war für mich auch so ein besonderes Erlebnis», betont er. Seine Teamkollegen belegten derweil in der Endabrechnung den neunten Platz.
Das Olympia-Projekt mit dem Männer-Vierer soll nun auch für Paris 2024 fortgeführt werden. Ein Team dafür wurde noch nicht gebildet, da neben Kamber auch andere Ruderer die laufende Saison als Zwischenjahr nutzen.
Erste Aufschlüsse sollen im Juni die nächsten Trials geben. Sie dürften allerdings ohne ihn stattfinden. «Wir hätten ihn gerne zurück», bekräftigt Stofer. Er sagt aber auch: «Es ist sein Entscheid. Nicolas muss es mit sich ausmachen, ob er das nötige Trainingsvolumen wieder stemmen kann.»
