Die Rebellen geben den Ton an
Sie fallen mit ihren rosa Trikots sofort auf. Auf der Brust prangt der Schriftzug «I am» (Ich bin) – und natürlich darf auch der Vorname auf dem Rücken nicht fehlen. Die Rede ist von den Ustermer Footrebels.
Auf der Website gibt es keine Teams, sondern «Flagships» (Flaggschiffe). In einem mit schnellen Elektrobeats unterlegten Video zeigen die Spieler Tricks, Passkombinationen und erzielen schöne Tore. Jeder Einzelne wird wie ein grosser Star prominent vorgestellt. Die Junioren sind zwischen 6 und 15 Jahre alt.
In dieses Gesamtbild passt auch der sogenannte Footrebel-Store, in dem man sich von der Wasserflasche bis zur trendigen Sonnenbrille ausrüsten kann. Von einem Geschäft will Mitgründer und Präsident Sidney Kavuma aber nicht sprechen. «Es geht darum, eine starke Identität zu schaffen. Und diese soll ein Antrieb sein», sagt er.
Das Konzept kommt an. Auch auf dem Feld durch die vielseitigen Trainingsmethoden. So geht es beispielsweise mit den jüngeren Jahrgängen regelmässig auf die Hartplätze der Schulhäuser, um die technischen Fertigkeiten zu verfeinern. Grossen Anklang finden ebenso die dazu passenden Strassenturniere.
Die Footrebels sind mit diesen und anderen innovativen Inhalten nach ihrer Gründung im Jahr 2016 schnell gewachsen. Heute spielen gegen 140 Buben und 40 Mädchen in Uster – seit dieser Saison gibt es sogar einen zweiten Standort in Zürich mit 60 Buben.
Mehr Wachstum ist für Kavuma aber gerade in Uster kein Thema. «Wir sind nicht volumenbasiert und nehmen selektiv Junioren auf», sagt er.
Dies dürfte auch im Interesse von FC-Uster-Präsident Rico Maurer sein. «Rein vom Platzangebot und von den Garderoben her würde ich es begrüssen, wenn Footrebel sich nicht weiter ausbreiten würde.» Dies dürfte sowieso nur noch im Bereich der Juniorinnen geschehen, wo der FCU in fast sämtlichen Alterskategorien bereits ein Team stellt.
«Ich denke, es hat zu wenige Juniorinnen für dasselbe Angebot», mahnt Maurer.
Fussballschule oder Verein?
Aber was sind die Footrebels eigentlich – ein Verein oder doch mehr eine Fussballschule? «Sowohl als auch», findet Marco Bernet, der die Kinderfussball-Abteilung Letzikids beim FC Zürich aufbaute und beim Schweizerischen Fussballverband als Instruktor tätig ist.
«Von der Philosophie gibt es Muster aus Vereinen. Sie schaffen Erlebniswelten für die Kinder und nehmen die Eltern mit an Bord», sagt er. Es gebe aber in den Trainings auch gewisse Drillformen, die eher einer Fussballschule zuzuordnen seien.
Bernet, der derzeit als Assistenztrainer beim Zweitligisten FC Greifensee die Trainings leitet, bezeichnet das Footrebel-Projekt als innovativ und vorbildlich. Für Klubvertreter, die sich abschätzig darüber äussern, hat er nicht viel übrig.
«Sie sollen nicht jammern, sondern die eigenen Trainer besser ausbilden. Damit es für die Kinder keinen Grund gibt, den Verein zu verlassen», sagt er.
Dass die Footrebel-Macher mit ihren Trainingsinhalten einiges richtig machen, spiegelt sich auch im Meisterschaftsalltag wider. Als einziger Klub in der Region spielen die C-Junioren derzeit auf der höchsten Stufe Youth League.
Nur: Mit dem Sprung in die nächste Altersstufe müssen diese Junioren die Footrebels wieder verlassen. «Bis dahin können wir sie optimal begleiten», begründet Kavuma die Ausrichtung.
Ein besseres Miteinander
Recht geben ihm die Ergebnisse. Über 25 Footrebels haben es bisher hinterher in das Nachwuchsleistungszentrum eines Grossvereins ab U15 geschafft. Für eine Vielzahl der austretenden Spieler ist aber vielmehr der Wechsel in einen klassischen Fussballklub die Realität.
Der Kinderfussball-Experte Bernet sieht vor allem bei diesem Schritt Potenzial für Irritationen – vor allem, wenn der neue Verein dem Spieler nicht mehr dasselbe bieten kann.
«Trotz Rivalität pflegen wir einen kollegialen Austausch.»
Tom Fluri, Leiter Junioren FC Uster
Die nächstliegende Anschlusslösung für die Footrebel-Spieler ist der viel grössere Nachbar FC Uster. Nach anfänglicher Eiszeit, insbesondere wegen der Platzverhältnisse und Abwerbungsversuche über die Eltern, hat sich das Verhältnis zwischen den Vereinen spürbar entspannt – wie beide Parteien betonen. «Trotz Rivalität pflegen wir einen kollegialen Austausch», bestätigt Tom Fluri, der Leiter Junioren beim FCU.
Dieser trägt mit der Rückkehr einiger Spieler in die B-Junioren erste Früchte. Es scheint, als hätten beide Vereine ihre Rollen gefunden. Der FC Uster habe im Breitensport einen ganz anderen Auftrag, findet Fluri. Gleich drei Fussballklubs bei gleichbleibenden Ressourcen machen für ihn aber keinen Sinn.
Gemeint ist damit Rot Weiss Winikon, der ebenso noch elf Juniorenteams in Uster unterhält. «Es muss das Ziel sein, gemeinsam zu gestalten und Synergien zu nutzen», sagt Fluri.
