Die Identifikation ist seine Triebfeder
Machen wir uns nichts vor: Wer noch vor einem Jahr die Prognose gewagt hätte, dass die SC Rapperswil-Jona Lakers die Qualifikation im vierten Rang beenden werden, wäre dafür belächelt worden. Im besten Fall.
Tatsächlich hat nun aber die Realität auch die kühnsten Schwärmereien übertroffen. 94 Punkte, 28 Siege nach regulärer Spielzeit, dazu attraktives Eishockey und eine beeindruckende Konstanz: Die Lakers sind in dieser Saison ein Spitzenteam und ein echter Faktor in der National League geworden.
Wie im Teamsport üblich, hat dieser Erfolg viele Namen, wobei einige freilich speziell herausstechen. So wurde der Schwede Stefan Hedlund von allen Trainern und Captains der Liga zum besten Coach des Jahres gewählt, dem tschechischen Liga-Topskorer Roman Cervenka wurde das Prädikat «bester Stürmer» verliehen.
«Loyalität ist für mich alles.»
Melvin Nyffeler
Während diese beiden Exponenten den aktuellen Höhenflug verkörpern, versteckt sich das Gesicht des mittel- und langfristigen Aufstiegs hinter einer Maske: Der Volketswiler Goalie Melvin Nyffeler, seit bald sieben Jahren im Klub, ist zu einer zentralen Figur herangereift. Gegen innen und gegen aussen.
Seine im September bestätigte Vertragsverlängerung bis 2026 war folglich mehr als nur ein Personalentscheid. Sie war ein Signal: Die Vorwärtsstrategie geht weiter.
«Er ist im besten Eishockeyalter, deshalb macht ein Vierjahresvertrag Sinn», erklärt der Sportchef Janick Steinmann. Wohl wissend, wie wichtig die langfristige Besetzung der Position für einen aufstrebenden Klub ist.
Die Lakers wollen eine attraktive Adresse für talentierte junge Spieler sein. Dazu brauchen sie im Team aber auch Leistungsträger und Charakterköpfe. Melvin Nyffeler ist beides. Vor allem aber ist er eine Integrationsfigur.
Er sagt: «Loyalität ist für mich alles.» Und legt nach: «Ich könnte mir gut vorstellen, meine Karriere hier zu beenden und ein wichtiger Spieler in der Vereinsgeschichte zu werden.»
Gemeinsam aufgestanden
Diese enge Verbindung wurzelt in einer gemeinsamen Wiederauferstehung. Als Melvin Nyffeler 2015 bei den Lakers in der Swiss League anheuerte, waren beide an einer Talsohle angelangt. Die Lakers waren nach Jahren des Darbens abgestiegen, der talentierte ZSC-Junior Nyffeler bei Fribourg-Gottéron durchgefallen.
Gemeinsam setzten Klub und Goalie zum Aufstieg an. Sie dominierten die Swiss League, in einem furiosen Frühjahr 2018 gewannen sie den Cup und kehrten anschliessend in die National League zurück. Schon damals betonte der selbstbewusste Goalie gerne, wie stark er sich mit seinem Klub identifiziert.
Umgekehrt haben die Lakers Nyffeler den Hof gemacht – im Wissen, dass sich ihr wichtigster Einzelspieler auch in der höchsten Liga weiterentwickeln muss. Seit dem Aufstiegsjahr kümmert sich der Goalietrainer Tom Schlegel noch intensiver um ihn, die beiden kennen sich schon aus Juniorenzeiten.
Das etwas andere Interview mit Melvin Nyffeler. (Quelle: youtube.com)
Obwohl das Team in den ersten beiden Spielzeiten vor allem Niederlagen einstecken musste und Nyffeler auf dem Markt gefragt war, hat sich der Zürcher Oberländer nicht weglocken lassen. Er fühlt sich in seiner Rolle wohl, glaubt an die Visionen, die der Klub entwickelt hat.
Inzwischen hat der 28-Jährige den Aufstieg in den Zirkel jener Torhüter geschafft, die künftig die Nachfolge von Leonardo Genoni und Reto Berra antreten könnten. Zuletzt durfte er an der WM als Nummer drei teilnehmen. Nyffeler sagt: «Ich konnte die beiden an einem Turnier beobachten und lernen. Das war wichtig. Ich möchte bereit sein.»
In dieser Saison habe er noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht, findet der Sportchef Steinmann. Die guten Statistiken, vor allem aber die Konstanz stützen die Einschätzung. Der auf diese Saison neu engagierte Trainer Hedlund setzt denn auch bedingungslos auf Nyffeler, kein anderer Goalie der Liga wurde so oft eingesetzt.
«Ich will nicht zu einem Topteam gehen, ich will eines mitentwickeln.»
Melvin Nyffeler
Umgekehrt durfte sich Hedlund glücklich schätzen, sich gar nie um die Torhüterposition kümmern zu müssen. Das attraktive Hockey, das der Schwede spielen lässt, setzt einen verlässlichen Schlussmann voraus, insofern ermöglichte ihm Nyffeler einen guten Start.
Janick Steinmann war zuvor ein Risiko eingegangen, als er während der letzten Qualifikation bekannt gegeben hatte, dass er sich vom Trainer Jeff Tomlinson trennen wird. Der Deutsch-Kanadier, der das Team 2015 übernommen, in die National League geführt und konkurrenzfähig gemacht hatte, war bei den Spielern beliebt. In der Form eines Playoff-Halbfinaleinzugs schenkten sie ihm im Frühling 2021 ein letztes Hurra.
Heute ist klar, dass in jenen Playoffs bereits der Grundstein für die neue Saison gelegt worden war. Obschon die Mannschaft dem Nachfolger Hedlund nicht ohne Skepsis gegenübertrat, schaffte es dieser, den nötigen Impuls zu setzen. «Dass das so gut funktionierte, stärkt die Vision des Sportchefs. Das ist wichtig», sagt Nyffeler.
Ebenbürtiger HCD
Wie weit die Reise in diesen Playoffs noch gehen wird, ist nicht abzuschätzen. Der Viertelfinalgegner aus Davos hat sich in der Regular Season als ebenbürtig erwiesen, drei von fünf Direktbegegnungen hatten die Bündner für sich entschieden.
Unabhängig davon, und das ist weitaus wichtiger, sind die Lakers ihrem mittelfristigen Ziel, sich im Mittelfeld zu etablieren, indessen einen Schritt näher gekommen.
Das sieht auch Melvin Nyffeler so, der unterstreicht: «Ich will nicht zu einem Topteam gehen, ich will eines mitentwickeln.»
