«Das grösste Potenzial sehe ich im Kopf»
Für den FC Greifensee hat er bereits ein Nachwuchskonzept erarbeitet. In der zweiten Meisterschaftshälfte unterstützt Marco Bernet den Zweitligisten nun auch noch als Assistenztrainer.
Der bald 64-Jährige ist vor allem für seine Arbeit beim FC Zürich bekannt. Beim Stadtklub baute er Anfang der Nullerjahre die Nachwuchsorganisation Letzikids auf. Später übernahm Bernet das Amt des Technischen Direktors. Im Sommer 2014 wurde er zurückgestuft.
Bernet verliess den Verein und machte sich selbstständig. Er ist mit seiner Sportdienstleistungsfirma als Ausbildner für Trainer tätig und berät Vereine.
So steht es um die Zweitligisten vor dem Rückrundenstart
18.03.2022

Fussball 2. Liga
Wird Uster seiner Favoritenrolle in der Zweitliga-Gruppe 2 gerecht? Beitrag in Merkliste speichern Sie sind in Fussballerkreisen vor allem als Ausbildner für Trainer bekannt. Weshalb engagieren Sie sich als Teamtrainer beim FC Greifensee?
Der Verein ist nach dem Rücktritt von Drazenko Lakic zu keiner Lösung gekommen und hat Alternativen gesucht. Die Konstellation hat gepasst. Und für mich als Instruktor beim Schweizerischen Fussballverband ist es auch eine Gelegenheit um Praxis zu sammeln. Ich hatte ähnliche Aufgaben schon bei Seefeld, dem Racing Club und Küsnacht.
In ihrer Karriere betreuten Sie nur in Küsnacht und Herrliberg einzelne Teams. Das liegt weit zurück.
Ich habe halt einen anderen Weg eingeschlagen und bin schnell Instruktor geworden. Mir macht es Spass breit Wissen zu vermitteln. Nicht nur an einzelne Mannschaften.
Wenn Sie zurückblicken: Der Breitenfussball hat sich entwickelt – was sind die grössten Unterschiede?
Die Spieler sind viel besser ausgebildet. Das hat auch mit dem Kinderfussball zu tun, den es zu meiner Zeit noch gar nicht gab. Der Fussball ist schneller und athletischer geworden. Das grösste Potenzial sehe ich noch im Kopf der Spieler – bei der Handlungsschnelligkeit und Spielintelligenz.
«Der Verein muss den Takt vorgeben»
Die Ausbildung ist ihr Spezialgebiet. Wie muss man sich Ihre Betreuung bei einem Verein wie den FC Greifensee vorstellen?
Als erstes werden immer die Vorstellungen ausgetauscht. Es soll schliesslich ein Vereins-, und kein Bernet-Konzept geben. Auch wenn grundlegende Anker von mir drin sind. Dabei geht es zunächst nicht um technisch-taktisches, sondern darum die Führungsstruktur zu überdenken. In einem zweiten Schritt folgt die Schulung auf und neben dem Platz. Ich gebe dabei Beispieltrainings. Wichtig ist immer: Der Verein muss den Takt vorgeben.
Sie haben von Anker gesprochen – was heisst das genau?
Ich bin SFV-Instruktor und lehre nach Kategorie bezogenen Ausbildungsgrundsätzen und Spielprinzipen. Und nicht nach einer Philosophie aus Holland, Frankreich oder Deutschland. Es gibt da Parallelentwicklungen von Leuten, die in Fussballschulen ihr Konzept aufdrücken. Und das hat gar nichts mit dem SFV zu tun. Es gibt auch immer mehr Kinder, die Privatstunden nehmen. Solche Angebote sind reine Geldmaschinen. Es ist keine gute Entwicklung.
Sie hatten durch Ihre Arbeit schon vielerorts Einblick. Was sind die häufigsten Fehler, die in den Klubs gemacht werden?
Die grössten Mankos finden sich bei den Strukturen. Die Vereine wachsen und engagieren Trainer, die sie hinterher nicht betreuen. Diese machen beispielsweise einen Kurs, gehen zurück in den Verein und erhalten dort keine Unterstützung. Und schon bald trainieren sie wieder nach alten Mustern. Jeder arbeitet für sich. Es findet kein Knowhow-Transfer statt. Die Folge davon sind viele Wechsel. Und darunter leidet die Qualität.
Als Selbständiger mit verschiedenen Mandaten haben Sie verschiedene Hüte an. Birgt dies nicht manchmal Interessenskonflikte? Beispielsweise wenn Sie im Aktivfussball in mehreren Klubs tätig sind?
Ich hatte in all den Jahren noch nie eine Reklamation. Es geht dabei immer um Glaubwürdigkeit. Ich halte immer meine Versprechen und werbe keine Spieler ab, sondern vermittle höchstens. Alles andere wäre auch rufschädigend für mich.
Was stellen Sie dem Breitenfussball für ein Zeugnis aus?
Ein sehr gutes. Der ganze Spitzenfussball hätte ohne ein funktionierendes Vereinswesen keine Chance. Ich habe allerhöchste Achtung vom ehrenamtlichen Engagement der Funktionäre. Natürlich gibt es aber Vereine, die über das Ziel schiessen. Solche, die sich künstlich breit machen und mit Geld ihre eigenen Träume verwirklichen wollen. Doch das funktioniert auf Dauer nicht.
