Oberländer Profikicker können Geschichte schreiben
Spannung, Spektakel und 7800 Zuschauer als Kulisse auf der Schützenwiese: Der Spitzenkampf zwischen Winterthur und Leader Aarau bot ganz vieles. Und mit dem 4:2-Heimsieg der Gastgeber spitzt sich der Aufstiegskampf in die Super League wieder zu. Der FCW ist bis auf zwei Punkte herangerückt.
Mittendrin im Geschehen waren mit Granit Lekaj und Roberto Alves auch zwei Oberländer. Letzterer gehörte sogar zu den ganz grossen Protagonisten der Partie. Der Gossauer Alves verwertete zuerst einen Handspenalty zum 1:1, später hob er einen Freistossball an die Latte, den Abpraller verwertete Teamkollege Enis Abedini zum neuerlichen Ausgleich. Der Traum vom möglichen Aufstieg bleibt damit realistisch. Weder Lekaj noch Alves haben in ihrer Karriere schon auf höchster Stufe gespielt.
In die «Golden 11» gewählt
Etwas Besonderes wäre dieser Schritt gerade für Lekaj. Schon weit über 300-mal lief er in der Challenge League auf – für Schaffhausen, Wil und eben Winterthur. Seit dieser Saison nun sogar als Captain – als Nachfolger von FCW-Legende Davide Callà. Zu seinem Status passt auch, dass der Pfäffiker von den Fussballerkollegen der Liga in die «Golden 11» des Jahrs 2021 gewählt worden war.
Sehen wir also derzeit den besten Lekaj? Er verneint fast schon bescheiden. «Ich war überrascht über die Wahl. Vielleicht haben meine Erfahrung und meine Ausstrahlung den Ausschlag gegeben. Meine stärkste Zeit hatte ich eigentlich in Wil.»
Das ist schon geraume Zeit her. «Ich hatte damals das Gefühl, es in die Super League schaffen zu können. Doch irgendwie wollte es da nicht klappen», sagt der Verteidiger.
«Auch der Trainerwechsel im Winter hat nochmals einen Ruck gegeben. »
Granit Lekaj
Jetzt, mit 32, gibt es für ihn womöglich noch eine späte zweite Chance. Erst vor wenigen Wochen hat er seinen auslaufenden Vertrag beim FC Winterthur um eine Saison verlängert. Mit ihm spielte er in den letzten Jahren immer wieder mal vorne mit. Für einen Aufstieg fehlte aber stets die Konstanz.
«Wir haben jetzt ein grösseres Kader. Und auch der Trainerwechsel im Winter hat nochmals einen Ruck gegeben», sieht er gute Gründe für eine Zukunft in der Super League.
Der prominente Trainer
Neuer Trainer beim FCW ist kein Geringerer als Alex Frei, der Rekordtorschütze der Schweizer Nationalmannschaft. Der 42-Jährige kommt offensichtlich gut an. «Er ist viel aktiver im Training. Und gibt jedem das Gefühl, wichtig zu sein. Das war vorher anders», sagt der mittlerweile in Brüttisellen lebende Lekaj. Derweil streicht Alves die Detailarbeit des früheren Stürmers heraus. Alles habe Hand und Fuss.
Tatsächlich lässt sich die Bilanz unter Frei sehen. Fünf Siege stehen bisher nur einem Remis und zwei Niederlagen gegenüber. Beim jüngsten Rückschlag gegen Stade Lausanne-Ouchy hatten ausgerechnet Lekaj und Alves wegen einer Gelb-Sperre gefehlt.
Es ist bereits 36 lange Jahre her, seit der FC Winterthur letztmals erstklassig war. Und das denkwürdige Spiel gegen Aarau mit mehreren Wendungen bestätigte den Eindruck der ausgeglichenen Meisterschaft.
Mit Vaduz und Schaffhausen gibt es weitere Klubs, die sich zumindest noch leise Hoffnungen machen können. «Es gibt kein überragendes Team wie in früheren Jahren», betont Lekaj.
Nur wie steht es denn um die Qualität in der Challenge League? «Sie ist besser geworden», ist der Oberländer überzeugt. «Und es wird viel taktischer gespielt», pflichtet ihm Teamkollege Alves bei.
Auch der ehemalige Gossau-Junior hat – obwohl noch keine 25 – schon einige Erfahrungen machen können. Bei den Grasshoppers war ihm einst der grosse Durchbruch verwehrt geblieben. «Ich hatte nie eine echte Chance bekommen», sagt er.
Alves vor dem Absprung?
Dafür hat sich Alves in Winterthur zum Spieler für die besonderen Momente entwickelt. 8 Tore und 10 Assists steuerte er in dieser Saison bereits bei – mit diesen Werten zählt er zu den auffälligsten Akteuren der Liga überhaupt.
«Ich lasse mir alle Türen offen. »
Roberto Alves
Der Vertrag von Alves läuft aus. «Ich lasse mir alle Türen offen», sagt er und spricht von «einem schwierigen Entscheid». Auch seine zweite Heimat Portugal ist für ihn eine Option.
Und selbst wenn er sich nicht verbindlich äussert: Irgendwie lässt der Offensivspieler durchblicken, dass er wohl in der nächsten Saison höchstens bei einem Aufstieg das Trikot der Winterthurer weiter tragen wird.
Er sei nicht ausreichend laufbereit, war ihm immer wieder mal vorgehalten worden. «Das stimmt schon. Doch das habe ich in der Rückrunde verbessert», entgegnet er. Tatsächlich gilt Alves als derzeit formstärkster Winterthurer.
Es ist offensichtlich: Der Gossauer hat beste Karten für einen Aufstieg. Wenn nicht mit dem FCW, dann durch einen Transfer.
