Sie hat grossen Anteil am Aufschwung im Schweizer Frauen-Handball
Sie ist beim entscheidenden Schritt die überragende Akteurin auf dem Feld. Kerstin Kündig erzielt bei der 34:18-Gala des Frauen-Nationalteams gegen Litauen nicht nur 12 Tore. Die Wetzikerin ist auch die Denkerin und Lenkerin im Rückraum. Kaum ein Fehlpass unterläuft ihr – sie wird deshalb als Matchwinnerin gefeiert.
Hinterher sagt sie: «Es braucht noch einen Moment, das alles komplett zu realisieren.» Kündig meint damit die erstmalige Qualifikation für eine EM-Endrunde.
Es ist vor allem die Art und Weise des Aufretens, die beeindruckt. «Vor dreieinhalb Jahren freuten wir uns noch riesig über einen knappen Sieg gegen Litauen», sagt Kündig. «Jetzt fragten wir uns nach dem Hinspiel-Erfolg, was wir besser machen können.»
Es ist offensichtlich: Im Schweizer Frauen-Handball hat ein Umdenken stattgefunden. «An einem guten Tag können wir viele Teams bezwingen», ist Kündig überzeugt und nennt dazu exemplarisch das ebenso für die EM qualifizierte Polen. In wenigen Wochen gibt es eine nächste Gelegenheit dazu. Die Schweiz war aber auch Profiteurin der Situation, nachdem das favorisierte Russland aus der Gruppe ausgeschlossen wurde.
Das ändert aber nichts an den vielversprechenden Perspektiven. Nicht nur werden die Schweizerinnen im November an der EM teilnehmen. Sie werden auch drei Jahre später als Co-Veranstalterin bei der nächsten Endrunde mittendrin sein.
Entscheidenden Anteil am Aufschwung hat Nationalcoach Martin Albertsen, der in seiner zusätzlichen Funktion als Cheftrainer der neuen Frauen-Akademie in Cham auch viel Knowhow einbringt. «Mit ihm weht ein ganz anderer Wind. Die Jungen sind bereit, mehr auf sich zu nehmen», sagt Kündig, die seit 2020 für den deutschen Bundesligisten Thüringer HC aufläuft.
Führungskraft im Verein
Eine, die davon profitierte, ist ihre jüngere Nationalteamkollegin Charlotte Kähr (20). Sie wagte im letzten Sommer ebenso den Schritt nach Deutschland – zum Buxtehuder SV. «Sie hat eine Riesenentwicklung hinter sich», sagt Kündig über die Gockhauserin.
Am Mittwoch treffen die beiden Handballerinnen aus der Region in der Bundesliga erstmals aufeinander. «Darauf freue ich mich extrem», sagt Kündig
Sie ist im Klub zur unumstrittenen Führungskraft geworden. Seit dieser Saison fungiert Kündig beim siebenfachen deutschen Meister als Co-Captain. «Ich habe ein gewisses Standing und kann mitbestimmen.»
Für die 28-Jährige ist klar, dass sie noch einige Jahre im Ausland spielen wird. In welcher Umgebung ist offen. Ihren auslaufenden Vertrag hat Kündig noch nicht verlängert.
