Kocher bereits wieder im Wettkampfmodus
Das Jahr hätte nicht viel besser beginnen können. Zuerst schaffte es Fabienne Kocher beim Grand Prix im portugiesischen Almada auf Platz 3 (bis 52 kg), dann bestätigte sie den Podestplatz beim stark besetzten Grand-Slam-Turnier von Paris. «Ich bin mehr als nur glücklich», sagt die Riedikerin.
In der französischen Hauptstadt hatte sie sich einzig Distria Krasniqi (KOS) geschlagen geben müssen. Die Olympia-Siegerin von Tokio in der Klasse bis 48 kg tritt neuerdings in der höheren Gewichtsklasse an. Und Kocher verbesserte sich durch die Bronze-Klassierungen auf den vierten Platz in der Weltrangliste.
So gut wie noch nie ist sie also klassiert. Es sind vielversprechende Perspektiven für die Saison, die mit der Europameisterschaft in Sofia von Ende April einen ersten Höhepunkt hat.
Um dort zu reüssieren, legt die 28-Jährige vom Judoclub Uster nun mehrere Trainingsblöcke ein. Denn trotz den jüngsten Resultaten sieht sie nach einer längeren Pause noch Aufholbedarf.
Erholung nach Olympia
Kocher hat ein emotionales Jahr hinter sich. In einem spannenden Zweikampf mit der favorisierten Evelyne Tschopp sicherte sie sich in extremis den Schweizer Quotenplatz in ihrer Gewichtsklasse.
An den Olympischen Spielen kämpfte sie sich bis in den Halbfinal – eine Medaille blieb ihr am Ende aber trotzdem verwehrt. Vom «Märchen ohne Happy End» ist deshalb die Rede.
Kocher lässt es hinterher etwas ruhiger angehen. Sie macht zuerst Ferien und entscheidet sich in dieser Zeit auch für einen neuen (Psychologie-)Studiengang. Und sie trainiert in einer ersten Phase nach dem Lust-und-Laune-Prinzip.
Bei ihrem einzigen Wettkampf, den Schweizer Meisterschaften in Biel von Ende November, holt sie standesgemäss den Titel. Sogar die Team-Meisterschaften mit dem JC Uster lässt sie für einmal aus privaten Gründen aus.
Die Pause ist nötig, um den nötigen Hunger wiederzubekommen. Die knapp verpasste olympische Medaille ist für die Riedikerin nämlich auch ein Ansporn, dies 2024 in Paris nachholen zu wollen.
Und selbst wenn die jüngsten Bronze-Plätze von Kocher nicht zum neuen Qualifikationszyklus zählten. Die Chance auf eine mögliche zweite Olympia-Teilnahme ist nicht nur aufgrund von Form und Weltranglistenposition sehr realistisch.
Wegweisend dafür ist auch die neue Situation im Schweizer Grand-Slam-Kader. Ihre bisherige Rivalin Tschopp nimmt nun in der Kategorie bis 57 kg einen neuen Anlauf.
«Es ist einerseits schön, dass dieser interne Wettkampf wegfällt», sagt Kocher. Ein gesunder Konkurrenzkampf sei aber insofern ebenso wichtig, betont sie weiter.
Eine neue Judo-Hoffnung
Der neueste Stern am Schweizer Judo-Himmel ist die gerade mal 17-jährige Binta Ndiaye. Eben erst holte die Waadtländerin beim Elite European Open in Sarajevo die Goldmedaille in der Kategorie bis 52 kg. Durch den jüngsten Erfolg verbesserte sich die U18-Europameisterin im Weltranking bereits auf Platz 56.
Man darf also gespannt sein, inwiefern Ndiaye ihre erfahrenere Kollegin schon fordern kann. Kocher selbst macht sich über ihren Status nicht zu viele Gedanken. Mehr Druck spürt sie nicht. «In den Wettkampfmodus finden und die äusseren Einflüsse gänzlich ausblenden» – das ist es, was für sie zählt.
Die Riedikerin wird vor der EM erst ab Ende März in Osteuropa wieder zwei Grand Slams bestreiten.
«Wir haben einen vollen Plan. Daher ist es wichtig, dass unsere Sportler in einer guten körperlichen und geistigen Verfassung sind», sagt Nationaltrainer Aleksei Budolin mit Blick auf die nächsten Fixpunkte.
Stump im Aufbautraining
Noch gar keinen Wettkampf seit Olympia hat Nils Stump bestritten. Der Ustermer war in Tokio bereits in den Sechzehntelfinals (bis 73 kg) ausgeschieden. Er nutzte hinterher die Gelegenheit für eine Operation im Oktober. Schon länger bereitete ihm die Bizepssehne an der rechten Schulter Sorgen. Stump nennt als Grund «Abnutzung und Belastung». Der 24-Jährige fühlt sich beim Aufbautraining auf Kurs. «Die Beweglichkeit war schnell zurück», sagt er und hofft, im April die EM zu bestreiten. «Um bereit zu sein, sollte ich vorher noch ein Turnier bestreiten», ist für ihn klar. (dsc)
