Dieser Oberländer Trainer verhalf Corinne Suter zu Olympia-Gold
Sein Name klingt so gar nicht nach Zürcher Oberland: Dominique Pittet. Ein in die Region gezügelter Westschweizer – oder allenfalls ein Walliser? «Ich habe vom Vater her welsche Wurzeln. Doch bereits meine Grosseltern waren nach Zürich gezogen», sagt er.
Pittet ist in Hinteregg aufgewachsen. Umso bemerkenswerter ist deshalb, dass er beim Verband Swiss Ski als Trainer tätig ist. Den Status eines Exoten, weil er nicht aus einer Berggegend kommt, hat er aber längst nicht mehr.
Seit 2006 ist Pittet bereits mit den Schweizer Speedfahrerinnen im Weltcup unterwegs. Fast jedes Wochenende finden irgendwo in Europa oder sogar in Übersee Rennen statt. Haben die Athletinnen tatsächlich dann einmal eine längere Pause, wird die Zeit für ein Trainingsblock genutzt.
Und: Pittet hat kurz vor Weihnachten noch geheiratet und ist mit seiner Frau – einer Ärztin – eben nach Gutenswil umgezogen. Schon bald wird er ein erstes Mal Vater. Zeit für Privates bleibt bis auf Weiteres dennoch wenig. «In den Wintermonaten bin ich im Schnitt eineinhalb Tage in der Woche zuhause», rechnet er vor.
Viel Wertschätzung
Pittet ist bei den Schweizer Speed-Frauen für die Video-Analyse zuständig. Nach den Trainingsläufen sortiert, schneidet und beschriftet er gegen die 150 Aufnahmen. Der Oberländer bespricht hinterher mit den Rennläuferinnen die Fahrten. Es steht ihnen frei, mit welchem Trainer sie dies tun.
Der 50-Jährige steht im Ruf, ein feinfühliger Typ zu sein, und ist deshalb nicht von ungefähr die Ansprechperson von einigen Athletinnen.
«Er hat für einem nicht nur immer ein offenes Ohr, sondern verfügt auch über ein technisch gutes Auge, wenn man sich mal verliert.»
Corinne Suter
Corinne Suter ist der bekannteste Name aus dem aktuellen Nationalkader, die Pittet betreut. Die Schwyzerin sagt: «Ich schätze Dominique sehr. Er hat für einem nicht nur immer ein offenes Ohr, sondern verfügt auch über ein technisch gutes Auge, wenn man sich mal verliert.»
Sechs Jahre arbeitet Pittet bereits mit ihr zusammen und konnte in diesem Zeitraum grosse Erfolge miterleben. Suters jüngster Höhepunkt: Bei den Olympischen Spielen von Peking gewann die 27-Jährige Gold in der Abfahrt.
Schon in der Vorsaison zeigte Suter mit dem WM-Titel in der Abfahrt und Silber im Super-G überragende Resultate. «Ich bin sehr emotional und habe in diesen Momenten feuchte Augen», gibt Pittet einen Einblick in seine Gefühlswelt.
Einen besonders engen Kontakt pflegt er auch mit Jasmine Flury und Noémie Kolly, sowie der mittlerweile zurückgetretenen Olympiasiegerin Dominique Gisin, die er schon in den Nachwuchsjahren begleitete. Es sind aber natürlich nicht nur die Medaillen, die ihn mit der älteren Gisin-Schwester verbindet. Viel mehr ist es der von Auf und Abs geprägte Weg zu diesen Erfolgen – gerade auch nach schweren Verletzungen – der für ihn in Erinnerung bleibt.
Lieber im Hintergrund
Pittet arbeitet gerne im Hintergrund. Grosse Reden zu schwingen oder vor eine Kamera zu stehen, liegen ihm nicht. Und es gab für ihn nie einen Grund, ins Team der Männer zu wechseln. «Selbst wenn dies eine ebenso spannende Aufgabe wäre», wie er anmerkt.
Pittet war schon bei seiner vormaligen Traineramt beim Zentralschweizer Skiverband für die Frauen tätig. «Es hat von Beginn weg gepasst», sagt er. Und von seinem Kollegen Roland Platzer, zuvor Abfahrtstrainer bei den Männern, weiss er: «Komplizierte gibt es auch da.»
Nicht ganz unkompliziert ist es derzeit im Weltcup-Zirkus aufgrund der anhaltenden Corona-Problematik. Vor einem Jahr waren die Teams weitgehend alleine in den Skigebieten unterwegs. Bei den Schweizerinnen gab es einen einzigen positiven Fall – während des Sommertrainings bei einem Betreuer.
Ganz anders diese Saison, in der es trotz Vorsichtsmassnahmen und ständigen Tests zu weit mehr Corona-Infektionen kam. «Die Situation ist viel nervöser», sagt Pittet. Und daran änderte sich bis zu den Olympischen Spielen von Peking wenig. Für Pittet sind es bereits die vierten Winterspiele als Trainer.
Als Aktiver ein Spätstarter
Ihm selbst war als Aktiver einst die grosse Skikarriere vergönnt geblieben. «Zuerst die Schule» war das Credo seines Vaters. Pittet, der in seiner Jugend für die schwedische Legende Ingemar Stenmark schwärmte, machte eine Ausbildung zum Schreiner.
Als Spätstarter wurde deshalb auch der Sprung in ein Kader trotz einiger guten Rennresultaten nie zum Thema. Am Lauberhorn und in der Lenzerheide hatte er zumindest Auftritte als Vorfahrer.
Pittet sattelte schnell um. Er engagierte sich in seinem Skiclub Egg als Juniorentrainer, bildete sich weiter und war in den Regionalverbänden aktiv. Und nun ist er also schon über 15 Jahre mit den Schweizer Speed-Frauen im Weltcup unterwegs.
Gruppentrainer Platzer sagt: «Er ist als verlässlicher, sozialer Mitarbeiter eine wichtige Stütze im Team. Und ich hoffe, dass es so weiter geht.»
