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Für sie ist Olympia ein unerwarteter Höhepunkt

Anja Weber hat es trotz einer schwierigen Saisonvorbereitung an die Olympischen Spiele geschafft. Dort kann sich die Hinwilerin mindestens zweimal zeigen.

Anja Weber hofft in China besonders im Sprint-Rennen überraschen zu können., Der Fahrplan stimmt: Die Hinwilerin Anja Weber fühlt sich bereit für ihre ersten Olympischen Spiele. , Anja Weber zählt zum sechsköpfigen Schweizer Frauen-Langlaufteam.

Foto: Keystone

Für sie ist Olympia ein unerwarteter Höhepunkt

Ihre Selektion für die Olympischen Spiele mag Aussenstehende etwas überraschen. Aufgrund einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Infektion verpasste Anja Weber im Vorjahr nicht nur die gesamte Triathlon-­Saison, die Hinwilerin nahm dadurch auch die Vorbereitung für den Langlauf-Winter verspätet und vor allem vorsichtig in Angriff.

Selbst Frohnatur Weber kam da zuweilen ins Zweifeln. «Es war für mich enorm schwierig, immer positiv zu bleiben», blickt sie auf ihre viermonatige Zwangspause zurück.

Der Start in ihr erstes Elite-­Jahr verlief also alles andere als optimal. Die Ziele wurden entsprechend angepasst. Trainer Peter von Allmen sprach von einem Formaufbau auf die U23-Weltmeisterschaften im Februar hin.

«Ich trage immer dieselben Socken»

29.01.2022

Langläuferin Anja Weber

Im Olympia-Fragebogen geben die Oberländer Teilnehmer erhellende bis erheiternde Details aus ihre Beitrag in Merkliste speichern Diese finden allerdings erst nach den Olympischen Spielen statt – der Traum von einer Teilnahme schien also plötzlich weiter weg zu rücken. «Ihre Liga ist vorerst der Continental-Cup», bekräf­tigte von Allmen noch vor den ersten Rennen. 

«Es läuft von Rennen zu Rennen besser»
Anja Weber

Auf Stufe U20 hatte die Oberländerin dort dominiert – und zuletzt zweimal den Gesamtweltcup für sich entschieden. Vor rund zwei Wochen schaffte Weber es nun erstmals auch in der Elite als Dritte aufs Podest. «Es läuft von Rennen zu Rennen besser», freut sie sich.

Aufbauarbeit in der Saison 

Es ist das Ergebnis der nachträglichen Aufbauarbeit. Die mittlerweile für die TG Hütten lau­fende Weber bestritt vergleichsweise wenige Wettkämpfe und setzte den Fokus trotz laufender Saison verstärkt aufs Training. Zwar erlebte sie Mitte Dezember in Davos ihr Weltcup-Debüt.

Der anschliessenden Tour de Ski blieb Weber allerdings für einen weiteren Trainingsblock fern. Sie startete dafür Ende Jahr beim Swiss Cup in Campra, fehlte jedoch hinterher aus gesundheitlichen Gründen an den Schweizer Meisterschaften.

Und zum geplanten Weltcup-Einsatz von Mitte Januar in Prémanon (FRA) kam es auch nicht, weil die Wettkämpfe Corona-bedingt abgesagt werden mussten.

Weber erfüllte damit eigentlich die Olympia-Kriterien für eine Qualifikation nur zur ­Hälfte. Neben einem Top-3-Platz im Continental-Cup wäre dafür noch eine Weltcup-Klassierung unter den besten 25 nötig gewesen. «Ich habe dennoch gehofft, dass es klappt», sagt sie. Nicht zuletzt deshalb, weil ihre Formkurve kontinuierlich nach oben zeigte. 

Tatsächlich schaffte es die 20-Jährige schliesslich als Jüngste im Team ins sechsköpfige Aufgebot der Frauen. Fix eingeplant ist sie nun für den Sprint und über 10 km in der klassischen Technik. Und möglich ist auch noch ein Einsatz mit der Staffel. Gerade im Sprint-Rennen hofft Weber, die Finals der Top 30 zu erreichen.

Besondere Wettkampf-­Präferenzen hat die als ausgeglichen in den Disziplinen gel­tende Athletin aber nicht – und Druck will sie sich ohnehin nicht machen. «Viele Eindrücke sammeln und Erfahrungen mitnehmen», das ist ihr Motto für ihre ersten Olympischen Spiele.

Letzter Schliff im Engadin 

Weber wird dort erst am Dienstag, 8. Februar, erstmals im ­Einsatz stehen. Die Schweizer Langläuferinnen und Langläufer nutzten die letzte Vorbereitungsphase für eine Woche Höhentraining in St. Moritz.

Am Sonntag werden sie dann, direkt aus dem Engadin via Zürich anreisend, den Flug in die chinesische Hauptstadt antreten. Gerade für sie als Unterländerin sei es wichtig, sich an die Höhenluft zu gewöhnen, meint Weber. Immerhin finden die Wettkämpfe im etwa 200 km nordwestlich von Peking gelegenen Zhangjiakou auf rund 1700 Metern über dem Meer statt.

Fast 170 Schweizer Athletinnen und Athleten reisen insgesamt an die Winterspiele. Weber ist als Grenzgängerin zwischen zwei Sportarten in diesem Aufgebot eine Ausnahmeerscheinung. 2018 hatte sie an den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires gleich zwei Medaillen im Triathlon geholt.

Weiterhin eine Grenzgängerin

Nur wenige Monate später legte sie dann auf Langlauf-Skiern am Europäischen Jugend-Festival in Sara­jevo nach. Und holte Gold. «Ist sie die neue Nicola Spirig oder der neue Dario Cologna?», ­fragte das Onlineportal «Watson» und lieferte die Antwort gleich selbst. «Anja Weber kann beides.»

Und an diesem Kurs will die Hinwilerin, losgelöst vom Abschneiden an den Olympischen Spielen und von der anschliessenden U23-WM, weiterhin nichts ändern. «Ich mache beide Sportarten gerne. Die Abwechslung ist für mich auch mental wichtig», sagt sie mit Blick über die Langlauf-Saison hinaus.

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