«Mir haben acht Hundertstel gefehlt»
Der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking ordnete Dominik Schläpfer fast alles unter. Der Tösstaler Anschieber bereitete sich mit seinem Team um Pilot Simon Friedli in mehreren Trainingslagern auf die Saison vor. Und der gelernte Zimmermann arbeitete neben seinem Studium zum Holzbauingenieur auch nicht mehr Teilzeit.
Vor dem Weltcup-Start ging es für den 27-Jährigen aus Wila ausserdem für rund einen Monat in ein denkwürdiges Trainingscamp in China. Fast gänzlich abgeschottet von der Aussenwelt, lernte er mit seinen Teamkollegen die neu gebaute Bahn in Yanjing kennen.
Bereits Mitte Dezember erreichte das Friedli-Team mit dem zweiten Top-8-Platz im Weltcup die nötige A-Limite für Olympia im Zweierbob.
Doch für Schläpfer ist der Traum von Olympia jäh geplatzt. Er konnte sich kurz vor Weihnachten bei einem internen Qualifikationswettkampf, dem sogenannten Ausschieben, nicht durchsetzen.
Der Verband Swiss Sliding stellte hinterher die Teams um. So stiess mit Fabio Badraun ein «fremder» Anschieber zur Crew von Friedli.
Sie sind im Winter an jedem Wochenende an einem Weltcup. Warum gibt es zusätzlich eine Qualifikation unter den Anschiebern?
Dominik Schläpfer: Die Leistungen der einzelnen Athleten sind an den Weltcups nur schwierig einzuordnen. Mit dem Ausschieben gibt es ein Ergebnis schwarz auf weiss. Und vor allem kriegt jeder eine faire Chance. Denn auch in den Europacup-Teams gibt es starke Anschieber.
Und solche waren dort also schneller …
Ich bin unendlich enttäuscht. Mir haben acht Hundertstelsekunden gefehlt. Das ist gemessen an der kurzen Startdistanz genug. Es waren Anschieber, die ansonsten hinter mir lagen, einfach schneller. Warum, ist schwierig zu sagen. Ich werde dies aber noch mit den Trainern analysieren.
Wie muss man sich so ein Ausschieben vorstellen?
Im deutschen Oberhof gibt es eine Indoor-Anlage auf Eis. Mit einem Bob-ähnlichen Eisengestell wird dort der Start simuliert und dabei mit Gewicht und Distanz für Zweier- und Viererbob variiert. Massgebend ist dann die sogenannte Splitzeit nach rund 40 bis 50 Metern.
Wenige Hundertstel geben den Ausschlag über eine Olympia-Teilnahme. Doch wer entscheidet überhaupt?
Ein Selektionsgremium vom Verband und von den Bobklubs.
Und die Piloten?
Sie haben ein gewisses Mitspracherecht, falls es knapp ist. Das war hier aber nicht der Fall.
Sie kamen schon zuvor nur in drei von sechs Viererbob-Weltcups zum Einsatz …
Das Nominieren war für Friedli nicht immer einfach. Wer aber wo startet, war immer zum Anfang der Woche vor einem Wettkampf klar. Nach dem Trainingslager in China waren alle Anschieber auf ähnlichem Niveau. Er hat einfach ausprobiert, was am besten funktionieren könnte. Ich beispielsweise bin sowohl links wie rechts gestartet.
Im Zweier waren Sie kein Thema?
Da war Andreas Haas schon deutlich schneller als der Rest.
Die offizielle Olympia-Selektion folgt am 16. Januar. Gibts noch einen Strohhalm?
Da müsste schon viel schieflaufen. Mit Verletzungen und mehreren positiven Corona-Tests. Ich bin derzeit einen Platz hinter dem Ersatz klassiert.
Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Es war geplant, dass ich die Teams im Europacup verstärken würde. Aber ich wurde am Freitag positiv getestet und befinde mich seither in Isolation. Ich werde aber sicher weiter trainieren. Nach Olympia finden noch die SM im Viererbob statt. Ein Start ist je nach Form möglich.
Sie bleiben dem Bobsport aber erhalten?
Es folgt erneut eine wichtige Saison. Die Heim-WM in St. Moritz ist ein grosses Ziel. Dafür werde ich weiter trainieren. Ich habe aber nach dem Olympia-Aus bereits schulisch umdisponiert. Mein Teilzeitstudium will ich bis im Sommer 2023 zu Ende bringen. Daneben suche ich eine Praktikumsstelle.
