Eine ehemalige Nummer 1 als Mentor und Ansporn
Rund ein Jahr ist es her, seit Dimitri Steinmann im Final der Sihltal Classic den Schweizer Rekordmeister Nicolas Müller erstmals bezwingen konnte. Es war ein denkwürdiger Sieg des Dübendorfers. Nur schon deshalb, weil Müller über ein Jahrzehnt lang nicht mehr gegen einen Landsmann verloren hatte.
Steinmann ist in der Zwischenzeit weitere Male auf die Weltnummer 27 getroffen – allerdings erfolglos. «Es ist das Grosser-Bruder-Phänomen. Gegen ihn anzutreten, fühlt sich an, wie gegen einen Top-Ten-Spieler anzutreten», sagt der Glattaler, der gerade am Anfang seiner Profikarriere viel Unterstützung vom Schweizer Ausnahme-Squasher erhielt. So unterlag er Müller unlängst im Final vom Czech Open in drei Sätzen wieder. Für Steinmann ist klar:
«Um ihn bezwingen zu können, muss ich mental und physisch auf 100 Prozent sein. Ansonsten wird es schwierig, da er meine Schwächen kennt.»
Neuer Klub, neue Rolle
Ein weiterer Schritt aus dem Schatten Müllers ist auch Steinmanns Abgang beim SC Sihltal, wo er bis anhin im NLA-Team als Nummer 2 hinter ihm spielte – und zweimal Meister wurde (2018/2021).
«Es macht wenig Sinn, wenn die Nummern 1 und 2 in der gleichen Mannschaft sind», begründete er seinen Wechsel zu GC. Bei den eben erst in die NLA zurückgekehrten Stadtzürchern wird Steinmann derweil als «tolles Aushängeschild» und «Herz der Mannschaft» bezeichnet. «GC und Steinmann, das passt perfekt», bekräftigt Teammanager Marco Valpiani.
Steinmanns Entwicklung lässt sich auch im PSA-Weltranking ablesen, wo er auf Platz 44 mittlerweile so gut wie noch nie klassiert ist. Möglich wurde dies nicht nur durch den Finaleinzug von Brünn bei einem Challenger-Turnier mit 20 000 Dollar Preisgeld.
Für einen Akzent sorgte der 24-Jährige auch im Sommer bei der WM in Chicago, als er den Einzug unter die besten 32 Spieler schaffte, ehe er an Miguel Rodriguez (PSA 11) scheiterte. «Es war ein unbeschreibliches Gefühl, vor grossem Publikum auf dem Hauptcourt zu spielen», sagt Steinmann.
Mit den Besten messen
Den Sprung in die Top 30. Das ist die nächste Marke, die er sich zum Ziel gesetzt hat. Um dies zu erreichen, wird der Dübendorfer weiterhin Challenger-Events wie in Tschechien bestreiten. Und ebenso sich immer wieder an den grossen Turnieren mit den Besten der Welt messen.
«Um sich zu präsentieren», wie Steinmann betont. Noch scheitert er dort meistens jeweils in der ersten Runde. Dies soll sich aber in absehbarer Zeit ändern.
Einer, der weiss, wie es geht, ist Grégory Gaultier, der als 38-Jähriger immer noch auf Position 25 im Weltranking geführt ist. Der Franzose hat Steinmann zum Ende des letzten Jahrs unter seine Fittiche genommen. «Er sieht sich in mir als junger Spieler», sagt der Dübendorfer über seinen Mentor.
Es ist für ihn ein grosses Kompliment und ein Ansporn – immerhin war Gaultier einst die Weltnummer 1 und holte sich 2015 den WM-Titel. Steinmann reist deshalb regelmässig für gemeinsame Trainings nach Prag. «Er hat sicher einen Teil zu meinen Fortschritten beigetragen», sagt er.
Das nächste Duell
Und Gaultier kann womöglich auch noch den einen oder anderen Tipp für das nächste Duell gegen Nicolas Müller beitragen, den er auf internationalem Parkett ausnahmslos bezwang.
Steinmann und der 14-fache Serienmeister Müller könnten sich an diesem Sonntag im Final der Schweizer Einzel-Meisterschaften in Kriens erneut gegenüberstehen. Über den Stellenwert des Turniers lässt Steinmann keine Zweifel offen. «Es ist der wichtigste nationale Titel. Und ich konnte ihn noch nie gewinnen», sagt er.
