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So werden die Jungen abgeholt

Bereits im jugendlichen Alter erste Erfahrungen als Leiter machen: Das 1418coach-Programm gibt dafür die Grundlage. Davon profitieren auch die Vereine aus der Region.

In den Sporthallen der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon wurden angehende 1418coaches ausgebildet., Nico Bruderer zeigt wie die Übung korrekt ausgeübt werden soll., Nico Bruderer vom Turnverein Fehraltorf., Mit der nötigen Körperspannung: Nico Bruderer (links)., Nico Bruderer beobachtet genau die Übung., Svenja Beerli vom Turnverein Grüningen., Svenja Beerli coacht an der Reckstange ..., ... und korrigiert wenn es nötig ist., Die einen Jugendlichen beobachten, die anderen zeigen vor.

Foto: Roger Hofstetter

So werden die Jungen abgeholt

Es war einiges los in den Sporthallen der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon. Jugendliche aus Vereinen der Sportarten Turnen, Pferdesport und Fussball hatten sich eingefunden. Sie bestritten allesamt ein 1418coach-Weekend.

Seit 2015 gibt es das vom Sportamt des Kantons Zürich schweizweit aufgebaute Programm (siehe Box). Das Ziel: den interessierten Nachwuchs bereits im Alter von 14 bis 18 Jahren fördern. Denn bekanntlich ist das Finden von Leiterinnen und Leitern sportartenübergreifend in den Klubs ein ständiges Thema.

Was ist meine Rolle? Wie ­stehe ich vor einer Gruppe Kindern? Und: Wie gestalte ich überhaupt ein gutes Training? Solche und weitere Fragen werden in der zweitägigen Ausbildung zum 1418coach thematisiert.

Einer der Teilnehmer in Wetzikon war Nico Bruderer aus dem Turnverein Fehraltorf. «Es hat viel Spass gemacht. Und ich habe neue Kollegen kennengelernt», sagt der 15-Jährige, der bereits seit dem Kindergartenalter turnt. Bruderer wird inskünftig an der Seite von erfahrenen Leitern bei den Kleinsten in der Geräteriege erste Erfahrungen sammeln. «Damit kann ich dem Verein etwas zurückgeben», sagt er.

Für den Ustermer soll der erste Lehrgang sowieso erst ein Anfang sein. Bereits jetzt hat er sich zum Ziel gesetzt, so bald als möglich – also mit 18 – die Weiterbildung zum Jugend+Sport-Leiter (J+S) zu absolvieren.

Götti und Gotte im Einsatz

Er ist in seinem Klub kein Einzelfall. «Wir brauchen neuen Nachwuchs und schauen deshalb, dass wir regelmässig Inter­essierte in die Kurse schicken können», sagt Daniel Blaser, Hauptleiter in der Fehraltorfer Geräteriege und sogenannter Götti von Bruderer. Dieser nimmt für die neu ausgebildeten Jungleiter eine wichtige Rolle ein, indem er sie gezielt an ihre neue und verantwortungsvolle Tätigkeit heranführt.

«So können wir auch leistungsmässig schwächere Mitglieder eher im Verein halten.»

Nicole Mattli, TV Grüningen

Beim TV Grüningen engagiert sich mit Nicole Mattli eine x-fache SM-Medaillengewinnerin im Geräteturnen als Gotte. Für sie hat sich das 1418coach-Programm bewährt. «Damit können wir die Jungen abholen.» Ge­rade in diesem Alter würden einige aufhören, weiss sie. «Und so können wir auch leistungsmässig schwächere Mitglieder eher im Verein halten.» 

Der TV Grüningen schickt jedes Jahr mehrere Jugendliche in die Kurse. «Das ist ein guter Start für sie. Auch von der Dauer her – weil eine solche Ausbildung nicht gleich eine ganze Woche geht», sagt Mattli. Und für sie ist auch klar: Ohne die nachrückenden Jungen könnte der Verein den gesamten Trainingsbetrieb mit rund 70 Kindern gar nicht mehr stemmen.

Svenja Beerli vom TV Grüningen hat ebenso die 1418coach-Ausbildung absolviert. «Das war ein mega cooles Wochenende. Ich konnte ganz viel Neues lernen», sagt sie. Die 14-Jährige hätte sich sogar im praktischen Teil noch etwas mehr Details bei Ringübungen oder Saltoabgängen gewünscht. Helfen kann ihr da aber im Verein womöglich Nicole Mattli, die sie im Trainingsalltag begleitet. Rückmeldungen geben, die Jungen stützen, wenn sie irgendwo scheitern – und sich immer wieder Zeit nehmen. Das sei wichtig, betont die erfahrene ­Geräteturnerin.

Auch finanziell entschädigt 

Und nicht zuletzt wird der Einsatz als 1418coach durch Beiträge aus dem Sportfonds des Kantons Zürich auch noch finanziell entschädigt. «So können die Jugendlichen sogar etwas eigenes Geld verdienen», sagt ­Mattli, obwohl der monetäre Aspekt in den seltensten Fällen der Ansporn für das Engagement sein dürfte.

Beim TV Grüningen trägt das 1418coach-Programm nun schon weitere Früchte. Im nächsten Jahr werden die ersten beiden Absolventen des Vereins die Ausbildung zum J+S-Leiter in Angriff nehmen. Mit gerade mal 18 Jahren.

Von Beginn weg gefragt
Das Sportamt des Kantons Zürich hat 1418coach in Zusammenarbeit mit dem Fussballverband der Region Zürich, dem Zürcher Turnverband und dem Orientierungslaufverband Zürich unter Sportminister Mario Fehr (Sicherheitsdirektion) im Jahr 2015 lanciert. Nach diesem Vorbild haben es immer mehr Kantone übernommen, sodass das Bundesamt für Sport plant, das Programm 2025 national einzuführen. 

Gegen 2300 Jugendliche wurden allein im Kanton Zürich seither zum 1418coach ausgebildet. «Es war von Beginn weg eine grosse Nachfrage da. Wir bilden pro Jahr rund 450 Jugendliche aus. Die Tendenz ist immer noch leicht steigend», sagt Stefanie Vögeli, Programmleiterin 1418coach beim Sportamt des Kantons Zürich. Allein 20 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen die Ausbildung in der Sportart Fussball. Daneben ist in sämt­lichen Bereichen des Turnens die Nachfrage gross. Im Pferdesport wird dagegen beispielsweise nur an einem Wochenende im Jahr in einer kleinen Gruppe unterrichtet. «Es gibt Sportarten wie Turnen oder Eislauf, bei denen traditionell mit jungen Leitenden gearbeitet wird. Das war schon lange vor diesem Projekt so», sagt Vögeli. Das Programm sei deshalb von Beginn weg gut gelaufen. Etwas mehr Anlaufzeit brauchte es beim Fussball, da es in den meisten Vereinen neu war, mit jungen Leitenden zu arbeiten. Daneben gibt es Sportarten wie beispielsweise Segeln, die sich für Junge nicht eignen. Nur schon deshalb, weil man die Segelboote mit einem Motorboot begleiten muss und für die Prüfung mindestens 16  Jahre alt sein muss. (zo)

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