Auf der ständigen Jagd nach neuen Rekorden
Wer Maria Ugolkova an ihrem Wohnort in Uster sehen will, muss gut planen. Nur äusserst sporadisch und tageweise macht sie in der Region halt. Die 32-Jährige reist dafür derzeit quer durch die Welt von Wettkampf zu Wettkampf – und streut sogar noch ein Trainingslager ein. Für dieses ist die Ausnahmeschwimmerin des SC Uster Wallisellen (SCUW) eben erst ins südtürkische Belek gereist, wobei auch die Erholung dort nicht zu kurz kommen soll, wie sie betont.
Tatsächlich kann Ugolkova wieder etwas durchatmen und ihren Energiespeicher auffüllen – für die nächste Weltcup-Station, die vom 21. bis 23. Oktober in der katarischen Hauptstadt Doha auf dem Programm steht.
Vier Rekorde in zwei Wochen
Hinter ihr liegen aufregende Wochen, in denen sie mehrfach Schweizer Bestmarken setzte und gleichzeitig internationale Spitzenresultate erreichte. Der jüngste Sieg über 200 m Lagen in Budapest war ihr bereits vierter innert kurzer Frist auf Stufe Weltcup. Und trotzdem fällt es ihr nicht einfach, die Erfolge einzuordnen. «Sie waren alle super für mich», sagt die Lagenspezialistin und streicht dann doch ihre Resultate über die Delfin-Distanzen heraus. «Ich hätte nicht erwartet, über 100 m eine Zeit unter 57 Sekunden zu schwimmen.» 56,81 Sekunden benötigte sie exakt – dabei trennten sie nur vier Hundertstel von Siegerin Linnea Mack (USA).
In einer blendenden Verfassung befindet sich also Ugolkova. Beweis genug dafür sind die vier Schweizer Rekorde, die sie in den letzten zwei Wochen erzielte. Sie hält damit allein sieben nationale Bestzeiten auf der Kurzbahn.
All diese Rekorde kommen selbst für SCUW-Präsident Philippe Walter etwas überraschend. «Ein Schwimmer ist nur zweimal im Jahr vor den grossen Meisterschaften in Form», sagt er. Der eigentliche Saisonhöhepunkt – die Olympischen Spiele von Tokio – liegt nun aber schon einige Zeit zurück. Im Fall von Ugolkova war aufgrund ihres Alters danach auch der mögliche Rücktritt im Raum gestanden.
Im Training dosieren
Stattdessen richtete sich die gebürtige Russin mit ihrem Trainer Pablo Kutscher vorderhand nochmals neu aus, um den ganzen September erneut mit ihrem ungarischen Team Iron in der finanziell lukrativen International Swimming League (ISL) zu bestreiten. Mit Erfolg: Ugolkova gelangen mehrere Podestplätze. Sie war damit in Neapel eine wichtige Punktesammlerin beim Einzug in die Playoffs. Diese finden genau im Zeitraum zwischen der EM in Kasan (2. bis 7. November) und der WM in Abu Dhabi (16. bis 21. Dezember) statt.
Für Ugolkova dürfte es also ein intensiver Spätherbst werden. Laut SCUW-Präsident Walter ist die nötige Dosierung im Training der Schlüssel. Er spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem Experiment. «Eine Form über mehrere Monate zu halten, das ist nur mit einer erfahrenen Athletin wie Maria möglich», sagt er.
Wie es übers Kalenderjahr hinaus weitergeht, lässt die zweifache EM-Medaillengewinnerin offen – selbst wenn auf ihrer Website im Kalender bereits die WM in Fukuoka (JAP) vom Mai 2022 terminiert ist. Sie sagt: «Ich schwimme, solange ich Spass habe.»
