Ustermer Handballer wollen in neuer Umgebung Freude bereiten
Er will nicht hadern. Sondern ist einfach nur froh, dass wieder gespielt werden kann. «Es geht allen gleich. Wir brauchen Bewegung, den Sport», sagt Trainer Walter Flessati. Die Erstliga-Handballer des TV Uster hatten im letzten Herbst einen nahezu perfekten Start in der Gruppe 2 hingelegt und führten die Tabelle nach sechs Partien an, ehe die Meisterschaft Corona-bedingt gestoppt wurde – und es später zum Abbruch der Saison kam.
«Wir waren gut im Flow», meint Flessati, will die Resultate aber auch nicht überbewerten. «Das war ein vernünftiger Start – mehr nicht.»
Und doch: Der TVU scheint wieder gefestigter als zuletzt. Gerade die Saison 2018/2019 verlief enttäuschend, als der damals noch als Präsident amtende Flessati vor der Abstiegsrunde zuerst ad interim und später fest das Traineramt übernahm. Eine Rolle, die er schon einmal während vier Jahren bis 2013 innegehabt hatte. Und mit einem verjüngten Team stabilisierten sich die Ustermer zunehmend, sodass Flessati mittlerweile sagt: «Wir wollen vorne mitspielen.»
Er tut dies mit dem Wissen, dass die Qualifikation für die Finalrunde ein schwieriges Unterfangen wird. Vor allem, da seit zwei Jahren nur noch die beiden Gruppenbesten, statt wie zuvor die Hälfte aller acht Teams, den Einzug schaffen. Von einem sportlichen Höhenflug wie im Frühling 2017 zu träumen, als die Ustermer erst in den Aufstiegsspielen zur NLB an Biel scheiterten, wäre also vermessen.
«Die Vorbereitung war personell unberechenbar. Doch damit muss man auf Stufe 1. Liga umgehen können.»
Walter Flessati, Trainer TV Uster
«Schnellen technischen Handball spielen. Und den Zuschauern Freude bereiten.» Das ist der Wunsch von Flessati. Die Voraussetzungen dafür sind vielversprechend. Auch wenn die Vorbereitung der «Red Dragons», wie sich die Ustermer seit geraumer Zeit nennen, von Auf und Ab geprägt war. So schlugen sie sich bei einem NLB-/Erstliga-Vorbereitungsturnier im Wallis achtbar – zeigten aber in den Testspielen auch die unterschiedlichsten Gesichter. «Die Vorbereitung war personell unberechenbar. Doch damit muss man auf Stufe 1. Liga umgehen können», betont Flessati.
Bewährt hat sich ausserdem beim TVU, dass Spieler Gianluca Schaub, ein ausgebildeter Sportlehrer, mittlerweile das gesamte Athletik-Training leitet. «Er ist mein verlängerter Arm – auch im technisch-taktischen Bereich», sagt Flessati.
Vereinte Brüder
Zuversichtlich stimmt zudem, dass nicht nur das Gros des bisherigen Ustermer Kaders zusammengeblieben ist – sondern das Team auch an Routine und Qualität dazugewonnen hat. Da ist beispielsweise Peter Balsigers jüngerer Bruder Adrian. Der Rückraumspieler kam vom Erstligisten Herzogenbuchsee. Oder die reaktivierten Brüder Sandro und Roman Grimm, die Flessati als «Vorbilder, die der Mannschaft guttun», bezeichnet. Eine willkommene Ergänzung auf der Kreisposition ist ausserdem Nils Galys (Flessati: «Ein Bär von einem Mann»), der zuletzt für die SG OSF Berlin in der deutschen Oberliga spielte.
Derweil bedauert Trainer Flessati den Abgang von Talent Marius Rohde, der einen Vertrag beim B-Ligisten Stäfa unterschrieb. Vor allem, da Rohde bei Stäfa primär in der ebenfalls in der 1. Liga spielenden U23 zum Einsatz kommen dürfte. Den Verein verlassen hat Oliver Widmer, der nach nur einem Jahr zu seinem Stammverein Unterstrass zurückgekehrt ist. «Wir sind nicht schlechter als letztes Jahr», schätzt Flessati. Wie weit dies in der Tabelle reichen wird, lässt er offen.
Kein Kaffeesatzlesen
Ein Grund dafür ist auch der Wechsel in die Gruppe 1 – mit ausschliesslich neuen Gegnern aus der Ostschweiz. «Es wird gemunkelt, dass sie etwas stärker sein sollen», sagt Flessati. Eine Einschätzung will er aber nicht machen. «Frauenfeld wird sicher vorne mitspielen. Der Rest ist Kaffeesatzlesen.»
Den ersten Anhaltspunkt erhalten die Ustermer nun am Samstag zum Auftakt bei der neu geschaffenen Spielgemeinschaft Seen Tigers/Pfadi.
