Das grosse Ganze steht wieder im Zentrum
Es gibt nicht viele Sportanlagen in der Region mit der Ausstrahlung des Volketswiler Griesparks. Fast ein wenig mondän wirkt er – die vier Rasenfelder machen einen gepflegten Eindruck. Und auch das Klubhaus lässt sich sehen. Die Infrastruktur hat also ein gehobenes Niveau.
Der FCV selbst konnte da selten bis nie sportlich mithalten. Insgesamt 24 (!) Jahre spielte er nicht mehr auf Stufe 2. Liga, bis ihm im Juni die langersehnte Rückkehr gelang. Nach unzähligen Anläufen und Abstürzen sogar bis in die 4. Liga. Es war so quasi eine Punktlandung – aufs 50-Jahr-Jubiläum des Vereins.
Unstimmigkeiten vor dem Aufstieg
Und doch herrschte eine eher seltsame Stimmung rund um diesen besonderen Erfolg. Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen einem Teil des Teams und der neu gewählten Klubführung um Präsident James Frei. Diese hatte erst spät – und auf Druck der Beteiligten – die Trennung von Trainer Alexander Schilling zum Ende der Meisterschaft öffentlich gemacht. Von «unterschiedlichen Vorstellungen» und dem Wunsch nach frischem Wind war hierbei die Rede.
«Im Grundsatz würden wir uns wieder für das gleiche Vorgehen entscheiden, inklusive des Trainerwechsels.»
Präsident James Frei
Mit etwas Distanz sagt Frei jetzt: «Im Grundsatz würden wir uns wieder für das gleiche Vorgehen entscheiden, inklusive des Trainerwechsels. Einzig die Kommunikation gegenüber der 1. Mannschaft würde früher und gezielter stattfinden, damit erst gar keine Nebengeräusche zum Team durchdringen könnten.»
Ein unerfahrenes Trainergespann
Mehrere Schlüsselspieler des Aufstiegsteams haben nun wie erwartet den Verein verlassen. Frei nimmt es gelassen und sagt: «Wir haben eine super Stimmung und guten Zusammenhalt.» Er baut auf ein junges und noch recht unerfahrenes Trainergespann.
Der neue Hauptverantwortliche Sebastian Marda (30) sammelte beim FC Unterstrass erste Erfahrungen als Trainer (2. Mannschaft, Junioren) und assistierte Luigi De Donno in der Saison 2018/2019 beim damaligen Interregio-Klub FC Dübendorf.
Der sogar erst 28-jährige Assistent Kevin Hediger dürfte derweil auch auf dem Platz noch zum Einsatz kommen. Letzterer hat, wie der Grossteil der Neuverpflichtungen (siehe Kasten), ebenso eine Dübendorfer Vergangenheit als Spieler. Und doch relativiert Frei die Transferoffensive beim benachbarten Ligarivalen. «Es ging nicht darum, explizit in Dübendorf Spieler abzuwerben.»
Der Präsident sieht ohnehin vielmehr das grosse Ganze und wünscht sich, dass die 1. Mannschaft wieder eine Vorbildrolle einnimmt. Gerade für die Jungen soll sie ein Ansporn sein. «Um einmal Teil dieses Teams zu werden», wie Frei betont. Dass der neue «Dübendorfer Kern» hierbei nach dem personellen Aderlass eine tragende Rolle einnehmen wird, steht dabei ausser Frage.
Sponsoren dazugewonnen
Überhaupt hatten laut Frei die Eruptionen rund um die 1. Mannschaft keinen negativen Effekt. Sponsoren seien keine weggebrochen. «Es sind sogar einige dazugekommen», sagt er.
Offen lässt der neue Präsident jedoch die Rolle des seit 2015 bestehenden und von seinem Vorgänger Markus Denzler mitgegründeten Businessclubs Gries. Dieser hatte seither und bis zum Ende der letzten Saison den FCV materiell und finanziell unterstützt. «Die zukünftige Zusammenarbeit wurde noch nicht besprochen», sagt Frei.
Etablierung wichtig, aber nicht überlebensnotwendig
Und es bleibt noch die Frage nach der Substanz in der neu formierten 1. Volketswiler Mannschaft. Reicht diese wirklich, um bestehen zu können? James Frei gibt sich zuversichtlich. «Auf Zweitliga-Niveau entscheidet nicht nur die fussballerische Qualität, sondern auch der Einsatz in jedem Training und Match für das Team.»
So oder so. Auffällig ist, wie schnell sich die Werte in Volketswil verändert haben. Noch vor dem ersten Auftritt in der 2. Liga seit 1996 bezeichnet Frei die Etablierung zwar als wichtig, aber nicht als überlebensnotwendig. «Oberstes Ziel bleiben die Zusammenarbeit unter den Teams und eine transparente Kommunikation», bekräftigt er. Damit scheint klar: Für die Strahlkraft über Volketswil hinaus dürfte weiterhin der schmucke Griespark sorgen – und weniger der FCV.
Vor einer Mammutaufgabe
Der neue Volketswiler Trainer Sebastian Marda ist Realist. «Es wird eine Mammutaufgabe, um mithalten zu können», sagt er vor dem Saisonstart gegen Phönix Seen. Die durchzogenen Resultate in den Testspielen gegen die Drittligisten Pfäffikon (1:4), Stäfa (0:2) und Unterstrass 2 (0:0) bestätigen seine Worte.
Der Kern der Aufsteigerteams hat den Verein mit dem Trainerwechsel verlassen. Verstärkung kam derweil fast ausschliesslich vom FC Dübendorf, bei dem Marda und sein Assistent Kevin Hediger schon gemeinsam tätig waren. «Daneben war es schwierig, Spieler zu gewinnen», hält Marda fest. Trotzdem hofft er, so viele Punkte wie möglich in der Hinrunde zu holen, um dann in der Winterpause personell nochmals nachlegen zu können. «Da bleibt mehr Zeit.»
Das ist vorderhand noch Zukunftsmusik. Mardas Priorität ist zunächst, ein Gefüge zu bilden, das defensiv solide auftritt. «Wir möchten nicht den Bus vor unserem Gehäuse parkieren, aber auch nicht ins offene Messer laufen», sagt der frühere Goalie zur generellen Ausrichtung. Zuversicht gibt ihm hierbei ein Team, dass von der ersten Trainingswoche an mit viel Eifer am Werk ist. «Es ticken alle gleich. Wichtig wird sein, dass es den Mut auch nicht nach Rückschlägen verliert.»
Welche Gegner in der Zweitliga-Gruppe 2 um den Aufstieg mitspielen und wer ums Überleben kämpft – darüber will sich Marda nicht aufhalten. «Ich freue mich ganz einfach auf viele Derbys – mit ganz vielen Emotionen und Kämpfen», sagt er. (dsc)
