Ein Schaufenster der besonderen Art
Die Vorfreude ist gross. «Ich bin eine der jüngsten Fahrerinnen im Feld und froh, teilnehmen zu dürfen», sagt Annika Liehner. Gerade mal 18 Jahre jung ist sie. Und das Schaufenster für die Ottikerin ist die Tour de Suisse Women vom Wochenende.
Zum ersten Mal überhaupt findet sie statt – und führt am Wochenende über zwei Etappen. 45 Equipen aus der ganzen Welt haben sich für die zweitägige Tour beworben. 17 Teams erhielten schliesslich eine Zusage, vier davon gehören der höchsten Kategorie an.
Liehner bezeichnet ihre Teilnahme «als grosse Chance». Sie zählt zum BeCycling-Regionalteam, das im Kern aus Schweizer U23-Kader-Athletinnen besteht. Das Gros davon bewegt sich im Rennalltag auf dem Bike.
So auch Liehner, die erst vor Wochenfrist an den SM im Cross Country in der U23 den 6. Platz belegte. Als eigentliche Strassenfahrerinnen gelten einzig Andrea Waldis und die Eggerin Lara Krähemann . Letztere bestritt 2020 im russischen Team von Cogeas-Mettler ihre erste Saison.
«Es war coronabedingt ein schwieriger Einstieg», sagt die 21-Jährige. Freuen konnte sie sich am Ende aber über SM-Bronze – als sie sich im Sprint einer Verfolgergruppe durchsetzen konnte.
Und trotzdem: In einem Team fand sie für dieses Jahr keinen Unterschlupf. «Mannschaften wurden aufgrund fehlender Sponsoren zugemacht, oder zumindest verkleinert», sagt sie. Und so fährt Krähemann derzeit «auf eigene Kappe» – unterstützt von ihrer Familie. Als einziges Rennen konnte sie bisher den GP Osterhas bestreiten (12. Platz).
Die Premiere der Tour de Suisse Women, die ausschliesslich in der Umgebung von Frauenfeld stattfindet, wird als Rennen der dritthöchsten Stufe des Weltverbands eingeordnet.
Besonders angetan sind die Oberländerinnen vom ersten coupierten Teilstück über 114 Kilometer und 1350 Höhenmeter. «Da wird einiges passieren», ist Krähemann überzeugt. Die zweite Etappe (97 km) ist – nur schon wegen der vielen Kurven – eher auf die Sprinterinnen zugeschnitten.
Auch Hanselmann im Feld
Den Ton im Feld angeben dürften die grossen Teams von Trek-Segafredo (USA) und Caynon Sram (GER).
Und eine gute Visitenkarte ablegen will die für die spanische Women Cycling Sport-Equipe startende Nicole Hanselmann. Frauenfeld liege in ihrem Trainingsgebiet, sagte die Fehraltorferin unlängst. Einiges zuzutrauen ist zudem dem Swiss-Cycling-Team, dem beispielsweise die Spitzenbikerin Jolanda Neff angehört.
Nicht allzu hoch sind die Erwartungen an die Nachwuchsfahrerinnen des zusammengewürfelten BeCycling-Regionalteams. In erster Linie würde es darum gehen, Erfahrungen zu sammeln, betonte Nationaltrainer Edi Telser.
Dazu passen auch die Erwartungen von Liehner. «Ich will mein Team so gut wie möglich unterstützen», sagt sie. Für Krähemann geht es derweil auch darum, die rare Gelegenheit zu nutzen, «um sich zu zeigen».
