Der Frust in Michael Reimanns Stimme war hörbar, als der Sportchef des UHC Uster vor einigen Wochen über die Abgänge von mehreren Teamstützen sprach. «Dass es gleich so viele sind, hatte ich nicht erwartet», sagte er und antwortete auf die Frage, bis wann er die Kaderplanung abschliessen wolle: «Es wird etwas länger dauern als auch schon.»
Reimann ist nicht der einzige Sportchef, der mit vielen Rücktritten konfrontiert ist. Sein UHC Uster vermeldete bisher acht Abgänge, vier davon als Rücktritte. Auch andere Teams in der Unihockey-NLA sind mit einem ähnlichen Aderlass konfrontiert. Und vergleichbar ist die Situation auch bei Eishockey-Erstligist EHC Wetzikon. Im April vermeldete der Klub zehn Abgänge, sechs davon traten zurück. Ist diese Häufung ein Zufall – oder hängt das mit der Pandemie zusammen?
Der Sport ist später dran
Wer auf diese Frage eine Antwort möchte, wird auf der Suche nach harten Fakten enttäuscht. Zwar machte Swiss Olympic schon im letzten Jahr eine Umfrage unter 65 Verbänden und 3500 Vereinen, die tatsächlich ergab, dass sich die Pandemie auf die Mitgliederzahlen auswirkt. Dabei wurde jedoch nicht zwischen Mannschafts- und Einzelsportarten differenziert – entsprechend allgemeiner Natur bleiben die Aussagen: Covid-19 hatte 2020 auf die Finanzen und die Mitgliederzahlen der Vereine Auswirkungen – sie hielten sich aber im Rahmen.
«Die Pandemie hat Entwicklungen wie den Trend zur Individualisierung beschleunigt.»
Alexander Wäfler, Swiss Olympic

