Das Rennen um die Paralympics-Plätze geht los
Für Felix Frohofer war es das erste internationale Rennen nach über einem Jahr. «Ich konnte bereits gut meinen Rhythmus fahren», sagt der Handbiker aus Russikon nach dem Härtetest. Zwar gelang es ihm dabei noch nicht, das Tempo konstant zwischen 40 und 50 Kilometer pro Stunde über die ganze Strecke im belgischen Brügge zu halten, Sorgen macht er sich deshalb aber nicht.
«Ich werde erfahrungsgemäss im Verlauf der Saison immer stärker», blickt der in der H4-Klasse startende Frohofer voraus. Zuversicht gibt ihm zudem der jüngste Leistungstest in Nottwil. «Es war der mit Abstand beste seit drei Jahren.»
Der 26-Jährige bezeichnet 2020 trotz einem dritten Rang an der Strassen-SM als eine Saison zum Vergessen. Nur vier nationale Wettkämpfe konnte er bestreiten. Wie sich herausstellte, befand Frohofer sich konstant im Übertraining.
Die Folge davon: eine mentale Verkrampfung. Immerhin löste sich diese mit der Gewissheit aber wieder. Er liess das Training deshalb zunächst gemütlich angehen. «Auch, um den Kopf zu lüften», wie er betont. «Nach einigen schlechten Resultaten musste ich wieder hungrig aufs Biken werden.»
Derzeit drei Quotenplätze
Und dieser Appetit dürfte gerade mit Blick auf die Paralympics von Ende August gross sein. Während beim C1-Rennen vom letzten Sonntag in der Hauptstadt Westflanderns noch ein überschaubares Feld an Athleten für eine erste Bestandesaufnahme am Start war, gilt es am Wochenende beim Weltcup-Auftakt im belgischen Ostende endgültig Ernst. Ins Geschehen greift dann auch Benjamin Früh (Kategorie H1) ein. Der 29-Jährige aus dem Grüt will sich ebenso mit einem guten Resultat für Tokio empfehlen.
Die Schweiz verfügt derzeit bei den Männern für die Bahn- und Strassenrennen über drei Quotenplätze (1 fix, 2 provisorisch). Das ganze Qualifikationsprozedere bleibt aber Corona-bedingt durch das reduzierte Rennprogramm kompliziert. Der zweite Weltcup von Mitte Mai in Marostica (ITA) wurde bereits abgesagt, sodass hinterher einzig die im Juni direkt aufeinanderfolgenden Europa- und Weltmeisterschaften sowie die nationalen Titelkämpfe noch im Kalender stehen. Die Selektion von Swiss Paralympic erfolgt Ende Juli.
Früh mit guter Ausgangslage
Trotz der Ungewissheit hat sich Früh eine gute Ausgangslage erarbeitet. Als bestes Resultat zählt ein Weltcup-Sieg in einem Strassenrennen für ihn als A-Limite. «Wenn ich diesen Wert bestätigen könnte, dann sähe es sehr gut aus.» Überhaupt fühlt sich der Oberländer gut vorbereitet. Auch weil er sich schon im November 2019 bei einem Rekognoszierungsbesuch in Japan mental auf die ungewohnte Umgebung einstimmen konnte.
«So macht das eher monotone Rollentraining viel mehr Spass.»
Benjamin Früh
In der Vorbereitung zu dieser Saison waren für ihn die Einheiten auf einem sogenannten Smart Trainer eine willkommene Abwechslung. «Damit kann sogar ein Strassenfeeling simuliert werden, wie es sich anfühlt auf Eis, Schotter oder sogar Kopfsteinpflaster. So macht das eher monotone Rollentraining viel mehr Spass», sagt er.
Frühs Kollege Frohofer verschob derweil wegen der möglichen Teilnahme an den Paralympischen Spielen sogar die Hochzeit vom April in den September. «Das war unausweichlich, da sie nicht nach unseren Wünschen hätte stattfinden können», sagt er.
Rahmani auf der «Glücksbahn»
Im Rampenlicht stand Abassia Rahmani zuletzt im September 2020 an den Swiss Diversity Awards. Die Wilemer Sprinterin wurde in der Kategorie Sport ausgezeichnet. Auf der Bahn konnte sich die Goldmedaillengewinnerin der Para-Leichtathletik-EM 2018 über 200 m zuletzt nur noch selten auszeichnen. Wenige nationale Rennen standen im letzten Jahr auf ihrem Programm. Aufgrund von Kniebeschwerden kam der 28-Jährigen die Verschiebung der Paralympischen Spiele entgegen. «Ich sehe es als Chance und bin mega-motiviert.» Sie bereitete sich mit Trainingslagern in Belek (TÜR) und Tenero vor. Ihren ersten Wettkampf dürfte sie Mitte Mai in Langenthal bestreiten. «Das ist meine Glücksbahn.» In 13,47 Sekunden lief sie dort ihre schnellste Zeit über 100 m. Als erster Saisonhöhepunkt wartet Anfang Juni die EM im polnischen Bydgoszcz. Ihr Ziel: die bereits einmal gelaufene A-Limite von 13,5 Sekunden erneut zu un- terbieten. Rahmani muss sich mit Blick auf die Paralympics auf die 100 m konzentrieren, da ihre bisherige Spezialdisziplin 200 m nicht mehr im Programm ist. Vor fünf Jahren lief sie an den Paralympics in Rio über diese Distanz auf Platz 4. Ein solches Resultat dürfte für sie über die 100 m aufgrund ihres Handicaps beim Start schwieriger zu erreichen sein. An der WM in Dubai 2019 verpasste die beidseitig unterschenkelamputierte Sprinterin den Final und wurde Elfte. Grund genug, sich optimal auf EM und Paralympics vorzubereiten. Seit dem Erlangen der Berufsmaturität konzentriert sich Rahmani voll auf den Sport. Erst ab September beginnt sie mit einem Sportmanagement-Studium in Teilzeit.
