Die Frauen hätten am letzten Wochenende um EM-Medaillen gekämpft, die Männer würden dies Ende Monat tun. «Eigentlich wären wir voll im Wettkampfmodus», sagt Moreno Kratter. Doch für den Rütner Nationalkader-Athlet gilt wie für alle andern: Wettkämpfe gibt es vorerst keine. Immerhin hat die Zeit im Heimtraining wohl demnächst ein Ende – die Spitzensportler dürften bald nach dem 11. Mai wieder in Magglingen an ihrer Form und an der Technik feilen – und endlich auch wieder an ihren Geräten turnen.
Eigentlich war der ursprüngliche Plan gewesen, dass der Betrieb im nationalen Leistungszentrum in Magglingen weitergeht – nach ganz strengen Vorgaben hätten die Athleten abgeschottet von der Aussenwelt weitertrainieren sollen. «Das war dann aber eine relativ kurze Geschichte», sagt die Bertschikerin Stefanie Siegenthaler. Ende März wurde auch der Betrieb in Magglingen eingestellt. Seither sind auch Kratter und Siegenthaler daheim.
Quälen statt turnen
«Ich habe viel Neues probiert», sagt Siegenthaler. Der Trainingsplan von Coach Fabien Martin sei schnell erledigt gewesen – «für mich reichte das nicht.» Die Bertschikerin organisierte sich deshalb über den TV Hinwil einige Accessoires, baute das Wohnzimmer kurzerhand in einen Kraftraum um und absolvierte ein «etwas anderes Allroundtraining». Geschlaucht habe das ebenso wie Jogging und Velofahren – «solche Sachen gehen für mich unter quälen», sagt Siegenthaler lachend. «Mit Kunstturnen hat dies nicht viel zu tun.»
Bei Kratter klingt das nicht gross anders. Zwar hat er einen Spielplatz in unmittelbarer Nähe, auf dem ein Barren und ein «Gerüst, das man als Reck brauchen kann» stehen – aber seriöses Techniktraining ist da natürlich nicht möglich. «Das Technische verlernt man in dieser Zeit wohl ein bisschen.» Ihm ist es deshalb wichtig, den Formstand so gut es geht zu behalten. «Ich möchte nicht fünf Kilo schwerer sein, wenn es wieder losgeht. Und ich will die Beweglichkeit nicht verlieren, sonst wird der Wiederaufbau sehr schmerzhaft».

