Der Zeitplan ist straff an diesem Mittwochnachmittag. Erst Krafttraining in Zürich, dann ein Interviewtermin, danach Eistraining in Baden. Vor wenigen Tagen erst ist Esther Neuenschwander von der Curling-WM in Dänemark heimgekehrt. Schon am Sonntag reist die Gockhauserin mit dem Aarauer Team nach Kanada. Die Versuchung, auch mal ein Training auszulassen, um Zeit für sich selber zu haben, kennt sie nicht. Keine Lust zu haben, ist keine Option. «Es steht in meiner Agenda, also mache ich es auch», sagt sie.
«Nicht umfallen, nicht den Stein berühren!»
Esther Neuenschwander über ihre Gedanken bei der WM-Entscheidung
Als sie sich nach dem Gespräch in ihren Kleinwagen setzt und davonfährt, biegt hinter ihr ein Ferrari auf die Strasse. Und obschon sie 1,77 Meter gross ist, passt der Kleinwagen besser zu ihr als ein Sportwagen. Denn als Curlerin lebt man nicht in Saus und Braus, auch als Weltmeisterin nicht.
Weltmeisterin, das ist die 35-jährige Gockhauserin seit knapp zwei Wochen. Ruhig und routiniert begleitete sie als Wischerin den entscheidenden letzten Stein von Alina Pätz im Final – scheinbar ruhig. «Nicht umfallen, nicht den Stein berühren!», dachte sie. «Ich war nervös. Doch ich durfte die Nervosität nicht auf Alina übertragen.» Und als ihre Teamkolleginnen schon jubelten, bevor der Stein stand, wischte sie weiter. «Ich fokussierte mich nur auf meinen Job, es war nicht relevant, was nachher ist.»

