Eigentlich hätte man meinen müssen, dass sich Robine Schürmann nach dieser Saison sagt: «Jetzt erst recht.» Um über eine Sekunde verbesserte sie ihre persönliche Bestleistung über 400 m Hürden im Mai, an der EM in Berlin verpasste sie die Finalqualifikation nur knapp – und dies nach zwei auch aus Verletzungsgründen schwierigen Jahren. Heuer sprach Schürmann mehrfach über das Gefühl, dass noch mehr drin liege, dass sie nicht am Maximum sei. Herausfinden, ob dieses Gefühl stimmte, wird sie nicht. Gestern gab Schürmann ihren Rücktritt vom Spitzensport bekannt. «Es ist Zeit, um Neues in Angriff zu nehmen», heisst es auf ihrer Facebook-Seite.
So unerwartet der Rücktritt für Aussenstehende scheint; so überlegt war er von Schürmann selber. «Ich hatte mir bereits im letzten Winter Gedanken gemacht», sagt die 29-Jährige. Von Beginn weg aber sagte sie sich, dass sie den Entscheid erst nach Saisonende treffen möchte. «Ich hatte eine Ahnung, dass es die letzte Saison sein würde.»
Es sind logische Fragen, die sich Schürmann nach fast 20 Jahren Leichtathletik stellte: Bin ich motiviert, mich weiterhin im Training zu quälen? Lohnt sich der Aufwand, um vielleicht noch eine Sekunde schneller zu werden? «Ich merkte: Allein die Tatsache, dass ich mir diese Fragen stellte, zeigt, dass etwas nicht gut ist.» Deshalb stimmt für sie der Zeitpunkt, einen Schlusstrich zu ziehen.
Die Alternative wäre gewesen, mindestens zwei Jahre, bis zu den Olympischen Spielen in Tokio, weiterzumachen. Olympia hätte sie zwar gereizt, «aber nicht, um einfach nur dabei zu sein.» Womit wir wieder beim Aufwand wären. «Es ist auf diesem Niveau nur schon schwierig, konstant schnell zu laufen.»
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