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Der schnelle Aufstieg des Spätzünders

Erst mit 18 Jahren hat Benjamin Hirsch mit Rudern angefangen. Sein Aufstieg verlief steil. Der 23-Jährige Pfäffiker denkt bereits an Olympia 2020 – auch wenn sein Debüt im Elitekader schmerzhaft begann.

Der schnelle Aufstieg des Spätzünders

Die erste Elite-Saison begann für Benjamin Hirsch schmerzhaft. Kurz vor dem Weltcup-Auftakt in Belgrad zog er sich einen Ermüdungsbruch an der Rippe zu. Die Konsequenz: Aus dem Weltcup-Start wurde nichts, auch auf die zweite Station in Linz dieses Wochenende muss der Pfäffiker verzichten. In einem Monat dürfte es dann aber zumindest mit einem Start am Heimweltcup auf dem Rotsee klappen – das zumindest prognostizierte ihm der Arzt. «Das wäre wichtig», sagt Hirsch.

Der verspätete Start passt zum Werdegang von Hirsch. Erst mit 18 Jahren meldete er sich beim Ruderclub Uster für einen Kurs an.  Eigentlich wollte er anfänglich nur rudern, um seinen Rücken zu stärken. Ein Arzt hatte ihm dies empfohlen – nicht weil er Probleme hatte, sondern eher als präventive Massnahme. «Ich habe ohne spezielles Ziel begonnen», sagt Hirsch. Doch das änderte sich rasch. Der Gedanke, ins Kader zu kommen, hat sich innerhalb des ersten Jahres ergeben. «Wir hatten in Uster eine gute Gruppendynamik und hatten alle das Ziel, möglichst schnell besser zu werden.»

Training ist Alltag geworden

Zwar verlief der Aufstieg von Hirsch ziemlich steil, dennoch verpasste er einige Dinge auf Juniorenstufe. Er glaubt aber nicht, dass er deshalb einen Nachteil hat. «Andere kannten vielleicht die Strukturen schon früher und hatten länger Zeit, technische Dinge zu lernen. Doch vielleicht lernt man mit 18 einfach auch etwas schneller.»  Dazu kommt, dass Hirsch als sehr trainingsfleissig gilt. Was womöglich auch mit seinem Einstieg zusammenhängt. «Ich bin immer gerne an Dingen drangeblieben. Das intensive Training habe ich aber erst mit dem Rudern entdeckt. Unser Trainer in Uster weckte die Motivation dafür».

Nun ist Training für den Pfäffiker Alltag. Fünf Tage in der Woche wohnt und trainiert er im nationalen Ruderzentrum in Sarnen. Für sein Studium bleibt lediglich noch das Wochenende. Hirsch macht den Master in Gesundheitswissenschaften und Technologie, im Olympia-Jahr will er sein Studium allerdings aussetzen und den Fokus ganz auf den Sport legen. «Meine Prioritäten haben sich verschoben», sagt er, «das ist eine Umstellung – aber für mich ist es auch ein Privileg.»

Das Riemen-Projekt

In welchem Boot er die Qualifikation für Tokio 2020 in Angriff nehmen wird ist noch offen. Laut Christian Stofer, dem Geschäftsführer des nationalen Verbandes Swissrowing, hat der Verband ein Riemenboot-Projekt ins Leben gerufen und will auf einen Vierer ohne oder Zweier ohne setzen. «Wir haben eine relativ gut besetzte Liste mit starken Athleten dafür», sagt Stofer, «doch leider fallen derzeit viele krank oder verletzt aus.» Auch Hirsch ist einer davon.

Stofer sagt: «Benjamin wird seine Chance wieder erhalten, wir bestrafen ihn sicher nicht dafür, dass er sich verletzt hat und setzen ihn während der Genesung auch nicht unter Druck». Für den ersten Weltcup in Belgrad war Hirsch mit Markus Kessler im Zweier ohne gemeldet gewesen. Nun wäre vorgesehen, dass der Pfäffiker zusammen mit Olympiasieger Mario Gyr, Kessler sowie Fabian Thali im Vierer ohne antritt. Stofer sagt: «Am Ende ist entscheidend, welche Kombination als Team am Besten funktioniert.»

Unter Routiniers

Wie auch immer die Konstellation letztlich sein wird, etwas bleibt gleich: Hirsch ist in eine Gruppe von Athleten aufgerückt, die sich international behaupten sollen. «Es ist schon etwas anderes, wenn man mit Leuten rudert, die Olympia-Erfahrung haben. Man ist mehr gefordert, kann aber auch stark von ihnen profitieren», sagt der 23-Jährige. Im U-23-Alter stellte er sich diesem Vergleich erstmals, zwei Teilnahmen an U-23-Weltmeisterschaften hat er hinter sich, wobei er letztes Jahr mit dem Vierer ohne Steuermann in den Final vorstiess und Sechster wurde.

Ideale Voraussetzungen

Für Stofer ist Hirsch «eine Sphinx», weil er zurückhaltend wirke, aber einen sehr grossen Willen zeige. «Er bringt von seinem Körperbau her ideale Voraussetzungen mit», sagt Stofer. Hirsch habe physisch sehr gute Fortschritte über den Winter gemacht. «Wir hoffen, dass er sein grosses Potenzial abrufen kann», sagt Stofer.

Das will auch Hirsch selber tun – nachdem er sich vollständig erholt hat von der unter Ruderern zwar nicht seltenen, aber trotzdem mühsamen Verletzung. «Mühsam ist sie insofern, als ich nicht mit den anderen trainieren kann.» Diese Woche darf er wenigstens rudern, nachdem er die letzten Wochen schwimmend, joggend oder velofahrend verbringen musste.

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