Mehr Schwung nach dem «Fixie»-Trip
Es war ein spezieller Saisonauftakt für Michael Alborn. Der Adetswiler feierte seinen 31. Geburtstag letzte Woche, als am Dienstag auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon das erste Meeting der Saison 2018 stattfand. Am Ende stand er als Sieger da – das zweite Steherrennen entschied Alborn hinter Schrittmacher Dino Rey für sich. Noch am früheren Abend im ersten Rennen hatte es gar nicht nach einem solchen Erfolg für Alborn ausgesehen – er kämpfte nicht mit der Konkurrenz, sondern wegen einer Pollenallergie mit gereizten Atemwegen.
«Etwas, das nicht gleich jeder macht»
Der Erfolg hat mit einer nicht alltäglichen Tour zu tun: Im Winter fuhr der Adetswiler allein quer durch Australien. Eine Idee, die bei ihm spontan entstand, als er sich entschied, eine Auszeit zu nehmen – auch, weil er im Sport Motivationsprobleme bekundete. Das Vorhaben, 5000 Kilometer von Perth nach Sydney auf einem «Fixie», einem Velo mit fixem Gang, zu absolvieren, reizte ihn, «weil es etwas ist, das nicht gleich jeder macht».
Bepackt mit 60 Kilogramm Material auf einem Anhängerwagen machte sich der Adetswiler im vergangenen Dezember auf seine Tour. Minuziös durchgeplant war sie nicht, sondern er lebte quasi in den Tag hinein. Die Destination änderte sich unterwegs von Sydney auf Melbourne, die Distanz aber blieb dieselbe. «Es hätte auch sein können, dass es mir nach drei Tagen verleidet und ich vom Velo steige», sagt er.
Langsam, aber nicht locker
Das passierte aber nicht. Harte Momente durchlebte er wohl, «ich verfluchte mich in mancher Steigung selber und fragte mich, weshalb ich mir das antue». Doch oft habe dann hinter der nächsten Ecke ein schönes Panorama gewartet, «das gab mir Energie». Gewöhnen musste er sich an die Geschwindigkeit. Statt wie sonst im Training mit 30 Stundenkilometern war er deutlich langsamer unterwegs.
Doch langsam bedeutet nicht zwingend locker. Als Alborn die Nullarbor-Wüste durchquerte, eine karge, kaum bewachsene Ebene im Südwesten des Landes, hatte er mal mit extremer Hitze (teils über 40 Grad), mal mit einem Sandsturm zu kämpfen. Er erfuhr, wie mühsam es sein kann, 150 Kilometer keine einzige Kurve anzutreffen – und wie es sich anfühlt, wenn der Körper zu dehydrieren beginnt.
(Video: Youtube/MichiAlborn)
Es sind Erfahrungen, die Alborn nun stärker machen. Seine sportliche Karriere hat auch deshalb frischen Schwung erhalten. «Ich habe wieder Freude am Trainieren – es macht mir sogar im Regen Spass», sagt der gelernte Schreiner, der im 80-Prozent-Pensum im Aussendienst arbeitet.
Als Steher möchte er ans gute Auftaktmeeting anknüpfen. «Den Blumenstrauss habe ich noch nicht», sagt er lachend – den erhält nur der Beste aus beiden Rennen. Eine Medaille an der SM ist – nach mehreren vierten Rängen – peilt er an. Das würde ihm auch die dritte EM-Teilnahme einbringen.
Seit Kurzem verfügt er mit Bruno Diethelm, der auch als Nationaltrainer der Mountainbiker amtet, über einen eigenen Coach. Und er geniesst es, sein eigener Chef zu sein – zumindest wenn es darum geht, sein Rennprogramm zu bestimmen. Denn auf der Bahn gibt der Schrittmacher das Tempo vor. Und wenn dieser – wie in den letzten Runden vor seinem Sieg letzte Woche – ignoriert, dass Alborn das Tempo eigentlich etwas reduzieren möchte, denkt er zurück an Australien. «Die paar Runden Runden hier sind ja nichts im Vergleich mit einem Sandsturm.»
Am 29. Juni berichtet Michael Alborn im Chälbli Bike Shop in Uster über seine Erlebnisse in Australien. Anmeldung erwünscht unter www.michaelalborn.ch

