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Das grosse Schweigen um den Zander-Abgang

Das Hinwiler Sauber-Team trennte sich überraschend von Technikchef Jörg Zander. Über die Hintergründe kann nur spekuliert werden.

Das grosse Schweigen um den Zander-Abgang

Am Wochenende rund um den GP von Aserbaidschan in Baku fiel es einigen Beobachtern schon auf: In der Sauber-Box fehlte Technik-Chef Jörg Zander. Und an der einen oder anderen Stelle wurde gemunkelt, dass da mehr dahinter stecke als dass der Deutsche halt einmal ein Rennen auslasse. Die Medienabteilung von Sauber reagierte auf Nachfragen eher unsicher bis verlegen, aber angeblich nichts Weiteres wissend – so dass sich der Verdacht verstärkte, dass etwas im Busche ist.

Jetzt hat das Sauber-Team mit einer sehr dünnen Pressemitteilung bestätigt: Zander, der technische Direktor des Hinwiler Rennstalls, ist mit sofortiger Wirkung nicht mehr für das Team tätig. Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur stellt derzeit seine Mannschaft neu auf. Bis dahin, so heisst es, leiten die verschiedenen Abteilungsleiter die Arbeit an der Entwicklung des aktuellen Modells C37 sowie am Fahrzeug für die Saison 2019 (C38).

Besser, aber zuwenig gut?

Über die Gründe schweigt sich Sauber aus – gerade das führt natürlich zu Spekulationen. War man mit den technischen Fortschritten, die unter Zanders Führung in den letzten zwei Jahren gemacht wurden, nicht zufrieden? Der Sauber 2018 ist zwar besser als die Vorgängermodelle, aber auch der sensationelle sechste Platz von Charles Leclerc in Baku kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sich unter realistischen Bedingungen und ohne eine fahrerische Glanzleistung des Monegassen Sauber mit Williams um den letzten Platz im Feld duelliert.

Ein Teil der Leistungssteigerung ist auch einfach auf den neuen Ferrari-Motor zurück zu führen. Aber andererseits: Würde so eine Unzufriedenheit, die sich ja über längere Zeit aufgebaut hätte, zu einer plötzlichen Trennung aus heiterem Himmel führen?

Machtspiele oder persönliche Gründe?

In Fachmedien wird da und dort spekuliert, dass es sich um interne Machtkämpfe handeln könnte, etwa zwischen Vasseur und Zander. So wie damals, als Monisha Kaltenborn ging oder gehen musste, weil die neuen Sauber-Besitzer und Zander andere Vorstellungen über die Ausrichtung und die Prioritäten im Team hatte als sie. Doch während sich diese Probleme damals über längere Zeit angebahnt hatten, war diesmal Ähnliches nie zu hören. Deshalb spricht viel dafür, dass andere Faktoren im Spiel waren, Dinge persönlicher Natur, die man auch von Seiten Sauber auf keinen Fall in die Öffentlichkeit bringen will. Das dürfte der Grund sein für die sehr knappen Statements und die grosse Verschwiegenheit auf allen Seiten.

Nicht das erste kurze Gastspiel

Was bei einem Blick auf Zanders Karriere im Rennsport auffällt: Immer wieder einmal blieb bei relativ kurzen Gastspielen bei einzelnen Teams. Der gelernte Maschinenbauingenieur hatte seine Rennkarriere bei Toyota begonnen, 2003 zog es ihn von Köln nach Brackley – zu British American Racing. 2005 wechselte Zander zu Williams, wo er Chefdesigner Gavin Fisher ersetzte. Ein Jahr später wurde er von BMW-Sauber engagiert.

2007 kehrte er nach Brackley zurück – inzwischen war aus dem Team der offizielle Formel-1-Rennstall von Honda geworden. Er blieb auch im Team, als daraus Brawn GP wurde – verliess den Rennstall, der 2010 zum Mercedes-Werksteam wurde, aber noch im Laufe der Saison 2009 wieder. Interessanterweise wollte sich auch damals niemand, schon gar nicht Ross Brawn, offiziell zu den Hintergründen äussern.  

Zander gründete zunächst  eine eigene Firma, JZ Engineering, ehe er 2015 Technikchef der Sportabteilung bei Audi wurde. Mit dem Ausstieg von Audi aus dem Langstreckensport suchte er nach einer neuen Herausforderung – auch mit Hilfe des damaligen  Audi-Sportchefs Dr. Wolfgang Ullrich landete er auf die Saison 2017 hin bei Sauber. Karin Sturm

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