«Unsere Fans haben Unglaubliches geleistet»
Sie haben einen Café Crème bestellt. Am Morgen nach dem Aufstieg dürfte dieser besonders gut schmecken – und nach einer kurzen Nacht auch ein willkommener Wachmacher sein.
Konrad Müller: Das ist so. Und heute brauche ich diesen Wachmacher sicher mehr als sonst – nach nur gut drei Stunden Schlaf.
Sie waren also auch noch an der Aufstiegsfeier auf dem Rapperswiler Hauptplatz?
Klar. Eine grossartige Sache. Und zu sehen, welche Begeisterung unser Club auslösen kann, ist wunderbar. Die Leute identifizieren sich wieder mit den Lakers. Das ist extrem wichtig und dies zu erreichen war eines unserer Hauptziele in den letzten drei Jahren. Im Stadion bilden die Fans die rote Wand, die für das Team wie ein siebter Mann ist. Unsere Fans haben Unglaubliches geleistet, die Mannschaft getragen. Es freut mich ungemein, dass wir uns mit zwei Titeln (B-Meister und Cup – die Red.) und nun auch noch mit dem Aufstieg revanchieren konnten.
Wie und wo haben Sie das alles entscheidende siebte Spiel der Ligaqualifikation erlebt?
Im Stadion, wenige Sitzreihen hinter unserer Spielbank, Fingernägel kauend. Ich war nervös, extrem nervös sogar. So etwas möchte ich eigentlich nicht mehr erleben. Irgendwann ist man nur noch fertig. Diese Serie war extrem nervenaufreibend und kräftezehrend. Für alle, das ganze Umfeld, die Fans, die Spieler, den Staff und natürlich auch für unsere anderen Mitarbeiter, die so hart auf dieses Ziel hingearbeitet haben. Es haben ja nicht nur die auf dem Eis zu diesem Erfolg beigetragen, sondern alle im Club – einfach alle. Jeder «chrampfte» unermüdlich, ohne auf die Uhr zu schauen. Allen gebührt ein riesiges Dankeschön.
«Ich war nervös, extrem nervös sogar. So etwas möchte ich eigentlich nicht mehr erleben.»
Glaubten Sie zu jeder Zeit an den Sieg oder kamen – etwa nach dem Ausgleich oder in der Verlängerung – Zweifel auf?
Ich glaubte immer daran. Ich sass direkt hinter unseren Spielern und sah ihre Körpersprache. Sie wirkten extrem entschlossen. Daher wusste ich: die packen das. Blickte ich zu den Klotenern rüber, bekam ich diesen Eindruck nicht.
Die wichtigsten Szenen der entscheidenden Partie. (Video: Youtube/Mysports)
Dennoch hätte es genausogut andersherum ausgehen können. Minuten vor dem Siegtor verzeichnete Kloten einen Pfostenschuss. Es ging um Millimeter.
So ist der Sport – manchmal absolut brutal. Es braucht letztlich immer auch das nötige Quäntchen Glück für so einen Erfolg. Letzte Saison in der Finalissima in Langenthal erlebten wir Ähnliches – gegen uns. Wir vergaben kurz vor Schluss eine Topchance und im Gegenzug sichert sich der Gegner den Titel. Ich will aber betonen: Zufall ist unser Erfolg nicht. Vieles ist planbar. Und es steckt sehr viel Arbeit dahinter – von sehr fähigen Leuten. Entscheidend auf dem Weg zurück in die höchste Liga war sicher, dass wir im Januar 2017 den Aufstieg als klares Ziel formuliert, die nötigen Massnahmen beschlossen und dann auch umgesetzt haben. Wir investierten eine halbe Million mehr in die Mannschaft, machten sie breiter. Damit haben wir die Aufstiegschancen wesentlich erhöht. Und da wusste jeder: Rappi meint es ernst. Damit wurde letztlich auch die Motivation und der Glaube bei den Mitarbeitern inklusive Spielern erhöht. Und wenn alle bereit sind, mit jeder Faser des Herzens für etwas einzustehen, kann man Berge versetzen.
«Wir investierten eine halbe Million mehr in die Mannschaft. Da wusste jeder: Rappi meint es ernst.»
Welchen Anteil am Erfolg hat Coach Jeff Tomlinson?
Einen sehr grossen. Jeff ist extrem authentisch. Und auch für ihn gilt: Er hat einen klaren Plan und setzt diesen konsequent um. Zudem ist er ein guter Kommunikator. Jeder weiss stets, woran er ist. Und jeder kennt genau seine Aufgabe.
Was letztlich herauskam, darf man als Traumsaison bezeichnen. Müssen Sie sich manchmal kneifen, um zu glauben, dass Sie das nicht alles geträumt haben?
Ich habe mich tatsächlich auch schon gefragt: Ist das wirklich alles passiert? Ja, ist es – weil alle gerackert haben wie verrückt. Es ist unglaublich.
Als Sie VR-Präsident wurden, lag der Club in Trümmern, war sogar dem Konkurs nahe. Nun ist er wieder erstklassig. Wie war der schnelle Wandel möglich?
Natürlich steigt man nicht gerne ab. Aber es war letztlich das Beste, was dem Club passieren konnte. So bot sich die Chance, ein neues, solides Fundament zu betonieren. Und dann darauf Schritt für Schritt etwas aufzubauen. So hält das dann auch. Heute kann man sagen: Diese Chance haben wir genutzt. Der Club ist gesund und so strukturiert, wie ein Unternehmen sein muss.
«Natürlich steigt man nicht gerne ab. Aber es war letzlich das Beste, was dem Club passieren konnte.»
Zurück zur Gegenwart: Nach der Saison ist vor der Saison. Durch den Aufstieg wartet nun wohl mehr Arbeit auf die Klubverantwortlichen als es bei einer weiteren Saison in der Swiss League der Fall gewesen wäre.
Nicht unbedingt, aber die Arbeit wird sicher anspruchsvoller. Aber diesbezüglich habe ich keine Bedenken: Wir haben die richtigen und sehr gute Leute. Und die sind voll dran.
Der Plan sieht vor, das Budget von aktuell 6,3 auf 9 bis 9,5 Millionen Franken zu erhöhen. Kann das umgesetzt werden?
Ja. Respektive: Wir werden mit einem Budget von 10,7 Millionen fahren.
Wo kommen die zusätzlichen 4,4 Millionen her?
Rund ein Viertel aus den deutlich höheren TV-Geldern, der Rest aus Mehreinnahmen beim Sponsoring, Ticketing und Catering – wobei wir da jeweils sehr konservativ budgetiert haben – sowie vom 100er-Club. Es ist ein defensives Budget, aber eines, von dem wir überzeugt sind, dass wir es einhalten können – und zwar ohne Zuwendungen von Mäzenen.
«Es ist ein defensives Budget, aber eines, von dem wir überzeugt sind, dass wir es einhalten können.»
Bisher sind erst zwei Zuzüge bekannt. Können Sie schon weitere vermelden?
Nein, die werden wir zu gegebener Zeit kommunizieren. Man muss jetzt auch schauen, was mit Kloten passiert. Dort hat es schon den einen oder anderen Spieler, bei dem ich mir vorstellen könnte, dass er zu uns passen würde. Aber in solchen Sachen rede ich nicht drein. Das ist Sache der Sportkommission. Der Verwaltungsrat hält sich aus dem operativen Geschäft raus.
Die Lakers sind der Aufsteiger, dürften das tiefste Budget in der National League haben. Da kann das Ziel nur Ligaerhalt heissen.
Im Prinzip ja. Ich bin aber überzeugt, dass der sportliche Erfolg nicht direkt vom Geld abhängig ist. Da können wir unseren Cupsieg als Beispiel nehmen. Ich will bezüglich sportlicher Zielsetzung jetzt aber nicht vorgreifen. Diese muss erst noch genau definiert werden. Darüber müssen wir uns intern unterhalten. Klar ist: Wir müssen weiterhin Schritt für Schritt nehmen. Im wirtschaftlichen Bereich müssen wir nun erst einmal neue Erfahrungswerte sammeln in der National League, sehen, wie sich die verschiedenen Bereiche entwickeln. Ein Fernziel, über das wir auch schon diskutiert haben, ist ein Budget zwischen 15 und 16 Millionen hinzukriegen. Das wird aber Zeit brauchen und nicht einfach zu erreichen sein. Aber man muss ein Ziel haben.
Die Fans wurden heuer mit Erfolgen verwöhnt. Im Oberhaus wird es nun wieder vermehrt Niederlagen absetzten. Gibt es bei Ihnen eine gewissen Angst, die Stimmung könnte wieder ins Negative kippen?
Nein. Die Frage ist für mich immer, wie man verliert. Sieht jeder im Stadion, dass sich die Mannschaft zerreisst, werden die Fans immer hinter ihr stehen. Klar wird es auch einmal einen Abend geben wie jenen beim 0:4 in Spiel 4 gegen Kloten, wo das Team schlicht neben den Schuhen steht. Aber das wird die absolute Ausnahme sein. Davon bin ich überzeugt. Dafür ist unser Team charakterlich zu stark.
Die Aufstiegshelden werden sicher auch noch ziemlich lange viel Kredit bei den Fans haben.
Das wird schon so sein. Aufstiegshelden. Wie das tönt. Grossartig. «Cyrill Geyer – Hockeygott» haben die Fans auf dem Hauptplatz gesungen. Ihm mag ich das ganz speziell gönnen. Ein toller Karriereabschluss. (Interview: Silvano Umberg)

