Der Mann, der immer das letzte Spiel gewinnt
Die Meisterparty dauerte lange an. Bis am frühen Mittwochmorgen feierte der Hinteregger Silvan Bolliger den Meistertitel, den er am Sonntag im Superfinal mit Floorball Köniz gegen Wiler-Ersigen gewonnen hatte. «Wir haben die Zeit genossen», sagt er mit leicht belegter Stimme. Sein Hals wurde etwas in Mitleidenschaft gezogen, der Pokal auch, «er ist jetzt bei einem Schweisser», sagt Bolliger. Dinge, die man nach einem gewonnenen Meistertitel in Kauf nimmt.
Denn es ist ein besonderer Titel – für Köniz, weil es der erste der Klubgeschichte ist und quasi das Abschiedgeschenk für Trainer-Urgestein René Berliat. Für Bolliger, weil er gleich die ersten NLA-Playoffs seiner Karriere mit dem Titel krönen konnte. «Schöner geht es nicht», sagt der 26-Jährige, der vor dieser Saison von Uster nach Köniz gewechselt hatte. «Ich habe es meinem grossen Bruder abgeschaut.» Florian Bolliger, der unterdessen wieder in Uster spielt, wurde vor zwei Jahren mit den Grasshoppers Meister – ebenfalls in seinen ersten NLA-Playoffs, und ebenfalls war es der erste Titel der Klubgeschichte.
Nervös nur bis zum Einlaufen
Silvan Bolliger war damals am Superfinal als Zuschauer dabei, nun jubelte er vor über 8000 Zuschauern in Kloten selber. «Es war viel Hühnerhaut dabei», sagt Bolliger. «Im Vorfeld war die Nervosität noch nicht so gross, wir machten alles genau gleich wie immer. Als wir aber während dem Frauen-Final in den Katakomben des Stadions ankamen und das Publikum hörten, war das schon sehr speziell.» Die Nervosität schlug aber schon beim Einlaufen in positive Anspannung um. Und schon früh im letzten Drittel der Partie wuchs die Gewissheit, dass es für den Titel reichen würde. «Nach dem 3:1 merkte man, wie bei Wiler die Körperspannung brach», sagt Bolliger. «Es war kein schönes Tor – aber es gab uns ein sehr gutes Gefühl».
Selber reihte sich Bolliger im Final nicht in die Skorerliste ein. Überhaupt erreichte er seine Werte aus vergangenen Saisons nicht – doch die 15 Skorerpunkte sind für ihn nicht beunruhigend. «Natürlich wird man an den Punkten gemessen. Doch ich konnte viel lernen. Ich hatte zuvor noch nie mit Nationalspielern wie Manuel Maurer oder Jan Zaugg gespielt. Ich konnte mich nur schon dadurch verbessern, dass ich ihnen im Training zusehen konnte.»
Entsprechend zufrieden ist Bolliger mit seiner ersten Saison bei Köniz. «Ich hatte von mir selber nicht erwartet, 50 Punkte zu machen. Alles war neu, und ich dachte erst, dass die Berner langsamer sind. Im Unihockey sind sie es aber definitiv nicht.» In seine neue Rolle wuchs aber auch er schnell hinein. Bolliger war in der dritten Linie gesetzt, erst als Center, dann als Flügel, und entlastete die Topspieler phasenweise auch. «Ich konnte in dieser Linie ab und zu für Tore sorgen». Das habe dem Klub in der letzten Saison rückblickend gefehlt. Und Bolliger vermutet, dass er den Könizern auch neben dem Platz half. «Vielleicht habe ich als langjähriger Playout-Spieler eine neue Sichtweise hineingebracht: Dass man sich auch über Siege freuen soll, die nicht schön erspielt waren.»
Der Reiz, um vier Titel mitzuspielen
Aus beruflichen Gründen ist noch ist nicht sicher, ob Bolliger, der im Sommer sein Publizistikstudium abschliesst und derzeit bei einer Werbeagentur arbeitet, auch in der nächsten Saison in Köniz spielt. Lust darauf verspürt er, «die Mischung aus Arbeit, Unihockey und dem Leben in einer WG mit drei Teamkollegen könnte nicht besser sein», sagt er. Zudem fände er es reizvoll, mit Köniz nächste Saison nicht nur um Meisterschaft und Cup, sondern auch um den nationalen Supercup und den internationalen Champions Cup zu spielen. «Ich habe meine Serie weitergeführt und das letzte Spiel der Saison gewonnen», sagt Bolliger lachend. Mit dem Unterschied, dass er als UHC-Uster-Spieler jeweils nur den Ligaerhalt bejubelte. In Köniz nun erlebte er seinen bisherigen Karrierenhöhepunkt.

