Sport

Schoris Neubeginn mit jungem Team

Curlerin Irene Schori ist noch lange nicht müde. Die erfolgreiche Dübendorferin baut ein neues Team mit jungen Spielerinnen auf.

Schoris Neubeginn mit jungem Team

Es ist ein Fakt, der Irene Schoni ein ungläubiges Lachen entlockt: Gemessen an den Goldmedaillen an internationalen Turnieren ist sie die erfolgreichste Schweizer Curlerin aller Zeiten. Vier Weltmeistertitel (zwei davon im Mixed-Curling) sowie ein Europameistertitel figurieren in ihrem Palmares. Der Dübendorferin ist dies gar nicht so bewusst, «da gibt es doch andere, die noch mehr erreicht haben», sagt sie.

Im Team Flims mit Skip Binia Feltscher erlebte Schori wahrhaft goldene Zeiten. Sechs Jahre lang war sie die Nummer 3 der Bündnerin – diese Ära ist nun zu Ende. Auslöser war die Tatsache, dass Second Franziska Kaufmann ihre Karriere beendet und es damit im Team ohnehin zu einer Veränderung gekommen wäre. «Wir merkten, dass es allen guttun würde, wieder einmal etwas Neues zu haben», sagt Schori.

Hat auch die verpasste Olympia-Qualifikation eine Rolle gespielt? Schori verneint. «Ich denke nicht, dass der Entscheid anders geworden wäre. Wir hatten auch keine Krise – wir haben es weiterhin super.» Und es war nicht so, dass Schori von Beginn weg ihre eigenen Ambitionen verfolgen wollte – «ich hätte mich sehr gut weiterhin als Nummer 3 identifizieren können», sagt sie. «Doch dann ging es Schlag auf Schlag.»

Überschaubare Routine

Die Quintessenz davon: Schori wird künftig mit einem eigenem Team Spitzencurling betreiben. Und während sie die letzten sechs Jahre mit erfahrenen Mitspielerinnen auf dem Eis stand, hat sie sich nun eine Equipe zusammengestellt, deren internationale Routine sehr überschaubar ist. Lara Stocker (25) und Roxane Héritier (22) kommen vom sich auflösenden Team Schaffhausen, Isabelle Maillard (27) spielte zuletzt in Uitikon.

«Die drei sind sehr jung und sehr motiviert. Natürlich können sie von meiner Erfahrung profitieren und lernen, aber sie geben mir sicher auch viel Inputs», sagt Schori. Als «Mami» des neuen Teams will sie sich dann aber auch nicht bezeichnet haben, «ich hoffe nicht, dass ich das sein muss», sagt die 34-Jährige lachend.
Schori freut sich jedenfalls auf eine neue Herausforderung als Skip eines eigenen Teams. Ganz neu ist die Rolle für sie nicht, einst führte sie als Skip beim Grasshopper-Club ein eigenes Team – ihre grossen Erfolge aber feierte die Dübendorferin als Third.

Unter welchem Namen das Team auftreten wird, ist noch nicht bekannt. Derzeit sind Schori und ihre neuen Teamkollegen auf der Suche nach Sponsoren und einem Verein. «Ideal wäre wohl ein Zürcher Klub», sagt Schori – ihre künftigen Mitspielerinnen wohnen in Zürich, Bern und Schaffhausen. Im Mai steht ein Termin mit Swisscurling an, an dem es um die finanzielle Förderung gehen wird.

«Das Commitment ist da»

Wie gut die Aussichten diesbezüglich sind, ist schwer abzuschätzen – verschiedene Faktoren spielen für eine Verbandsunterstützung eine Rolle. Schoris bisherige Erfolge sind nur ein Teil davon, es geht aber auch um Dinge, die weniger messbar sind und einem Trainerurteil unterliegen. «Ich bin zuversichtlich», sagt Schori allerdings. «Das Commitment ist von allen da,  das Potenzial auch, und wir arbeiten alle Teilzeit. Wir planen sicher einmal über die nächsten vier Jahre.»

Am Ende dieser Zeitspanne stehen die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Sie sind noch weit weg – und Schori will sie noch nicht als Ziel bezeichnen. Zuerst einmal wird es für das neue Team darum gehen,  gegen die nationale Konkurrenz durchzusetzen und sich international zu etablieren. Für Letzteres benötigt das Team Weltranglistenpunkte. Diesbezüglich beginnt das Quartett zwar nicht ganz bei Null, weil ein Teil der Punkte von Flims in die Wertung einfliessen wird. Im Vergleich mit den anderen Schweizer Spitzenteams sind Schori und ihre Teamkolleginen aber noch im Nachteil.

Ein «Herantasten» zum Anfang

Als «Herantasten» bezeichnet Schori die nächste Saison denn auch. «Bezüglich Punkte, Geld und Potenzial ist wohl das neue Team mit Silvana Tirinzoni und Alina Pätz am besten dran», sagt sie. Dahinter sieht sie ihr Team in einem Dreikampf mit Binia Feltscher und der Wetziker Equipe von Elena Stern.

Erst aber muss die Finanzierung geklärt werden – und hierbei hat Schori keine Illusionen. «Ich mache das zum Spass, und nicht um Geld zu verdienen – dafür ist es sowieso der falsche Sport. Bei Flims haben uns die Titel geholfen. Vorher hatten wir drauf gelegt.»

Fehler gefunden?