Dübendorf fehlt die Entschlossenheit
Es gibt Dinge, die man beim EHC Dübendorf nur sehr selten sieht. Einen Torhüterwechsel nach zwei Dritteln beispielsweise. Remo Trübs Arbeitstag war am Samstag nach 40 Minuten zu Ende. Vier Gegentreffer hatte der Dübendorfer Torhüter – statistisch in der Qualifikation der zweitbeste und in den Playoffs der beste Keeper der Liga – bis dahin kassiert, und er sah dabei nicht immer gut aus. Von der Bande aus musste er mitverfolgen, wie sein Ersatz Jeffrey Meier nach nur 57 Sekunden im Schlussdrittel erstmals bezwungen wurde – das 1:5 war die endgültige Entscheidung.
«Wir machten viele Dinge, die man gegen ein solches Team nicht tun darf»
«Entscheidend war, dass wir heute den sichereren Goalie hatten», sagte Brandis-Trainer Andreas Beutler denn auch. Reto Stirnimann hingegen wollte nicht von einem «schwarzen Abend» für Trüb sprechen. «Seine Vorderleute haben ihn nicht so unterstützt, wie er es gewohnt ist», sagte der EHCD-Coach.
Tatsächlich wäre es verfehlt und viel zu simpel, die 3:6-Niederlage Dübendorfs zum Start in die Finalserie dem Torhüter in die Schuhe zu schieben. Brandis wirkte von Beginn weg spritziger, frischer und entschlossener, während Dübendorf schlicht zu wenig konsequent agierte und den Gameplan nicht umsetzte. «Wir machten viele Dinge, die man gegen ein solches Team nicht tun darf», sagte Captain Jann Falett.
Zwei Konter, zwei Tore
Insofern war es symptomatisch, dass die ersten beiden Konter von Brandis zu Toren führten – obschon die Konterstärke der Emmentaler bei den Dübendorfern vor der Partie thematisiert worden war. Patric Buri (16.) konnte aber ziemlich unbehelligt an zwei Dübendorfer Verteidigern vorbei Richtung Trüb ziehen, und auch Sven Nägeli (19.) wurde zu wenig konsequent angegangen, als er gar in Unterzahl entwischte. «Wir kassierten die Tore, weil wir zu wenig energisch waren», urteilte Stirnimann.
Es gab aber auch eine Phase, in der Dübendorf Oberhand zu gewinnen schien und das Momentum zwar nicht kippte, aber wohl wankte. Im zweiten Abschnitt trat Dübendorf druckvoller auf, und als Cyrill Kreis von einem der wenigen Patzer des Gegners profitierte und den Anschlusstreffer erzielte (30.), gewann der EHCD an Sicherheit. Hätte Topskorer Steven Widmer wenig später in Unterzahl eine Unsicherheit von Brandis-Keeper Sven Witschi genutzt, wäre die Partie womöglich gekippt. Witschi aber bügelte seinen Fehler mit einer beherzten Aktion aus. Brandis erhöhte quasi im Gegenzug auf 3:1 (35.) und vier Minuten später auf 4:1 – dank der Dübendorfer Passivität und eben weil Trüb Pucks passieren liess, die er an einem normalen Tag hält.
Unbeschwerte Berner
«Das 3:1 kam im richtigen Moment, und das 4:1 war der Todesstoss», befand Brandis-Trainer Beutler. Er empfand die Partie aber als enger, als das Resultat es aussagt. «Das Spiel kam uns entgegen. Der Druck liegt gerade in einem ersten Spiel auf der Heimmanschaft. Vielleicht gingen wir etwas unbeschwerter zur Sache.» Tatsächlich gelang es dem EHCD nicht, sein Potenzial auszuspielen. «Die Einstellung war entscheidend», glaubt Captain Falett. «Sie kamen hierher um zu gewinnen, und wir spielten ein Finalspiel und wollten schauen, was herauskommt.»
Eine Reaktion ist gefragt
Dass er selber mit dem 3:6 in der zweitletzten Minute den Dübendorfern wenigstens nach einer Durststrecke von vier Spielen wieder mal einen Powerplay-Treffer bescherte, hatte keinen Einfluss mehr auf den Ausgang der Partie. Sein Team muss nun seine Wunden lecken und am Dienstag in Huttwil anders auftreten. «Wir müssen richtig reagieren. Dass wir das können, haben wir schon gezeigt», sagte Falett. Schon in der Halbfinal-Serie gegen Wiki-Münsingen hatten die Dübendorfer sich taktisch flexibel gezeigt. Diese Eigenschaft, gepaart mit der richtigen Einstellung, ist erneut gefragt.
Für Coach Stirnimann ist klar, was die Mittel zum Erfolg sind: «Defensiv besser spielen, mehr Druck auf den Gegner machen, mehr auf die Abpraller gehen und in der offensiven Zone sorgfältiger mit dem Puck umgehen.» Dass Raoul Seiler, der Center der ersten Dübendorfer Sturmlinie, am Samstag verletzt fehlte und womöglich auch am Dienstag noch nicht einsatzbereit ist, erschwert die Aufgabe für die Glattaler zusätzlich.

