Mit Aberglaube und Steigerungspotenzial
Playoff-Zeit ist auch die Zeit der Rituale und des Aberglaubens. Während der Bartwuchs in dieser Phase der Saison beliebt ist wie sonst nie, meidet man andere Dinge wie der Teufel das Weihwasser. Den Pokal thematisieren? Nein, das bringt Unglück. So zumindest sieht man das offenbar im EHC Dübendorf. Als einziger Klub der MSL benutzen die Dübendorfer das vom Verband zur Verfügung gestellte Playoff-Signet nicht – es zeigt den Meisterpokal mit integriertem Klublogo. Und Captain Jann Falett sagt, er wolle «das P-Wort nicht in den Mund nehmen».
Um den ersten Meisterpokal der MSL duellieren sich die Dübendorfer ab heute Samstag mit dem EHC Brandis. Die Best-of-5-Finalserie wird – auch das eine Premiere – von MySports übertragen. «Das ist eine coole Plattform für die Liga», findet Falett. «Vielleicht kommt das Drumherum uns entgegen – wir kennen die Situation ja aus dem Cup».
Während der Finaleinzug für den EHC Dübendorf, der in der Qualifikation den zweiten Rang belegt hatte, erwartbar war, ist es eher überraschend, dass Brandis der Gegner ist – und nicht etwa Qualifikationssieger Sion. Die Berner eliminierten die Walliser im Halbfinal mit 3:0 Siegen. Mit ein Grund dafür: Brandis war personell breiter besetzt als der HC Sion, der nicht vier komplette Linien aufs Eis brachte, weil ihm im Vergleich zur Qualifikation einige B-Lizenz-Spieler fehlten.
Die Ruine und der Ex-Adel
Für den EHC Brandis ist die Finalqualifikation «das Tüpfelchen auf dem i», wie Sportchef Christian Baumgartner sagt. Der in Hasle-Rüegsau und ab nächster Saison in Huttwil beheimatete Klub entstand 1999 als Fusionsprodukt aus der Spielgemeinschaft des SC Hasle und des EHC Lützelflüh. Benannt ist er nach den Freiherren von Brandis, die im 13. Jahrhundert von der gleichnamigen Burg bei Lützelflüh ihre Besitztümer im Emmental verwalteten.
Das Adelsgeschlecht gibt es nicht mehr, die Burg ist eine Ruine – dafür haben die Eishockeyaner erfolg. Das liegt auch an Trainer Andreas Beutler, der einst als Spieler mit dem SCB drei Meistertitel holte und in den letzten vier Jahren Brandis zuerst an die Spitze der Zentralschweizer Gruppe und letztlich in die MSL führte.
«Dübendorf ist ganz klar der Favorit. Es ist die beste Equipe der Liga.»
Christian Baumgartner, Sportchef EHC Brandis
«Unser Ziel war der Halbfinal», sagt Baumgartner – mit seinen 14 Amtsjahren dürfte er übrigens neben seinem EHCD-Pendant Urs Wüst der langjährigste Sportchef der Liga sein. «Für mich ist Dübendorf nun ganz klar der Favorit.» Die Glattaler seien «die beste Equipe der Liga mit einem sehr ausgeglichenen Kader und dem besten Torhüter.»
Vier enge Duelle
Viel Lob – und wohl auch etwas Understatement. Zwar hat Dübendorf drei von vier Qualifikationsspielen gegen Brandis gewonnen, es waren aber enge Partien. Zweimal betrug die Differenz nur einen Treffer (0:1, 3:2), zweimal siegte Dübendorf 4:2, wobei in einer Partie der letzte Treffer ins leere Tor fiel.
«Brandis ist sicher nicht der schwächere Gegner als Wiki-Münsingen», sagt EHCD-Trainer Reto Stirnimann. Gegen Wiki setzte sich der EHCD im Halbfinal in vier ausgeglichenen Partien durch und hatte dabei auch das Wettkampfglück auf seiner Seite – etwa in Spiel 1, das der EHCD dann entschied, als das Momentum eigentlich bereits auf die Seite des Gegners gekippt war. Oder natürlich auch in Spiel 4, das im Penaltyschiessen entschieden wurde.
Die Glattaler durchliefen in der Halbfinalserie aber auch eine Entwicklung. Sie hatten erst Mühe mit der Spielweise des Gegners, passten sich aber an und machten die Räume eng. «Wir waren in den ersten beiden Spielen etwas verhalten und nervös. Wir merkten: Wenn wir sie unter Druck setzen, dann kommen wir besser ins Spiel.»
«Brandis spielt taktisch sehr gut und lässt wenig zu.»
Jann Falett, Captain EHC Dübendorf
Gegen Brandis, das Trainer Stirnimann als «defensiv sehr diszipliniert und konterstark» bezeichnet, ist das Rezept aber wohl nicht genau dasselbe. «Es gibt eine andere Serie», glaubt Falett, «Brandis spielt taktisch sehr gut und lässt wenig zu. Die Mittelzone wird wichtig sein – wir dürfen keine Konter zulassen.»
Der Dübendorfer «Nuller»
Für Brandis-Sportchef Baumgartner werden Power- und Boxplay in dieser Serie entscheidend sein, «die Special Teams spielten in den vier Qualifikationspartien eine wichtige Rolle», sagt er. Tatsächlich: In jeder Partie gewann jene Mannschaft mit der höheren Powerplay-Effizienz.
Die Dübendorfer müssen sich diesbezüglich massiv steigern. Im Vergleich zum Halbfinal kann das Powerplay nämlich statistisch gesehen gar nicht schlechter werden: 0 Prozent betrug die Erfolgsquote der Glattaler in Überzahl in der Serie gegen Wiki-Münsingen. «Es spricht für uns, dass wir die Serie trotzdem gewannen», sagt Falett, «aber wir machen uns so das Leben selber schwer.»
«Es muss nicht immer eine Bombe sein.»
Reto Stirnimann, Trainer EHC Dübendorf
Stirnimann sieht für die Baisse nicht einen bestimmten Grund. «Den richtigen Moment für den Schuss zu finden ist nicht einfacher geworden in dieser Liga. Es muss nicht immer eine Bombe sein, sondern vielleicht auch einmal ein Handgelenkschuss.» Falett findet: «Wir könnten noch konsequenter sein, wir spielen manchmal noch einen Pass zu viel. Wir hatten unsere Chancen, aber haben zu wenig daraus gemacht.»
Zu wenig daraus gemacht – das gilt auch für die vergangenen beiden Saisons. Zweimal stand der EHCD im Playoff-Final der Erstliga-Ostgruppe, zweimal verlor er. Womit wir wieder beim Aberglauben wären. Doch aller schlechten Dinge können nicht drei werden – denn es ist nun eine andere Liga. Die Ambition der Dübendorfer ist aber dieselbe geblieben – sie wollen die Besten sein.

