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Schnell sein damit die Tochter nicht weint

Randy Krummenacher kehrte in die Supersport-WM zurück, weil er an der Spitze mitfahren will. Die Ambitionen des 28-jährigen Grütners sind berechtigt. Das zeigt der zweite Rang zum Saisonauftakt.

Schnell sein damit die Tochter nicht weint

Nein, was es mit dem imposanten Vollbart auf sich hat, den er neuerdings trägt, das verrät Randy Krummenacher nicht. «Dahinter steckt eine Geschichte», sagt er lachend. «Irgendwann werde ich ihn abschneiden.» Der im Grüt aufgewachsene Töffpilot amüsiert sich darüber, dass er ständig auf den Bart angesprochen wird. Etwas trimmen werde er ihn, sagt Krummenacher.

Trimmung und Feintuning – darum geht es für Krummenacher auch in seinem Beruf als Töffrennfahrer. Nach einer enttäuschenden Saison in der Superbike-WM, in der er von überhöhten Erwartungen seines Teams sprach, kehrte er in die Supersport-WM zurück, um wieder um Siege und Titel kämpfen zu können – wie 2016, als er WM-Dritter wurde.

Nur fürs Umfeld überraschend

Der Plan scheint aufzugehen, das zeigt der zweite Rang zum Saisonauftakt in Australien – an jenem Ort, wo er vor zwei Jahren sein Debütrennen in dieser Klasse gewann. Nun will Krummenacher nicht von einem verpassten Sieg sprechen. «Der zweite Rang ist ein gutes Resultat», sagt er, «wir konnten zeigen, dass wir auf einem hohen Level sind.»

«Wir» – das sind Krummenacher und sein neues Team Evan Bros, das auf diese Saison hin einen Markenwechsel von Honda zu Yamaha vornahm. Unter diesen Umständen ist der rasche Erfolg nicht selbstverständlich – für Aussenstehende. Krummenacher sieht dies anders. «Ich schätze das zwar und weiss, dass wir viel dafür getan haben. Aber für mich war klar, dass wir dabei sind.»

Yamaha als Mass der Dinge

Das hat auch damit zu tun, dass Yamaha derzeit in der Supersport-Klasse das Mass aller Dinge zu sein scheint. Gleich die ersten vier Plätze auf Phillip Island wurden von Yamaha-Piloten besetzt. Kawasaki – in den letzten fünf Jahren dreimal Weltmeister – fehlte in den Top-Ten sogar. «Yamaha ist auf sehr hohem Level», sagt auch Krummenacher, «je nach Strecke kann aber auch ein anderer Hersteller vorne dabei sein.»

Der Oberländer, der letzten Samstag seinen 28. Geburtstag feierte, fährt zwar nicht für das Yamaha-Werkteam – benachteiligt fühlt er sich bei «Kunde» Evan Bros aber nicht. Support vom Hersteller erhält das Team  auf alle Fälle. «Ihnen ist einfach wichtig, dass Yamaha gewinnt», sagt er. Zwar unterscheidet sich sein Material von jenem des Werkteams – «aber wir haben uns selber für einen anderen Weg entschieden».

Der unauffällige Chefmechaniker

Offensichtlich ist dieser Weg erfolgversprechend – für Krummenacher liegt das auch an Chefmechaniker Mauro Pellegrini. Der Name lässt in der Szene nicht gleich aufhorchen. «Er ist ein unauffälliger Typ, aber er macht einen Riesenjob», sagt der Grütner. «Manchmal habe ich das Gefühl, als sei es das wichtigste in seinem Leben, dass ich den besten Töff habe. Solche Menschen sind nicht einfach zu finden».

Krummenacher war in den Vorsaisontests der Schnellste. Im Qualifying folgte dann ein kleiner Rückschlag mit der siebtschnellsten Zeit. «Es war kälter und der Wind war stärker. Mit solchen Verhältnissen fehlt uns die Erfahrung – wir mussten Lehrgeld zahlen», sagt Krummenacher. «Ich wurde quasi ins kalte Wasser geworfen, aber ich habe im Qualifying mehr über den Töff gelernt als in den beiden Testtagen zuvor.»

Die Familie an der Strecke

Lernen und sich verbessern – das ist dem Oberländer und seinem neuen Team über den Winter also gut gelungen. Dass er dennoch sagt, es gebe weiterhin viel zu tun, gehört zu seinem Naturell. Und es sagt etwas über seine Ambition aus: Er will endlich einen Titel gewinnen. Dabei lässt er sich nicht von der Tatsache bremsen, dass er seit letzten Sommer Vater geworden ist. «Im Gegenteil, ich will eher noch schneller fahren, weil ich mir vorstelle, dass meine Tochter weint, wenn ich nicht gewinne.»

Seine Familie war auf Phillip Island dabei, sie wird ihn auch an den meisten Rennwochenenden in dieser Saison begleiten. «Ich fühle mich wohler, wenn sie dabei sind», sagt Krummenacher. Und vielleicht ist das am Ende der letzte entscheidende Faktor auf dem Weg zum Erfolg. «Der Titel ist das Ziel», sagt der Grütner. Erreicht er ihn, dürfte es auch um seinen Bart geschehen sein.

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