Das Derby mit dem alten Bekannten
Das Ding, um das es im Endeffekt geht, ist blau. Es heisst «Twin-Skate» – wie sein grosser goldener Bruder, den ZSC-Captain Mathias Seger einst am Morgen danach im Tram spazieren fuhr. In der MSL geht es ab Samstag in den Playoffs um den Titel des Schweizer Amateurmeisters – und eben um diesen neuen blauen Pokal.
Einen Pokal stemmen, das konnte der EHC Dübendorf zuletzt in der Saison 2013/14. Ostschweizer Regionalmeister und Schweizer Amateurmeister wurden die Glattaler damals. Seither hat sich viel verändert – vor allem die Liga. Um die Wurst – respektive eben den Pokal – geht es für die Dübendorfer nun nicht mehr in der 1. Liga, sondern in der MSL.
Der EHCD hatte die neue Liga vorsichtig ambitioniert in Angriff genommen. Man wolle nicht «einfach nur mitspielen», hiess es vor der Saison, ein Platz unter den ersten vier sollte es in der Qualifikation schon sein. Den erreichte der EHCD sicher – mehr noch, er verpasste den Qualifikationssieg denkbar knapp einen Punkt hinter Sion. In einer Liga, die von allen als so ausgeglichen und spannend gelobt wird, gehören die Dübendorfer erneut zur Spitze.
Ambitionen und Floskeln
Zumindest der Final müsste nun also das Ziel sein für den EHCD – und das Gefühl einer verlorenen Finalserie wollen die Dübendorfer wohl nicht ein drittes Mal in Serie erleben. Dass man sich aber mit Kampfansagen zurückhält und eher nach dem Motto «wir nehmen Spiel für Spiel» handelt, gehört genauso zu den Playoffs wie der Bartwuchs. «Ich muss zu einer Floskel greifen», entschuldigt sich daher EHCD-Captain Jann Falett. «Zuerst einmal müssen wir am Samstag in die Viertelfinalserie hinein kommen.»
Bülach heisst der Gegner im Viertelfinal – und darüber beklagt sich in Dübendorf natürlich niemand. Näher gelegen ist keiner der MSL-Konkurrenten.Mehr Derby geht also nicht – und darüber freut man sich beim EHCD durchaus.
Als Tabellensiebter qualifizierte sich der EHC Bülach für die Playoffs – erst nach der zweitletzten Runde hatte das Team von Trainer Markus Studer seinen Platz unter den besten acht auf sicher. Am Ende machten zwei Punkte den Unterschied. Mit 48 Punkten holten die Bülacher 13 Zähler weniger als der EHCD.
Ein Auswärtsvorteil?
Die Kräfteverhältnisse scheinen aber nur auf den ersten Blick klar verteilt. Im Direktduell nämlich ist die Bilanz ausgeglichen: Die ersten beiden Partien gewann Dübendorf, danach siegten die Bülacher zweimal. Pikant: Bisher gab es in der MSL zwischen diesen beiden Teams nur Auswärtssiege. Gerade die beiden Heimniederlagen sind für Falett noch sehr präsent. «Die beiden Siege fühlen sich wie Spiele aus einer anderen Saison an», sagt er und denkt dabei an die Irrungen und Wirrungen im ersten Saisonviertel, die im Trainerwechsel von Andrea Cahenzli zu Reto Stirnimann gipfelten.
«Wir haben uns taktisch entwickelt, sind flexibler geworden und haben vier Linien, die Spiele entscheiden können.» – EHCD-Captain Jann Falett
Eine «andere Mannschaft» war Dübendorf damals laut Falett. «Wir haben uns seither taktisch entwickelt, sind flexibler geworden und haben vier Linien, die Spiele entscheiden können». Letzteres widerspiegelt sich in der Skorerliste. Kein einziger Dübendorfer ist in den vordersten Rängen zu finden – dafür haben ein knappes Dutzend Spieler zehn oder mehr Punkte erzielt.
Offensiv gehört der EHCD mit 103 erzielten Toren nur zum hinteren Mittelfeld der Liga, dafür haben die Glattaler mit 79 Gegentreffern so wenig Tore kassiert wie kein anderes Team – obschon im Kader vor der Saison in der Verteidigung Routine verloren ging. Falett begründet dies mit dem Kollektiv, mit den starken Leistungen von Torhüter Remo Trüb – aber auch mit dem Zuzug von Routinier Fabian Hurter, der für Winterthur gut 250 Erstliga- und 140 NLB-Parien absolvierte.
Der alte Bekannte
Die meisten davon unter Markus Studer, der nun den EHC Bülach trainiert. Für den 52-Jährige ist Dübendorf quasi ein alter Bekannter – in Winterthur war er Trainer des EHCD-Erzrivalen. «Dübendorf spielt etwas anders als früher, was uns eher entgegenkommt», sagt Studer. Die beiden Siege in der Qualifikation kommen dementsprechend nicht von ungefähr. «Es waren zwei wirklich gute Spiele von uns in einer Phase, in der wir uns gefunden hatten.»
«Dübendorf spielt etwas anders als früher, was uns eher entgegenkommt.» – Bülach-Trainer Markus Studer.
Nach relativ vielen Wechseln und vor allem einer starken Verjüngung hatten die «Eisbären» etwas Anlaufzeit gebraucht. «Im Dezember und Januar hatten wir dann einen wirklich guten Lauf.» Zum Ende der Qualifikation bauten die Bülacher wieder etwas ab – «wir sind jung und haben unsere Hochs und Tiefs», sagt Studer deshalb.
Er hofft, dass im Playoff nun wieder ein Hoch folgt. «Wir gehen optimistisch in den Viertelfinal. Die Playoffqualifikation war unser Ziel, deshalb haben wir nun keinen Druck, aber auch den Ehrgeiz, die Serie zu gewinnen.» Dass der Erfolgsdruck eher beim EHCD liegt, versteht sich aber von selber. «Es überrascht mich nicht, dass das Team auch in dieser Liga vorne mitmischt», sagt Studer. «Aber auch Dübendorf hatte viele enge Spiele.» Auch gegen Bülach. Für EHCD-Captain Falett liegt das daran, dass «die Bülacher taktisch extrem gut sind. Sie geben dir sehr wenig Platz und sind flexibel. Wir müssen aufpassen, dass wir bis zur gegnerischen blauen Linie keine Fehler machen.»

