«Ich bin im Ziel erschrocken»
Der langersehnte Tag X brachte Gilles Roulin eine Enttäuschung. Als der Grüninger in der Olympia-Abfahrt in Pyeongchang mit der Startnummer 20 ins Ziel kam, leuchtete auf der Anzeigetafel der 20. Rang auf. 3,63 Sekunden betrug der Rückstand auf Olympiasieger Aksel Svindal am Ende – bereits im obersten Streckenteil hatte sich Roulin einen verhältnismässig hohen Rückstand eingehandelt, der kontinuierlich weiter anstieg.
Roulin hatte sich im Vorfeld keinen konkreten Rang zum Ziel gesetzt, sondern gesagt, er wolle «am Tag X die bestmögliche Leistung abrufen». Das gelang dem 23-Jährigen nicht. Er, der im Abfahrts-Weltcup auf dem 16. Zwischenrang liegt, verpasste erstmals in dieser Saison die Top-30. Und auch wenn für den Grüninger, der in seiner ersten Weltcup-Saison steht, nur schon die Qualifikation für die Spiele in Pyeongchang als grosser Erfolg gewertet werden kann: Roulin dürfte sich deutlich mehr erhofft haben als den 33. Schlussrang bei seiner Olympia-Premiere.
«Es machte eigentlich Spass»
«Es war schön hier zu fahren und es machte eigentlich Spass», sagte Roulin im TV-Interview. Er wirkte gefasst und nicht frustriert – seine zweifelsohne grosse Enttäuschung konnte er gut verbergen. «Ich habe keinen klaren Fehler gemacht und bin erschrocken, als ich im Ziel auf die Anzeigetafel sah. Leider lässt sich daran nun nichts mehr ändern. Ich konnte es geniessen, hätte mir aber natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht.»
Roulin war nicht der einzige Fahrer, der ohne groben Fehler viel Zeit verlor. Die Pistenverhältnisse waren deutlich anders als noch in den Trainings. Bronzemedaillengewinner Beat Feuz sagte: «Alle Athleten hatten heute Mühe mit den Verhältnissen. Einige verloren im Mittelteil extrem viel Zeit, vielleicht spielte da der Wind eine Rolle.» Der Schnee sei glatter gewesen als im Training. Roulin sagte: «Es war extrem warm, das trug nicht gerade dazu bei dass die Piste schneller wurde.»
Lange Wartezeit ein Faktor?
Womöglich spielte beim Olympia-Debütanten Roulin auch die mangelnde Erfahrung an Grossanlässen eine Rolle. Dass ein Rennen gleich um mehrere Tage verschoben wird, ist für ihn eine ungewohnte und neue Situation. «Ich probierte die Tage zu nutzen um auf andere Gedanken zu kommen», sagte er.
Ursprünglich hätte die Abfahrt am Sonntag stattfinden sollen, wurde aber wegen starker Winde um vier Tage nach hinten verschoben. Zwischen dem letzten Training und dem Rennen vergingen fünf Tage. Dennoch sagt Roulin: «Ich war bereit, es hätte alles gepasst.»
Die Spiele hatten für ihn verheissungsvoll begonnen. In der teaminternen Ausmarchung der drei Plätze neben dem gesetzten Beat Feuz nutzte er bereits die erste Chance und hatte seinen Startplatz nach dem 17. Rang im zweiten Training auf sicher. Im Rennen aber vermochte er sich gegenüber den Trainings anders als sonst nicht mehr zu steigern.
Roulins nächster Einsatz folgt bereits in der Nacht auf morgen Freitag. Um 3 Uhr Schweizer Zeit beginnt der Super-G.
Feuz holt erstmals eine Olympia-Medaille
Beat Feuz verpasste den anvisierten Olympiasieg in der Abfahrt, aber hinter den Norwegern Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud holte er sich immerhin Bronze.
So souverän wie im Training kam Beat Feuz nicht über die Runden. Es machten sich ein paar kleine Unsicherheiten bemerkbar. Trotzdem verpasste der Weltmeister von 2017 den Sieg nur knapp. Auf Svindal, den ersten Abfahrts-Olympiasieger aus Norwegen, verlor der Emmentaler lediglich 18 Hundertstel, 6 Hundertstel betrug die Differenz zum zweitplatzierten Jansrud.
Feuz glaubte nach zehn gestarteten Fahrern nicht daran, dass er noch eine Medaille gewinnen würde. «Meine Fahrt war zu wenig gut», so seine Einschätzung während des Rennens. Zu diesem Zeitpunkt standen noch alle vier Österreicher oben am Start. Aber schliesslich schob sich keiner mehr am Berner vorbei. So resultierte für Feuz am dritten Grossanlass in Serie eine Medaille in der Abfahrt. Dritter war er 2015 an der WM in Beaver Creek geworden, Weltmeister letztes Jahr und nun reichte es ihm zu seiner ersten Edelmetall-Auszeichnung an Olympischen Spielen. (sda)

