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Das Niveau stimmt, das Interesse noch nicht

Die neue überregionale Eishockey-Amateurliga MSL hatte im Vorfeld Hoffnungen geweckt, aber auch Skepsis verursacht. Nun ist die Qualifikation in der Premierensaison zu Ende. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Das Niveau stimmt, das Interesse noch nicht

Das sportliche Niveau

Spannung und Ausgeglichenheit hatten sich die Klubs von der MSL erhofft – enttäuscht wurden sie nicht. Das zeigt nur schon die Tabelle: Zwischen dem Tabellendritten Wiki-Münsingen und dem Zehnten Basel liegen nur gerade acht Punkte Unterschied. Die Spitzenklubs Sion und Dübendorf haben sich zwar leicht abgesetzt, dies aber erst gegen Ende der Qualifikation. Und im Tabellenkeller war lediglich Neuenburg – mutmasslich auch aufgrund finanzieller Probleme – schon relativ früh abgeschlagen.

«Sportlich ist die Liga ein Riesengewinn», sagt Ligaleiter Martin Graf. Er selber war in fast jeder Runde in einem Stadion, «und ich habe meistens hervorragendes Hockey gesehen, manchmal war das Niveau jenem von Swiss-League-Spielen sogar ebenbürtig.» In dieselbe Kerbe schlägt Dübendorfs Sportchef Urs Wüst: «Die Lücke zur Swiss League ist sicher kleiner geworden. Dennoch kann jeder jeden schlagen, jedes Spiel ist eng.» Und EHCD-Captain Jann Falett zeigt sich vom Niveau positiv überrascht: «Ich dachte eigentlich, es brauche das eine oder andere Jahr, bis sich alles eingepegelt hat. Man muss jeden Match 60 Minuten lang Vollgas geben – auch gegen den Tabellenletzten.»

Der Zuschauerzuspruch

Der Zuschauerschnitt nach der Qualifikation zeigt: Das Publikum akzeptiert die Liga – aber es hat nicht auf sie gewartet. Der Schnitt (375) liegt in etwa dort, wo er letzte Saison in der Erstliga-Ostgruppe war (380) – was für acht von 12 Klubs eine Steigerung bedeutete (siehe Tabelle unten). Massiv verloren hat Qualifikationssieger Sion (216/-108), was vor allem damit zusammenhängt, dass die Derbys gegen Lokalrivale Sierre wegfallen.

Zuschauerkrösus ist Basel mit einem Schnitt von 730 – das sind 107 mehr als in der letzten Saison. Eine Steigerung in diesem Mass hatte man bei der Liga eigentlich überall erwartet. Ligaleiter Graf wertet deshalb die Zuschauerzahlen als positiv, sagt aber auch: «Das Interesse von aussen ist noch nicht dort, wo wir es uns erhofft hatten». In Dübendorf hatte man erwartet, dass der Schnitt ungefähr derselbe sein würde. «Attraktivität und Niveau der Liga hätten aber mehr verdient», sagt Wüst. Die Klubs wollen in nächster Zeit mit der Liga über Marketingmassnahmen nachdenken.

Eine wird – mit Verspätung – in den nächsten Wochen umgesetzt: Eine Website, auf der von den Klubs produzierte Interviews mit Spielern und Coaches nach den Matches aufgeschaltet werden. Ligaleiter Graf glaubt: «So können wir jüngere Generationen besser abholen». Weshalb war der Service nicht schon zu Saisonbeginn parat? «Es ist wie bei vielen neuen Dingen: Es kann nicht von Beginn weg alles funktionieren. Zudem haben wir eine neue Liga eingeführt, etwas, dass es seit Jahrzehnten im Schweizer Eishockey nicht gab», sagt Graf.

Zuschauerzahlen in der Qualifikation

  17/18 16/17 Differenz Basel 730 623 +107 Thun 420 348 +72 Bülach 273 219 +54 Star Forward 150 102 +48 Düdingen 327 284 +43 Wiki 368 330 +38 Neuchatel 171 150 +21 Chur 629 624 +5 Dübi 511 527 -16 Brandis 203 223 -20 Seewen 498 553 -55 Sion 216 324 -108

Der Aufwand
Es ist der Punkt, der vor der Lancierung der MSL am meisten Skepsis auslöste: Wie gross ist der Mehraufwand effektiv? Ligaleiter Martin Graf glaubt: «Die Klubs kommen mit demselben Budget durch, wenn nicht ausschliesslich der Spitzenrang das Ziel ist». Dübendorfs Sportchef Wüst sagt: «Es sind noch nicht alle Zahlen ausgewertet, aber der Aufwand ist im Rahmen unserer Erwartungen». Negative Überraschungen habe es in finanzieller Hinsicht keine gegeben. Und Wüst sagt, im Gegensatz zur MSL seien die Kosten beim Nachwuchs unberechenbarer. «Dort spielen wir in der zweiten Phase der Meisterschaft auf Top-Level nicht mehr regional, sondern national. Da können rasch zusätzliche Kosten von über 10’000 Franken anfallen.»

Der EHCD ist einer von vielen MSL-Klubs, die vor der Saison betont hatten, dass das Fanionteam nicht mehr kosten würde als bisher. Mehrkosten entstehen aber vor allem durch die weiteren Wege – in Dübendorf kalkulierte man mit rund 15’000 Franken. Angesichts der Tatsache, dass die Klubs dank des Ligasponsors quasi eine Antrittsgage von 30’000 Franken erhalten, eine verkraftbare Summe. Allerdings müssen sie die Werbefläche im Mittelkreis dafür freihalten.

Wie sieht es aber mit dem (zeitlichen) Mehraufwand für die Spieler aus? «Wir haben nicht mehr Spiele und trainieren nicht öfter», sagt EHCD-Captain Jann Falett. Er findet aber auch: «Die Liga fordert psychisch und physisch den Spielern mehr ab. Es geht mehr an die Substanz – aber am Schluss macht einen das als Spieler auch besser». Bei einigen Spielern sei die Skepsis bezüglich der Reisere vor der Saison gross gewesen. «Nun ist es aber kein Thema mehr in der Mannschaft. Natürlich ist es etwas anderes, nach Lausanne zu fahren statt nach Romanshorn. Aber solche Reisen sind am Samstag, der Modus nimmt Rücksicht auf die Spieler.» Zudem habe Dübendorf im Gegensatz zu Chur einen Standortvorteil – es mache keinen Unterschied, ob man nach Arosa oder ins Tessin fahre (wie es früher in der 1. Liga der Fall war) oder nach Wichtrach, Neuenburg, Thun, Düdingen.

Einer ähnlichen Ansicht ist man unterdessen notabene auch beim SC Lyss, der zu den Aufstiegskandidaten in die MSL zählt. Weil die 1. Liga künftig nur noch aus zwei statt aus drei Gruppen bestehen wird, heisst es dort, man müsse fortan sowieso weiter reisen. «Es spielt keine grosse Rolle mehr, ob man in der MSL oder in der 1. Liga spielt», sagt Lyss-Präsident Walter Mengisen in der «Berner Zeitung».

Die Aufstiegsfrage

A propos mögliche Aufsteiger: Offiziell kommuniziert wurden diese vom Verband bisher nicht – eine Anfrage blieb unbeantwortet. Wie aus verlässlichen Quellen zu erfahren war, haben neben Lyss der HC Sierre sowie aus der Ostgruppe Bellinzona und Arosa ihr Interesse angemeldet. Die Liste dürfte unvollständig sein – dem Vernehmen nach gibt es zumindest in der Ostschweiz einen weiteren Interessenten. Wetzikon – soviel ist klar – ist es nicht. Aufsteigen kann einer dieser Klubs aber erst, wenn er die sportlichen Kriterien in Form der Erstliga-Finalrunde erreicht hat.

Für die MSL-Klubs ist der Weg nach oben noch zu – er wird aber ein Jahr früher als geplant eröffnet. Bereits in der nächsten Saison darf der MSL-Meister in die Swiss League aufsteigen. Dort ist seit dem Konkurs von Red Ice Martigny Ende letzter Saison ein Platz frei.

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