Eine attraktive Mitgift
Erstmals seit 15 Jahren und Petronas hat das Sauber-Team wieder einen Titelsponsor. Als «Alfa Romeo Sauber» werden die Hinwiler Boliden ab der nächsten Saison die Formel-1-WM bestreiten. Damit machte das Team in einer Medienmitteilung heute Vormittag offiziell, was schon länger in der Gerüchteküche herumgeboten wurde. Als Sauber im Frühling 2016 am Abgrund stand und die Löhne nicht mehr bezahlen konnte, war gar spekuliert worden, Alfa Romeo könnte das Team übernehmen. Die Sauber-Käufer kamen letztlich aus Schweden – und sie holten nun Alfa an Bord.
Sauber hat damit einen Partner gefunden, nach dem man in Hinwil lange gesucht hatte. Immer wieder hatte die ehemalige Teamchefin Monisha Kaltenborn, die im Sommer durch Frédéric Vasseur ersetzt wurde, die Wichtigkeit einer solchen Kooperation betont. Vasseur legte dann die Basis für die neue Partnerschaft, indem er den von Kaltenborn eingefädelten Deal mit Honda rückgängig machte und für die Rückkehr Saubers zum langjährigen Motorenlieferanten Ferrari sorgte. Die Beziehung zu den Italienern war in den letzten Jahren, als Sauber finanziell am Boden lag, deutlich abgekühlt. Nun gibt es in der erneuerten Ehe neben den aktuellen Ferrari-Motoren eine weitere attraktive Mitgift.
In Hinwil ist man stolz
Alfa Romeo und Ferrari gehören beide zum Fiat-Chrysler-Konzern. Dessen CEO Sergio Marchionne sprach bereits vor zwei Jahren von einem möglichen Comeback Alfas in der Formel 1. Nun wird die Rückkehr nach über 30 Jahren Tatsache, mit einer mehrjährigen technischen und kommerziellen Partnerschaft, wie es im Communiqué heisst. Marchionne bezeichnete dies als «wichtigen Schritt bei der Neuausrichtung der Marke.» Alfa Romeo werde davon profitieren, das «technologische und strategische Know-How mit einem so erfahrenen Partner wie Sauber zu teilen».
Sauber-Verwaltungsratspräsident Pascal Picci zeigt sich im Communiqué «stolz, dass diese international renommierte Firma für die Rückkehr in die Königsklasse des Motorsports uns ausgewählt hat.» Es sei für die Sauber Group eine «grossartige Gelegenheit, eng mit einem Hersteller zusammenzuarbeiten um unsere Projekte zu entwickeln.»
Vieles ist wohl noch Verhandlungssache
Was die Kooperation konkret bedeutet, bleibt offen. Vieles dürfte auch noch zu verhandeln sein. Denkbar ist, dass Sauber beispielsweise die Ferrari-Motoren günstiger erhält und dank den Italienern auch das Drittkundengeschäft ankurbeln kann. Wie rasch die technische Kooperation Früchte trägt und vor allem wie tiefgreifend sie ist, bleibt abzuwarten.
«Kurzfristig gesehen wäre es sicher einfacher, Teile von Ferrari zu kaufen. Mittel- und langfristig aber müssen wir unser eigenes Projekt entwickeln. Ich möchte das Know-How dafür nicht verlieren», sagte Vasseur schon vor einigen Wochen. Vielleicht aber kann Sauber dank Alfa Romeo auch an Know-How zulegen. Tatsache ist: Sichtbar wird die Kooperation in der nächsten Saison zwar dank dem Alfa-Logo auf dem Sauber-Boliden, die Entwicklung des nächstjährigen Autos ist allerdings längst im Gang. Darauf dürfte der neuste Deal keinen Einfluss mehr haben. Zudem war der späte Wechsel des Motorenlieferanten zurück von Honda zu Ferrari für diesen Prozess nicht eben vorteilhaft.
Leclerc – und doch Giovinazzi
Wer dieses Auto fährt, ist noch offen. Als gesichert gilt, dass der monegassische Ferrari-Nachwuchsfahrer Charles Leclerc, der soeben die Formel 2 gewonnen hat, den Platz von Pascal Wehrlein übernehmen wird. Ferrari möchte mit Antonio Giovinazzi auch einen zweiten seiner Junioren platzieren. Der 23-Jährige ersetzte zu Beginn dieser Saison bei Sauber den verletzten Wehrlein in zwei Rennen. Ob er aber Marcus Ericsson, der mit den Sauber-Besitzern verbandelt ist, verdrängen kann, ist fraglich.
Alfa Romeo hat in der Formel 1 eine ruhmreiche Vergangenheit. Die ersten beiden Formel-1-Weltmeistertitel gingen mit Giuseppe Farina (1950) und Juan Manuel Fangio (1951) an die Italiener, die danach rund 20 Jahre lang nicht mehr aktiv waren, ehe sie in den 1970-er Jahren erst als Motorenbauer und ab 1979 wieder mit eigenem Werksteam zurückkehrten, das bis 1985 Bestand hatte und trotz durchaus namhafter Fahrer wie Riccardo Patrese, Mario Andretti oder Patrick Depailler sieglos blieb. Die letzten Spuren von Alfa Romeo stammen aus der Saison 1987 und dem Osella Rennstall, der mit veralteten Alfa-Motoren chancenlos war. Im Tourenwagensport war Alfa Romeo bis 2005 vertreten. Seither verschwand der Name aus dem Motorsport.
A new #F1 era for @SauberF1Team and @alfa_romeo will start in 2018 >> https://t.co/SRAwcGc2HW pic.twitter.com/X1sfEvwtSe
— Formula 1 (@F1) 29. November 2017

