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Roulin – «den Namen muss man sich merken»

Gilles Roulins Resultate in den ersten Speedrennen der neuen Weltcup-Saison lassen aufhorchen. Doch trotz dem 12. Rang in seiner erst dritten Weltcup-Abfahrt hebt der Grüninger nicht ab. Der 23-Jährige kalkuliert Umwege ein.

Roulin – «den Namen muss man sich merken»

«Eigentlich hätte das Material vor zwei Stunden da sein sollen», sagt Gilles Roulin. Der 23-jährige Grüninger sitzt im Hotelzimmer in Beaver Creek, wo am Freitag (Super-G), Samstag (Abfahrt) und Sonntag (Riesenslalom) die nächsten drei Weltcuprennen anstehen. Schon seit Sonntagabend weilt das Schweizer Team im Skiresort im US-Bundesstaat Colorado – ein Teil des Materials hingegen lässt auf sich warten. Roulins Ski unter anderem, deshalb kann er nicht wie etwa Zimmerkollege Marc Gisin auf die Piste. «Ich wollte wenigstens an meiner Kondition arbeiten, aber die richtigen Schuhe dafür sind auch noch nicht da», sagt Roulin. Eine Situation, die er so nicht gewohnt ist, die ihn aber nicht aus dem Konzept bringt. «Rege ich mich darüber auf, verwende ich nur Energie, die ich anderweitig besser brauchen kann», sagt der Grüninger.

Mit nur einem Training in die Weltspitze

Aufregen musste er sich in Lake Louise am letzten Wochenende nicht; im Gegenteil. Der 12. Rang in der Abfahrt vom Samstag und der 25. Platz im Super-G vom Sonntag sind Resultate, die aufhorchen lassen. «Gilles Roulin – den Namen muss, nein, darf man sich merken», sagte SRF-Kommentator Stefan Hofmänner in der Liveübertragung. Der Grüninger verschaffte sich mit seinen Fahrten in die Weltspitze Respekt und Anerkennung. «Ich habe meine eigenen Erwartungen erfüllt, wenn nicht übertroffen», sagt er selber denn auch. In der Abfahrt gelang ihm dies, obschon nur gerade ein Training auf der Piste stattfand. Mutmassen, was mit mehr Routine auf der Piste dringelegen wäre, möchte er nicht. «Wichtig ist für mich, dass ich im Rennen das umsetzen konnte, was ich mir im Training vorgenommen hatte», sagt er.

 

the boss and I. So grateful for the help the inspiration and the support! Thank you @feuz87 Today is Super-G time in Lake Louise (20:00 CET) #theyseemeroulin . . . . . #worldcuprebels #bib32 #headwhatyourlimit #lakelouise #kugelblitz snowlicious

Ein Beitrag geteilt von Gilles Roulin ?? (@gillesroulin7) am 26. Nov 2017 um 6:29 Uhr

Auf Instagram bringt Gilles Roulin seine Freude über den 12. Rang mit einem Bild zum Ausdruck, das ihn mit Abfahrtssieger Beat Feuz zeigt. Entstanden ist es bei einem Spaziergang der beiden am Tag vor dem Rennen. 

Dass er als Zwölfter beispielsweise seinen Teamkollegen Patrick Küng, den Weltmeister von 2015, hinter sich gelassen hatte, spielt für Roulin keine Rolle. «Ich habe nun die Bestätigung, dass ich vorne mitfahren kann», sagt er. Und wichtiger als Namen von Konkurrenten ist für ihn der Zeitabstand, die 1,3 Sekunden Rückstand auf Sieger Beat Feuz, mit dem er sich den Servicemann teilt. «Hier die eine oder andere Kurve etwas anders fahren, dort eine andere Linie nehmen» – Roulin weiss, woher der Rückstand kommt.

Ganz im Gegensatz zum Super-G. Er hat seine eigene Fahrt noch nicht einmal detailliert analysieren können, weil auch die Computer der Trainer noch nicht in Beaver Creek eingetroffen sind. «Kurz vor dem Ziel hatte ich einen Fehler drin», sagt er zwar. Weshalb er aber bei der zweiten Zwischenzeit ohne ersichtlichen Grund mehr als eine Sekunde Rückstand aufwies, ist ihm ein Rätsel. Auf die Entgegnung, Schneefall und Wind seien bei seiner Fahrt stärker gewesen als bei den Besten, antwortet er: «Das kriege ich als Athlet ja nicht mit.»

Die Ambitionen steigen nur «vielleicht ein bisschen»

Dennoch: Auch mit dem 25. Rang kann sich Roulin anfreunden – schliesslich hat er damit sein Ziel, in die ersten 30 zu fahren, auch im Super-G erreicht. In Beaver Creek geht der Grüninger deshalb nun mit der Gewissheit an den Start, sein Potenzial schon einmal bewiesen zu haben. Steigert das auch die Ambitionen? «Vielleicht ein bisschen», sagt er, «aber ich korrigiere meine Ziele nicht gleich nach oben». Dazu passt auch, dass er zwar in der Abfahrt zur Hälfte bereits die Selektionskriterien für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang erfüllt hat, aber dennoch sagt: «Die Spiele sind für mich noch gleich weit weg wie vor der Saison.»

Temporäre Rückkehr in den Europacup

Seinem Weg der kleinen Schritte bleibt Roulin also treu – dazu gehört auch eine temporäre Rückkehr in den Europacup. Im Riesenslalom wird er dies nach den Rennen in Beaver Creek tun. Während der Weltcup-Tross am übernächsten Wochenende in Val d’Isère gastiert, reist der Grüninger ins norwegische Trysil, um dort zwei Europacup-Riesenslaloms zu bestreiten. Roulin tut das aus eigenem Antrieb, um seine Position in der Fis-Punkteliste und damit seine Startnummer im Weltcup zu verbessern. In den Speeddisziplinen hat er derzeit den Platz direkt hinter den Top-30 auf sicher. Im Riesenslalom hingegen wird er am Sonntag in Beaver Creek deutlich weiter hinten ins Rennen gehen müssen, wohl mit einer Startnummer zwischen 50 und 60. Ein Umweg, der sich für Roulin also lohnen könnte – ganz im Gegensatz zu jenem seines Materials, das irgendwann am Dienstag dann doch auch noch eintraf.

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