«Mein Ziel ist es, besser zu sein denn je»
Im September ging die Superbike-Saison für Randy Krummenacher schon vier Rennen vor Schluss zu Ende. Der 27-jährige muss einen Bruch des rechten Handgelenks kurieren. Seit wenigen Tagen ist klar, dass er im nächsten Jahr für das italienische Evan-Bros-Team in der Supersport-WM auf einer Yamaha-Maschine fahren wird. Im Interview spricht der Oberländer über seine Pläne und sagt, was der Wechsel für ihn finanziell bedeutet.
Wie geht es Ihrer Hand?
Randy Krummenacher: Nicht schlecht, ich bin im Fahrplan. Der Doktor ist happy. Nun geht es darum, bis Ende November die volle Beweglichkeit wieder zu erlangen. Danach gibt es eine Kontrolle, und dann darf ich die Hand auch wieder belasten.
Das heisst, Sie sind beim Training noch eingeschränkt?
Ich darf derzeit fünf Kilo belasten. An Töfffahren ist also nicht zu denken. Trainieren kann ich, ich brauche dabei einfach den rechten Arm nicht. Im Moment verbringe ich aber mehr Zeit damit, das nächste Jahr zu planen und zu organisieren.
Sie kehren nach einem Jahr in der Superbike-WM in die Supersport-WM eine Stufe tiefer zurück. Empfinden Sie das als Rückschritt?
Nein, gar nicht. Rückschritt oder Fortschritt – darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich muss diesen Schritt einfach machen. Denn mit diesem Paket kann ich zeigen, was ich drauf habe.
Gab es in der Superbike-WM keine Optionen?
Es gab Optionen, aber sie wären nicht besser gewesen als das, was ich in diesem Jahr hatte. Für den Moment habe ich mit der Superbike-WM abgeschlossen. Ich habe aber Pläne, mit meinem neuen Team etwas zu kreieren, was uns einmal die Möglichkeit geben sollte, aufzusteigen. Ich nehme einen neuen Anlauf, und wir möchten von Grund auf etwas aufbauen. Ich habe ein kleines Team ausgewählt, das aber das Potenzial hat, gross zu werden. Derzeit sind es nur fünf Leute. Wir versuchen aber von Anfang an vorne mitzufahren. Und dann wollen wir einen Businessplan machen, um Sponsoren zu motivieren.
Das klingt, als wären Sie nicht nur Fahrer.
Nein, den Winter über bin ich das sowieso nicht. Es geht nicht nur ums Töff fahren, sondern ich muss Grips haben, um Rennfahrer zu sein. Ich finde das genial. Ich kann viel beeinflussen. Im neuen Team sind wir alles Leute, die aufeinander hören und dazulernen wollen. Das gilt auch für mich.
Was bedeutet der Wechsel für Sie finanziell?
Ich habe einen Vertrag mit Yamaha, der ein Bonussystem beinhaltet – ich kann also Geld verdienen, wenn ich richtig am Kabel ziehe. Dieser Teil ist sogar attraktiver als zuletzt bei Puccetti. Ansonsten ist der Deal so gehalten, dass es sich gut ausgeht. Meine Sponsoren ziehen alle mit, dafür bin ich sehr dankbar.
Sie haben einen Zweijahresvertrag unterschrieben – ein Vorteil für Sie?
Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, was ich die nächsten beiden Jahre mache. Das soll aber nicht heissen, dass ich zwei Jahre Zeit habe. Wir wollen wachsen und die Möglichkeit generieren, in die Superbike-WM einzusteigen. Aber dafür braucht es dreimal so viel Geld.
Was für Lehren haben Sie aus dem Superbike-Jahr gezogen?
Ich sah viel und habe viel gelernt. Es braucht für mich aber mehr Vorbereitungszeit und mehr Geduld, um etwas zu kreieren, das es mir erlaubt, nur schon konstant in die Top-Ten zu fahren. Dank Reglementsänderungen wird es in der Superbike-WM bald einfacher – das Motorenprogramm wird reduziert, zudem gibt es einen Kostendeckel für Teile. Werksteams werden zwar noch mehr Manpower haben und die besten Fahrer werden dort fahren. Aber die Privatteams werden nicht mehr eineinhalb, zwei Sekunden Rückstand haben.
Gibt es dieses Gefälle in der Supersport-WM nicht?
Dort ist bezüglich Kosten und Material alles überschaubarer. Man kann als Privatteam einen sehr guten Töff aufbauen und braucht nicht so viel Manpower.
Sie streben Siege und Titel an – was macht Sie zuversichtlich, dass dies gelingt?
Ich kenne die Serie und der 600er-Töff liegt mir. Im letzten Jahr litt ich fünf Rennen lang an einer Schulterverletzung. Ich kann also noch mehr zeigen (Krummenacher wurde auf Puccetti-Kawasaki WM-Dritter und feierte einen Sieg – die Red.). Wir haben zudem dank Yamaha Schweiz gute Möglichkeiten, der Materialsupport ist richtig grosszügig. Und wir können einen guten Testplan machen. Letztes Jahr fuhr ich zwar viel privat, habe aber nicht wirklich getestet. Das Projekt ist sehr ehrgeizig. Ich werde optimal gerüstet sein – mein Ziel ist es, besser zu sein denn je.

