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Ein «Reset» mit Stirnimann

Völlig unerwartet wechselt der EHC Dübendorf seinen Trainer. Der MSL-Klub opfert Andrea Cahenzli, weil einige Spieler ihn anzweifelten. Nun übernimmt Reto Stirnimann – und sagt: «Ich komme ohne Vorbehalte».

Ein «Reset» mit Stirnimann

Das hat absoluten Seltenheitswert: Der EHC Dübendorf nimmt während der Saison einen Trainerwechsel vor. Vor 19 Jahren war das letztmals der Fall, als Andy Flemming kurz vor Weihnachten bei den Glattalern freigestellt wurde. Nun muss nach nur neun Spielen in der neuen höchsten Amateurliga MSL Andrea Cahenzli sein Amt als Headcoach abgeben. Sein Nachfolger wird Reto Stirnimann, der seit dieser Saison als Nachwuchs-Cheftrainer bei den Glattalern engagiert ist. Auch Cahenzlis Assistent Arpad Dery muss seinen Posten abgeben – wer auf ihn folgt, ist noch offen.

Die Massnahme kommt unerwartet – schliesslich belegt der EHC Dübendorf in der neuen MSL den fünften Zwischenrang. Den Grund für den Wechsel formuliert der Klub mit den vielsagenden Worten, Cahenzli habe «Teile der Mannschaft nicht mehr erreicht», die Mannschaft habe sich nicht wie erhofft entwickelt und es seien «Rückschritte in der Leistungsbereitschaft sowie in der Teambildung zu verzeichnen».

Fakt ist: Eine Gruppe von Spielern zweifelte den Headcoach und dessen Arbeitsweise an. Und der Klub sieht sich nicht in der Lage, sich von diesen Spielern zu trennen, sondern trennt sich vom Headcoach. «Wir machten uns diverse Gedanken», sagt Sportchef Urs Wüst. «Es ist ein Reset, mit dem niemand rechnete, deshalb erhoffen wir uns davon einen grossen Effekt». Nun aber stehe die Mannschaft in der Pflicht. «Das machen wir kein zweites Mal.»

Cahenzli: «Vielleicht war ich zu naiv»

Für Cahenzli kam die Freistellung selbstredend überraschend.  «Natürlich bin ich traurig, ich hätte gerne weitergemacht. Aber leider wurde mir im entscheidenden Moment vom Klub der Rücken nicht gestärkt. Eigentlich hatten wir geplant, der Mannschaft ins Gewissen zu reden», sagt der 53-Jährige. Am Mittwoch hatte der EHCD in Chur 2:5 verloren und dabei nicht eben viel Siegeswillen ausgestrahlt.

Ein Teil der Spieler habe ihn loswerden wollen, sagt der Ur-Dübendorfer. Er selber sei aber «womöglich zu lieb, zu naiv und gutgläubig» gewesen. «Ich habe zwar oft gegenüber dem Vorstand die Probleme offen kommuniziert. Aber ich sah es als Prozess und glaubte, dass ich die Mannschaft so hinkriege, dass es gut funktioniert.» Das wurde ihm nun wohl zum Verhängnis. Der Klub möchte ihn als Nachwuchs-Cheftrainer behalten – ob er das auch will, weiss Cahenzli noch nicht. «Ich muss zuerst einmal alles sacken lassen.»

Cahenzli, der zuvor seit 2003 Nachwuchs-Cheftrainer war,  hatte das EHCD-Fanionteam auf die Saison 2015/16 hin übernommen. In seinen etwas mehr als zwei Saisons als Headcoach erreichte er mit dem EHCD in der Erstliga-Ostgruppe zweimal den Playoff-Final, den Titel konnten die Dübendorfer unter ihm allerdings nicht feiern.

In Cahenzlis Amtszeit fällt auch der sensationelle Sieg in der ersten Cup-Runde gegen den HC Davos. Das 5:4 nach Verlängerung war ein Highlight für ihn, aber auch die Tatsache, dass er das Team in die neue höchste Amateurliga MSL führen konnte. «Diese Liga ist absolut bereichernd. Wir hätten viel erreichen können. Das bräuchte aber mehr Demut und Erfolgshunger bei einzelnen Spielern.»

Stirnimann: «Jeder fängt bei Null an»

Cahenzli wurde gestern Nachmittag von der Klubführung über den Entscheid informiert. Danach sprach er mit seinem Nachfolger Reto Stirnimann. «Nein, wir sprachen nicht über Namen», sagt dieser. «Wir gingen auf einige Details ein und tranken einen Kaffee zusammen. Ich komme ohne Vorbehalte in dieses Team. Jeder fängt bei Null an – ich auch.»

Stirnimann war für den Klub die naheliegendste Lösung – auch, weil die Rochade keine Kosten nach sich zieht. Sportchef Wüst beschreibt den 43-Jährigen als «tough» – also knallhart. Und Captain Jann Falett sagt nach dem ersten Eistraining mit Stirnimann: «Er ist sehr bestimmt und weiss was er will.»

Der neue EHCD-Headcoach bringt Erfahrung aus über 888 NLA-Spielen mit, er wurde zweimal mit den ZSC Lions Meister, stieg bei Ambri als Assistent von Kevin Constantine ins Trainergeschäft ein und war in der letzten Saison bei Herisau Chefcoach der Elite-B-Junioren. Erfahrung als Cheftrainer im Erwachsenenhockey bringt er keine mit. «Ich habe in Ambri Erfahrungen mit Profis sammeln können und war selber 18 Jahre Profi. Aber ich muss mich sicher auch noch selber finden», sagt der gebürtige Davoser.

Feuertaufe gegen den Leader

Erstmals in einem Match coachen wird Stirnimann sein Team bereits heute im Heimspiel gegen Leader Brandis. Was erwartet Sportchef Wüst nun von der Mannschaft? «Einsatz über 60 Minuten, diszipliniert und mit viel Herz», sagt er und fügt an: «Das habe ich in dieser Saison noch nicht gesehen.» Die Botschaft ans Team ist klar – und Captain Falett sagt: «Die letzten Spiele waren nicht gut. Und wir Spieler waren auf dem Eis, nicht der Trainer. Wir haben schlecht gespielt, das muss man festhalten.»

Die Mannschaft sei vom Entscheid überrascht worden, sagt Falett. «Am Ende sind es die Mechanismen des Sports. Die Klubführung hat das so bestimmt. Der Entscheid zeigt, dass das Commitment des Vereins, Spitzenamateurhockey zu spielen, nicht einfach ein Papiertiger ist. Es wird mit allen Konsequenzen gelebt.»

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